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Clusterstudie Forst und Holz Baden-Württemberg vorgestellt

Clusterstudie Forst und Holz Baden-Württemberg vorgestellt

„Die Wirtschaftskraft Baden-Württembergs wird in erster Linie mit der Automobilindustrie oder dem Maschinenbau in Verbindung gebracht. Kaum jemand vermutet, dass der Wirtschaftszweig ‚Forst und Holz‘ mit einem jährlichen Gesamtumsatz von rund 31 Milliarden Euro und etwa 29.000 mittleren und kleineren Unternehmen knapp 200.000 Menschen einen Arbeitsplatz bietet“, sagte der baden-württembergische Minister für Ländlichen Raum, Ernährung und Verbraucherschutz, Rudolf Köberle, am 12. November 2010 in Stuttgart bei der Vorstellung der Ergebnisse einer landesweiten Studie zur Forst- und Holzbranche im Südwesten. Ziel der Landesregierung sei es, die Wettbewerbsfähigkeit und Wertschöpfung der holzverarbeitenden Betriebe und damit der Regionen, in denen diese angesiedelt sind, zu stärken sowie auf die wirtschaftliche Bedeutung des Sektors aufmerksam zu machen. Die im Rahmen der Clusterinitiative „Forst und Holz Baden-Württemberg“ entwickelte Studie sei ein wichtiger Meilenstein.
„Das Waldland Baden-Württemberg verfügt auf 1,4 Millionen Hektar über leistungsfähige und naturnahe Waldbestände. Mit einem Holzeinschlag, der in den vergangenen Jahren durchschnittlich bei rund elf Millionen Kubikmetern lag, steht der heimischen Holzindustrie ein Rohstoffpotenzial zur Verfügung, das es möglichst gewinnbringend zu nutzen gilt“, erklärte der Minister. Holz sei der Rohstoff des 21. Jahrhunderts – vielseitig einsetzbar, nachwachsend und ausgesprochen klimafreundlich.
Clusterstudie bringt neue Erkenntnisse
„Insgesamt haben wir eine hohe Dichte an leistungsfähigen und innovativen Betrieben in der Forst- und Holzwirtschaft im Land. Unsere Studie zeigt, dass diese regional sehr unterschiedlich verteilt sind“, so Köberle. Mit Blick auf die wirtschaftliche Leistung der Branche führe dies zu deren latenten Unterbewertung. „Im Landesdurchschnitt arbeiten rund vier Prozent der Beschäftigten in Betrieben entlang der Wertschöpfungskette Holz. In den eher ländlich geprägten Regionen Nordwürttembergs oder in Teilen des Schwarzwalds sind es mancherorts aber mehr als zehn Prozent der arbeitenden Bevölkerung, die in einem holzverarbeitenden Betrieb ihr Aus-kommen finden“, unterstrich Köberle.
Bezeichnend für Baden-Württemberg sei auch, dass die Verarbeitung des geschlagenen Holzes überwiegend im Land erfolge. „Vor allem die ausgewogene Sägewerksstruktur sorgt dafür, dass über 75 Prozent der Wertschöpfung, die auf Waldholz aus Baden-Württemberg zurückzuführen ist, im Land selbst realisiert wird“, sagte der Forstminister.
Ein wichtiges Thema für die Branche sei die Sicherung einer kontinuierlichen und umfassenden Holzversorgung. „Nutzungsreserven beispielsweise im Laubstarkholz oder im Kleinprivatwald müssen verstärkt genutzt werden. Weitere Bewirtschaftungsbeschränkungen müssen kritisch hinterfragt werden“, erklärte der Forstminister. Es sei den Menschen schwer zu vermitteln, dass einerseits Waldbestände vor der Haustüre selbst unter Beachtung höchster Umweltauflagen ungenutzt bleiben müssten, während andererseits die Sägewerke gezwungen würden, Hölzer aus weit entfernten Regionen und Ländern zu beziehen, was mit vermeidbaren Kosten und einem zusätzlichen Ausstoß schädlicher Treibhausgase verbunden wäre. Dies schwäche die heimische Wirtschaft und unterlaufe die Umwelt- und Klimaschutzziele der Landesregierung.
Weitreichender Maßnahmenkatalog angekündigt „Der Forst- und Holzwirtschaft kommt große ökonomische Bedeutung zu. Sie leistet einen wichtigen Beitrag zum Erreichen der Klimaschutzziele. Die Branche verkauft sich allerdings unter Wert“, betonte der Forstminister. Zur Stärkung des Sektors schlage die Clusterinitiative ein 10-Punkte-Programm vor, das laut Köberle in den nächsten Jahren umgesetzt werden solle. Die Dokumentation und öffentlichkeitswirksame Darstellung der Wertschöpfungskette Holz und ihres Potentials stehe bei der weiteren Arbeit der Clusterinitiative zunächst an erster Stelle.
