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„Charta für Holz 2.0 im Dialog“ – Starkes Plädoyer

Bearbeitet von Mirjam Kronschnabl-Ritz

Das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) lud am 8. Juni zur „Charta Holz 2.0 im Dialog“ ein. Themen waren die Chancen, aber auch die Herausforderungen einer nachhaltigen und innovativen Holzverwendung.

„Holz aus nachhaltiger Forstwirtschaft ist unverzichtbar – nicht nur für den Klimaschutz und die Transformation zur biobasierten Kreislaufwirtschaft, sondern auch als Wirtschaftsfaktor“, so Joachim Fuchtel, Parlamentarischer Staatssekretär im BMEL. Die Politik dürfe nicht zulassen, dass nachhaltige Waldbewirtschaftung eingestellt werde und müsse sich für eine verantwortungsvolle Ressourcenpolitik zur innovativen Holzverwendung beim Bauen und in der Bioökonomie einsetzen, betonte Fuchtel auf der Veranstaltung „Klima – Werte – Ressourcen: Holz zählt!“ Fuchtel verwies darauf, dass der Dialogprozess Charta für Holz hierzu wichtige Impulse gebe. So unterstützte das BMEL in den vergangenen vier Jahren im Kontext der Ziele der Charta mehr als 550 Forschungs- und Entwicklungsprojekte mit rund 175 Mio. €.

Klimaschutz nur auf internationaler Ebene möglich

Mit der Veranstaltung in der Reihe „Charta für Holz 2.0 im Dialog“ rückte das BMEL politische Programme und Aktivitäten für die nachhaltige Holzverwendung in Europa in den Fokus. „Den großen Herausforderungen beim Klimaschutz können wir nur auf internationaler Ebene begegnen“, erklärte Norbert Lins, Vorsitzender des Ausschusses für Landwirtschaft und ländliche Entwicklung im Europäischen Parlament, unter Verweis auf das neue Klimagesetz der EU und die künftige EU-Forststrategie zur Umsetzung des europäischen Green Deals. Mit der Charta für Holz werde gezeigt, welch enormes Potenzial die ganzheitliche Verwendung von Holz und eine nachhaltige Waldnutzung birgt. Dazu dürfe Holz nicht zunehmend importiert oder nach geringeren Standards produziert werden.

Flächigen Bau vorantreiben

Die nordrhein-westfälische Ministerin für Umwelt, Landwirtschaft, Natur- und Verbraucherschutz, Ursula Heinen-Esser, deren Ministerium als Unterstützer der Charta für Holz Partner der Dialogveranstaltung war, unterstrich die gemeinschaftlichen Herausforderungen der Länder in der Klima-, Wald- und Holzpolitik. „Der nachwachsende Rohstoff Holz verbindet uns über die Grenzen hinweg“, sagte sie. Dazu müssen v. a. Marktteilnehmende eine gewisse Offenheit im Bezug auf das Thema Holz im Bausektor bekommen – Heinen-Esser wandte sich mit der Aussage v. a. an Bauherrn und Architekten. „Wir müssen raus aus den Pilotprojekten und hin zum flächigen Bau“.

Gebäude als globale Kohlenstoffsenke

In seinem Impulsvortrag zum Auftakt der Veranstaltung mahnte Klimaforscher Prof. Hans Joachim Schellnhuber, Gründer und Direktor a. D. des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung (PIK), zwingend die Holzverwendung beim Bauen an. 40 % der globalen Treibhausgasemissionen resultierten aus dem Errichten, Betreiben und Abreißen von Gebäuden, berichtete er. Schellnhuber forderte neben der Wiederaufforstung devastierter Flächen eine weltweite „Bauwende hin zur organischen Architektur“ mit natürlichen Rohstoffen, um „Gebäude als globale Kohlenstoffsenke“ zu nutzen. Die nachhaltige Waldbewirtschaftung, wie sie in Deutschland und der EU praktiziert werde, sei dazu eine wesentliche Voraussetzung.

Ein Blick zu den Nachbarn

Vertreter aus den zuständigen Ministerien in Frankreich, Schweden und Österreich umrissen Strukturen und Programme der Wald- und Holzpolitik ihrer Länder. Österreich hatte zu Jahresbeginn 2021 einen mit 350 Millionen Euro finanzierten Waldfonds aufgelegt, der u. a. die stoffliche und energetische Nutzung von Holz stärkt. Hierbei gehe es vor allem um die Verbesserung der Ressourceneffizienz. Mit der österreichischen Initiative „Think Wood“ werden hierzu holzbasierte Produkte und Dienstleistungen unterstützt.

