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Canadian Tree Planting

Canadian Tree Planting

In Kanada werden auch große Kahlflächen nach der Holzernte mit händischen Pflanzverfahren verjüngt. Unter den Pflanzern ist ein besonderes Spatenpflanzverfahren als Canadian Tree Planting bekannt. Mit einem speziellen Spaten können bis über 4 000 Containerpflanzen täglich ausgebracht werden. Ist es ein alternatives Verfahren für wurzelnackte Pflanzen in Deutschland?

 

Der positive Nutzen einer dauerhaften Waldbestockung ist in Kanada wohl bekannt. Dennoch wird in weiten Teilen des Landes eine ökonomisch hochrentable Kahlschlagwirtschaft praktiziert. In deren Zuge entstehen teils über 400 ha große Freiflächen [1], die eine Kunstverjüngung unabdingbar machen. Im Jahr 2014 wurden 399 076 ha Kahlfläche mittels Pflanzung aufgeforstet [2]. Die benötigten Bäume werden üblicherweise in Containern herangezogen und mit dem Spatenpflanzverfahren „Canadian Tree Planting“ ausgebracht. Mit diesem Pflanzverfahren werden unter kanadischen Bedingungen Tagespflanzleistungen von 1 500 bis über 4 000 Bäume [3] sowie Anwuchserfolge von mehr als 90 % erreicht [4].

In Deutschland hingegen haben sich Hackenpflanzverfahren über Jahrzehnte entwickelt. Genannt sei an dieser Stelle die Winkelpflanzung mit der Wiedehopfhaue. Darüber hinaus wurde auf der KWF-Tagung 1992 ein Hackenpflanzverfahren aus Nordamerika vorgestellt, dass die Grundlage für die Entwicklung des Buchenbühler Schrägpflanzverfahrens und des Rhodener Pflanzverfahrens lieferte. Unter den Spatenpflanzverfahren sind in der forstlichen Praxis der Huff`sche Spaten, Hohlspatenverfahren und der Neheimer Spaten bekannt.

Eine Literaturrecherche lieferte keine Hinweise, ob das kanadische Spatenpflanzverfahren in Deutschland erprobt bzw. angewendet wurde. Es stellt sich daher die Frage: Stellt es eine arbeitstechnisch rationelle Alternative für die forstliche Praxis dar? Um diese Frage beantworten zu können, hat der Autor das Arbeitsverfahren mit einem modifizierten kanadischen Spaten erprobt. Im Folgenden werden der Anwuchserfolg und die Wurzelentwicklung an wurzelnackt gepflanzten Bäumen beurteilt.

Pflanzspaten
und Arbeitsverfahren

Abb. 2: Der kanadische Originalspaten PC 290 von Bushpro mit 1,2 – 1,4 kg Eigenmasse Foto: S. Schreiber

Der kanadische Standardspaten besteht aus einem Stahlblatt, befestigt an einem Hickory- oder Carbon-Stiel sowie einem D-Griff am anderen Ende des Spatenstiels (Abb. 2). Je nach individuellen Präferenzen wird der Spaten von den Pflanzern modifiziert, indem die Länge des Stiels angepasst oder das Stahlblatt beigeschliffen wird. Weil der Spaten für die Containerpflanzung ausgelegt ist, wurde das in der vorliegenden Studie verwendete und eigens hergestellte Modell an die Pflanzung wurzelnackter Bäume angepasst. Dazu wurde vor allem das Stahlblatt modifiziert (Abb. 3). Im Gegensatz zum kanadischen Modell der Firma Bushpro ist das Stahlblatt breiter und die Eigenmasse von 2,8 kg konstruktionsbedingt deutlich höher. Dennoch sind die beschriebenen Spaten leichter als der Neheimer Spaten mit 3,15 kg.

Abb. 3: Der an wurzelnackte Pflanzen angepasste Pflanzspaten mit höhenverstellbarem Griff Foto: J. Siebert

Die benötigten Arbeitsmittel sind der modifizierte Pflanzspaten, Pflanztaschen oder Pflanzsäcke, Fluchtstäbe, Handschuhe und eine scharfe Rosenschere. Mit ihr wurde vor Pflanzbeginn ein Wurzelschnitt durchgeführt. Dabei wurden lediglich überlange Feinwurzeln und beschädigte Wurzeln baumindividuell abgeschnitten, um Wurzeldeformationen zu vermeiden.

Das Arbeitsverfahren läuft wie folgt ab: Der Pflanzer sucht den ersten Pflanzplatz auf der Fläche auf und beginnt den vierphasigen Pflanzungszyklus, indem er gegebenenfalls den Mineralboden freilegt. Anschließend sticht er den Spaten mit einer Hand in den Boden und tritt bei Bedarf mit dem Fuß nach. Dann öffnet er den Pflanzspalt, indem er den Spaten an sich heranzieht. Die Pflanze wird eingesetzt, ausgerichtet und der Pflanzspalt durch Antreten mit dem Fuß oder von Hand geschlossen. Der Pflanzzyklus endet mit dem Wiederaufrichten und dem Aufsuchen des nächsten Pflanzplatzes.

