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Comeback des Harwarders

Comeback des Harwarders

Der schwedische Forst- und Holzkonzern Holmen testet seit November 2014 den Prototypen eines neuen Harwarders von Komatsu Forest. Mit der „X19“ genannten Maschine greift der nordschwedische Forstmaschinenhersteller eine Technik wieder auf, wie er sie 2001 mit dem Valmet 801 Combi schon einmal eingeführt hat.Im Unterschied zur damaligen Maschine, deren Produktion 2007 eingestellt wurde, ist der X19 keine Durchforstungsmaschine mehr wie der 801 Combi, der 13 t Nutzlast hatte. Mit 19 t Ladekapazität ist sie vielmehr auf den Einsatz in der Endnutzung, sprich für den Kahlschlagbetrieb optimiert. Basis ist der größte Komatsu-Forwarder 895. Wie bei Harwardern üblich, besitzt die Maschine eine dreh- und tiltbare Kabinen-Kran-Einheit und einen ebenfalls dreh- und tiltbaren Rungenkorb, in den hinein der Fahrer die Holzabschnitte direkt aufarbeitet. Als Aggregat dient beim X19 erstaunlicherweise vorläufig das alte Kombiaggregat 330 Duo, das Holz ernten und die Holzabschnitte mit den integrierten Zangen auch verladen kann. Es hat zwar einen maximalen Fälldurchmesser von immerhin 50 cm, Erfahrungen in Deutschland haben aber gezeigt, dass sein Einsatzoptimum bei Durchmessern zwischen 15 und 18 cm liegt.Wie zu erwarten, bezeichnet der Fahrer der Testmaschine, Anders Lidén, das Kombiaggregat denn auch als Schwachpunkt der Maschine, mit der er sonst zufrieden ist. Besonders das Entladen der Maschine dauert ihm zu lange – auch weil der Greifer zu wenig Abschnitte packt. Er spricht sich dafür aus, für die Ernte- bzw. Ladearbeiten per Schnellkupplung zwischen Greifer und Harvesteraggregat zu wechseln. Mit diesem Konzept arbeitet außer Ponsse bei seinen Dual-Kombimaschinen auch der Schwede Christer Lennartsson bei seinem Harwarder „Beauty“.In Deutschland haben sich Harwarder wie der 801 Combi nicht durchgesetzt. Zwar ist die Idee bestechend, dass ein Fahrer mit einer Maschine Holz ernten und – ohne es an der Rückegasse abzulegen – gleich rücken kann. Wissenschaftliche Studien ergaben jedoch, dass Kombimaschinen im Vergleich zum Zweimaschinensystem nur bei kleinen Flächen, geringen Eingriffstärken (z. B. bei verstreutem Hiebsanfall) und kurzen Rückedistanzen konkurrenzfähig sind. Mit ihren drehbaren Ladeflächen sind sie zudem auf Rückegassen nicht optimal einsetzbar. Dazu kommt aktuell die neue Grundmaschine Komatsu 895, die mit 3,06 m Breite (710er Bereifung) und 19?t Nutzlast für Deutschland überdimensioniert ist.Der von Skogsforsk wissenschaftlich begleitete Testeinsatz bei Holmen in Schweden ist auf ein Jahr angelegt. Projektpartner sind neben Komatsu Forest, Skogsforsk und Holmen auch Stora Enso, Sveaskog und SCA, Södra und BillerudKorsnäs.

Oliver Gabriel

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