Wichtige Schritte auf dem weiteren Weg wären die Mobilisierung von Holzreserven und die Optimierung der Ernte- und Transportlogistik. Die Anhebung des Innovationsniveaus der Unternehmen sowie ein geregeltes und koordiniertes Miteinander der stofflichen und energetischen Ansprüche, die an die Holzverwendung gestellt werden, müssten folgen.
„Das Konzept der Clusterinitiative Forst und Holz Baden-Württemberg bietet hervorragende Ansatzpunkte, um die Leistungs- und Wettbewerbsfähigkeit dieses Wirtschaftszweiges zu stärken. Mit den Handlungsempfehlungen hat sich die Branche ambitionierte Ziele und eine hohe Messlatte gesetzt, die mit vereinten Kräften der Unternehmen, Verbände und Politik erreichbar sind. Die Voraussetzungen hierfür sind gut. Mittelständische Unternehmen, die einen gleichermaßen traditionellen wie modernen Rohstoff verarbeiten und mit einem regionalen Ansatz Wirtschaftswachstum und Klimaschutz umsetzen, können die Herausforderungen der Zukunft zuversichtlich angehen. Für die Wirtschaft des Landes bilden sie eine wichtige Basis“, erklärte Köberle.
Hintergrundinformationen:
Clusterpolitik des Landes Baden-Württemberg Die zunehmende Globalisierung und Internationalisierung der Märkte sowie immer kürzere Produktionszyklen führen dazu, dass Unternehmen Wettbewerbsvorteile durch innovative Produkte und Dienstleistungen generieren müssen. Wesentliche Voraussetzung dafür ist die intensive Zusammenarbeit zwischen regional ansässigen Hochschulen, Forschungseinrichtungen und Unternehmen. Bei diesem clusterorientierten Ansatz werden Innovationsprozesse durch einen interdisziplinär organisierten Wissens- und Erfahrungsaustausch ermöglicht. Aus diesem Grund wird die Weiterentwicklung und Stärkung zukunftsfähiger regionaler Cluster an Bedeutung gewinnen.
Die baden-württembergische Landesregierung hat sich zum Ziel gesetzt, die Entwicklung von regional, national sowie international sichtbaren Clusterinitiativen und Clustern systematisch zu unterstützen. Darum sind die verschiedenen clusterbezogenen Maßnahmen wichtige Instrumente der Innovations-, Wirtschafts- und Strukturpolitik des Landes.
Ziel der Clusterpolitik der Landesregierung ist es, in einer ressortspezifischen Arbeitsteilung Strukturen, Anreize und Kommunikationsplattformen anzubieten, um die Akteure aus dem Bereich der Wirtschaft – Großunternehmen wie auch kleinere und mittlere Unternehmen – und der Wissenschaft in diesem Sinne zusammenzuführen. Die Clusterpolitik wird federführend vom Wirtschaftsministerium und dem Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst bearbeitet, aber in weiteren Ressorts, wie Ministerium für Ländlichen Raum, Ernährung und Verbraucherschutz, Ministerium für Arbeit und Soziales sowie dem Ministerium für Umwelt, Naturschutz und Verkehr, ebenfalls umgesetzt.
Konkret geht es im Einzelnen um
  • die Erhöhung der wirtschaftlichen Wettbewerbsfähigkeit des Landes durch Forschungskooperation und Erschließung von Wertschöpfungspotenzialen
  • die Schaffung einer Kultur der Kooperation
  • eine Kompetenzbündelung auf mehreren Ebenen und horizontale Zusammenarbeit
  • die Beschleunigung von Innovationsprozessen durch die Erschließung neuer Technologien, Anwendungsfelder und Produkte
  • die Stärkung der Forschungskapazität in Clustern, Netzwerken und Verbünden sowie der gemeinsamen Forschung im Rahmen von Kooperationsprojekten von Wirtschaftsunternehmen und Wissenschaftseinrichtungen
  • die Senkung der Zugangsschwellen zu Forschungsressourcen des Landes – insbesondere auch für kleinere und mittlere Unternehmen
  • die Verstärkung der Gründungsaktivitäten aus den Hochschulen und Forschungseinrichtungen
  • die Unterstützung technologisch aktueller und nachfragegerechter Aus- und Weiterbildungsangebote für Fachkräfte und den wissenschaftlichen Nach-wuchs.
Umfassende Informationen zur Clusterinitiative Forst und Holz Baden-Württemberg unter www.cluster-forstholz-bw.de
MLR

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