Auch Frankreich startete ein Konjunkturprogramm mit 200 Millionen Euro, aus dem Wiederaufforstungen, Samen- und Setzlings-Plantagen und der Ausbau von Sägewerken unterstützt werden. Es gehe nicht zuletzt darum, die bestehenden ökonomischen, ökologischen und sozialen Herausforderungen im Bereich der Forst- und Holzwirtschaft zu bewältigen. Frankreich setzt u. a. darauf, die Olympischen Spiele 2024 in Paris zu einem „Schaufenster für den Holzbau“ werden zu lassen.

Wälder sind Schwedens „Grünes Gold“. So verfolgt die Forstwirtschaft in Schweden heute primär zwei Ziele: die Holzproduktion und die Erhaltung der Biodiversität. Kernstück des Nationalen Waldprogramms Schwedens ist deshalb auch – ähnlich der Charta für Holz 2.0 – der gesellschaftliche Dialog zu Klimaschutz, nachhaltiger Nutzung und Schutz der Wälder. Darüber hinaus werde in Schweden ein Konzept „Wooden Cities“ zur Förderung des Holzbaus entwickelt.

Die Ländervertreter würdigten das Engagement der deutschen Politik, die mit der „Charta für Holz 2.0“ Pionierarbeit für die bessere Wahrnehmung und Umsetzung einer verantwortungsvollen Ressourcenpolitik Holz geleistet habe. Der Konsens: Nur gemeinsam wird man die künftigen Herausforderungen meistern können – nicht zuletzt, indem man mit- und voneinander lernt.

Zur Diskussion gestellt

Vertreter des Referats Landnutzung und Innovationsfinanzierung der Europäischen Kommission, des Brüsseler Forschungs- und Innovationsnetzwerks FTP, der Europäischen Sägewerks-Organisation EOS und des Verbands der Europäischen Holzindustrie CEI-Bois sowie des Europäischen Forschungsinstituts EFI debattierten zusammen mit Klimaforscher Schellnhuber und BMEL-Abteilungsleiterin Müller mit Chatteilnehmern die Chancen und Grenzen der Holzverwendung im Klimawandel aus der Sicht von Politik, Wirtschaft, Wissenschaft und Verbrauchern. Die Teilnehmer der Podiumsdiskussion plädierten für das Erhöhen des Holzbauanteils, für Recyling und Kaskadenwirtschaft. Forschung und Entwicklung müssten weitere Substitutionsoptionen für Holz erschließen, Einsatzmöglichkeiten für geschädigtes Holz gefunden werden und die politischen Rahmenbedingungen so gestaltet sein, dass die Wettbewerbsfähigkeit der Holzindustrie in Europa gesichert ist. Gleichzeitig müssten Wege gefunden werden, Zielkonflikte innerhalb des Green Deals zwischen den Bereichen Biodiversität und verstärkter Holzverwendung z. B. für den Holzbau im Gebäudesektor zu lösen.

Lena Ek, Vorstandsvorsitzende des Netzwerks für Forschung und Innovation in Forstwirtschaft, Holzindustrie, Zellstoff- und Papierindustrie (FTP) in Brüssel, forderte mehr Forschung für eine nachhaltige und umfassendere Holznutzung: „Wir brauchen Forschung und Wissen. Wo stehen wir bei der Technologie? Die Holznutzung muss revolutioniert werden.“ Es gebe Überschneidung zwischen Waldsektor und Chemiebranche. Verpackungen und Batterien aus Holzbestandteilen seien längst keine Science-Fiction mehr. Dennoch werde das alles nicht berücksichtigt, obwohl schon seit Jahren bekannt sei, dass Holz so viele Chancen zur Substitution nicht nachhaltiger Rohstoffe bietet. „Wir müssen mehr mit der Wissenschaft zusammenarbeiten und Technologien bündeln. Nur so können wir die Herausforderungen stemmen, vor denen wir stehen.“

„Wer Einschränkungen der Waldbewirtschaftung fordert, muss auch Alternativen zur Holzverwendung aufzeigen. Diese Alternativen liegen nicht in konventionellen Materialen mit nachteiliger Ökobilanz und nicht in Appellen zum Verzicht. Die beste Alternative im Klimawandel ist die Verwendung von Holz“, resümierte Dr. Eva Müller am Ende der Veranstaltung.

Der Livestream der Charta-Veranstaltung war von rund 250 Zuschauern verfolgt worden, mehr als ein Viertel davon aus dem europäischen Ausland.

Der Stream kann hier abgerufen werden

Quelle: FNR/Red.