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Engelbert Strauss will mit der ?e.s. vision cross?-Forsthose die üblichen Sicherheitsstandards übertreffen. Der Helm ist erstmalig auch in Biebergemünd entstanden. Foto: Engelbert Strauss

Ceramic und Co

Wer auf der Interforst 2014 nach neuen Trends bei der persönlichen Schutzausrüstung forschte, konnte in verschiedenen Richtungen fündig werden: Dank neuer Materialien und intelligenter Verarbeitung werden die Klamotten entweder immer leichter oder bei gleichem Gewicht noch widerstandsfähiger und sicherer.Vor allem die extrem leichten und atmungsaktiven Schnittschutzhosen fanden bei den tropischen Temperaturen in München regen Zuspruch. Die Firma Pfeiffer Sicherheitssysteme hatte eine Innovationsmedaille für ihre superleichte Entwicklung „PSS X-treme Light“ nur knapp verpasst. Wer diese Sommerhose in die Hand nahm, konnte von deren luftigem Aufbau durchaus angetan sein. Nur 990 g für eine Bundhose in der Standardgröße 52 ist schon ein Wort. Auf der anderen Seite äußerte so mancher Standbesucher auch die Sorge, ob wohl der dünne Oberstoff gerade im Oberschenkelbereich den sommerlichen Brombeerranken genügend Widerstandskraft entgegensetzen kann. Sogar noch etwas leichter fällt die neue Generation der „Alpin Komfort“ von HF Sicherheitskleidung aus. Diese wird mit 920 g angegeben.Einen anderen Weg geht die Firma Profiforst aus Österreich: Sie nutzt die Gewichtsersparnis durch die Dyneema-Faser im Schnittschutz, um eine „tragbare“ Hose der Schutzklasse II (Kettengeschwindigkeit 24 m/s) auf den Markt zu bringen. Die „Forst Comfort – Klasse 2“ wiegt mit sieben Lagen Schnittschutz als Bundhose nur rund 1 250 g und hat neben einem strapazierfähigen Kevlarbesatz an der gesamten Vorderseite extragroße Lüftungsschlitze in den Kniekehlen.Der hessische Trendhersteller für Arbeitskleidung, Engelbert Strauss, macht sich ebenfalls intensive Gedanken zur Sicherheit von Forsthosen: Bei der neuen Hose „e.s.vision cross“ hat man die acht Schnittschutzeinlagen kreuzweise diagonal übereinander gelegt. Mit dieser patentierten Verarbeitungsmethode erreicht man eine besondere Elastizität. Viel wichtiger ist aber, dass man so den den Durchdringungsschutz bei Schnitten längs oder quer zum Bein verbessern will. Der europäische Normtest verläuft immer schräg zum Oberschenkel. In den USA prüft man die Sicherheit mit verschiedenen Schnittrichtungen. Wie sich der neue Hosenaufbau unter diesen Bedingungen im Einzelnen auswirkt, dazu laufen bei Engelbert Strauss noch weitere Versuche mit der Hochgeschwindigkeitskamera. Das Dekor des Waldarbeitsanzugs mit der Bezeichnung „woodprint“ vereint die Leuchtkraft von Signalorange mit einer gewissen Schmutzunempfindlichkeit durch das unregelmäßige schwarze Muster.Auf dem Stand von Pfanner konnte man einen Hosenprototypen mit einem völlig neuen Material bewundern: Um die Scheuerfestigkeit des Beinkleids zu erhöhen, trägt die Oberfläche lauter kleine Applikationen aus technischer Keramik. Ja, Sie haben richtig gelesen – dieses glasharte Material, aus dem auch Ihre Kaffeetasse besteht. Wenn man den Stoff zusammenknüllt, hört man die Besätze teilweise sogar knacken. Laut dem Produktmanager von Pfanner tut das der Wirkung aber keinen Abbruch.Regelrecht in die Zukunft blicken konnte man im Rahmen der KWF-Sonderschau mit dem Projekt „HORST“ des Hohenstein Instituts in Bönnigheim: Sensortechnik in der Säge und im Hosenbein schaltet den Motor sofort ab, sobald sich die laufende Kette auf weniger als 3 cm nähert. Damit könnte man den passiven Schnittschutz möglicherweise noch einmal deutlich dünner und leichter machen. Erste Versuche liefen vielversprechend. Auch die Maschinenwäsche machte den eingewebten Metallfäden nichts aus. Trotzdem ist man von der Praxisreife wohl noch einige Jahre entfernt.Die Keramik-Technologie fanden wir noch einmal auf der Messe – abermals bei Profiforst: Der Forststiefel „Keramik Wood“ trägt auf seiner Lederhaut auch lauter kleine harte Noppen. Da die Oberfläche eines Schuhs deutlich größere Biegeradien hat als eine Hose, sehen wir hier die Bruchgefahr geringer als bei Hosen an. Die Stiefel aus der Wood-Serie werden in Italien von Hand gefertigt und haben auch sonst sehr attraktive Eckdaten: Alle erfüllen die höchste Schnittschutznorm III, verfügen über eine Sympatex-Membran und sind sehr leicht. Der „Keramik“ beispielsweise wiegt im Paar nur 2 100 g. Dabei hält sich der Preis mit 260 € noch im Rahmen.Über den Stoßabsorber für den Forsthelm Pfanner Protos aus dem Hightech-Wabenmaterial „Koroyd“ hatten wir bereits im Herbst berichtet (F&T 11/2013). Diese Erfindung, mit der man die Stoßdämpfung des Helms noch einmal um ein Vielfaches steigern kann, wurde jetzt auch mit einer der begehrten Innovationsmedaillen des KWF ausgezeichnet. Den neuen Forsthelm „Technical“ von Husqvarna hatten wir in F&T 7/2014 vorgestellt. Dazu konnten wir mittlerweile auch noch das Gewicht in Erfahrung bringen: Komplett mit Visier und Gehörschutz wiegt er gerade einmal 690 g und ist damit sehr leicht geworden. Auch bei Engelbert Strauss gab es auf der Messe eine eine neue, erstmals selbst entwickelte Kopfschutzkombination zu bewundern. Den Helm kann man auf gut neudeutsch durchaus als „stylisch“ bezeichnen, wenngleich die modische Form auch einen Sinn hat: Indem man die Helmschale weiter in den Nacken herunterzieht, will man den Aufprallschutz auch bei gesenktem Kopf erhöhen. Die Lüftungsöffnungen sind wie beim Husqvarna-Helm nicht verschließbar, aber mit einem engmaschigen Gewebe hinterlegt, damit keine Regentropfen hindurch dringen. Das Kunststoffvisier ist in den Randbereichen verstärkt, wodurch subjektiv das Sichtfeld ein wenig eingeschränkt wird. Diese Kombination bringt etwa 800 g auf die Waage und kostet rund 100 € inkl. MWSt.

Heinrich Höllerl
Engelbert Strauss will mit der ?e.s. vision cross?-Forsthose die üblichen Sicherheitsstandards übertreffen. Der Helm ist erstmalig auch in Biebergemünd entstanden. Foto: Engelbert Strauss   Der grüne Schwamm aus Koroyd sorgt für die zusätzliche Sicherheit im Protos-Helm. Foto: R. Soppa

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