Versuchsflächen

Das Pflanzverfahren wurde im nordhessischen Mittelgebirge im Landkreis Kassel nahe Baunatal und Naumburg getestet. Die aufgeforsteten Waldstandorte sind überwiegend basaltisch beeinflusst und von Braunerden geprägt. Vor der Pflanzung wurden die Aufforstungsflächen maschinell geräumt, sodass sich der Schlagabraum auf Haufen konzentrierte. Die Pflanzungen erfolgten im November 2015 und von März bis April 2016. Insgesamt wurden 21 855 wurzelnackte Bäume gepflanzt: Fichten (Picea abies, 2+1), Hybridlärchen (Larix × eurolepis, 1+1), Douglasien (Pseudotsuga menziesii, 2+1) und Schwarzerlen (Alnus glutinosa, 1+0 und 2+0). Der Pflanzverband war auf 2 m × 1,5 m festgelegt. Die Untersuchungsflächen wurden nicht eingezäunt. Bestandteil der Untersuchung waren mit Fichten, Douglasien und Hybridlärchen bepflanzte Flächen auf vergleichbaren Standorten. Die Datenaufnahmen erfolgten im Februar 2017.

Abb. 4: Angewachsene Hybridlärche 15 Monate nach der Spatenpflanzung Foto: J. Siebert

Zur Beurteilung des Anwuchserfolgs wurde das Anwuchsprozent ermittelt. Ein gepflanzter Baum galt als angewachsen, wenn dieser als vital angesprochen werden konnte (Abb. 4).

Für die Untersuchung der Wurzeldeformation wurden je Baumart 20 Bäume zufällig ausgewählt, ausgegraben und hinsichtlich der Deformationsart und -stärke beurteilt [5]. Die Deformationsart beschreibt die Verkrümmung der Haupt- und Seitenwurzeln. Mit der Deformationsstärke (in fünf Stufen von „ohne“ bis „extrem“) wird die Richtungsänderung und Regeneration der deformierten Wurzel abgeschätzt.

Um die Pflanzleistung herzuleiten, wurden Pflanzzeiten ab dem nächstgelegenen, Pkw-befahrbaren Waldweg zur Pflanzfläche ermittelt. Somit sind Pausen-, Rüst- und Verteilzeiten in den Pflanzzeiten enthalten. Die Pflanzleistung errechnet sich wie folgt: Pflanzleistung = Stückzahl (St.) : Pflanzzeit (h).

Auswertung

Grafik: dlv

Der Anwuchserfolg der stichprobenartig untersuchten Pflanzen beträgt insgesamt 98 %. Damit entspricht der Anwuchserfolg dem des Canadian Tree Planting für Containerpflanzen. Selbst der geringste Anwuchserfolg der Douglasie mit 96,1 % (Tab. 1) ist deutlich höher als die prozentuale Anwuchsgarantie einiger Baumschulen [6, 7].

Haupt- und Seitenwurzelverkrümmungen sind bei allen untersuchten Pflanzen zu jeweils 5 % feststellbar (Abb. 6). 90 % der gepflanzten Bäume weisen keine Wurzeldeformationen auf. Beide Wurzelverkrümmungsarten sind an einer Pflanze nie gleichzeitig aufgetreten. Die Seitenwurzeln der Hybridlärche waren deutlich anfälliger für Deformationen als bei den übrigen Baumarten. Jeder Deformationsart wurde eine Deformationsstärke zugewiesen. Alle untersuchten Pflanzen umfassend waren zu 6,7 % leicht deformiert und 3,3 % ausgeprägt deformiert. Starke und extreme Deformationen kamen nicht vor (Tab. 2).

Grafik: dlv

Zwischen den untersuchten Baumarten nimmt die Anfälligkeit für Wurzeldeformationen wie folgt zu: Douglasie < Gemeine Fichte < Hybridlärche. Zusammenfassend betrug der Anwuchserfolg 98 %, wobei durchschnittlich 10 % dieser angewachsenen Pflanzen Wurzeldeformationen aufwiesen. Vor dem Hintergrund, dass Wurzeldeformationen auch bei Naturverjüngung und Saat auftreten [5], kann die Spatenpflanzung bezogen auf die Pflanzqualität als für die Waldbegründung „gut geeignet“ beurteilt werden (Abb. 5).

Abb. 5: Blatt des Pflanzspatens, Wurzel einer Hybridlärche aus dem Pflanzkamp (l.) und ein Jahr nach der Spatenpflanzung (r.) Foto: J. Siebert

Die Pflanzleistung variierte in Abhängigkeit der Baumarten. Bei den Hybridlärchen betrug die durchschnittliche Pflanzleistung etwa 140 St./h. Maximal konnten 1 400 Bäume je 7,75 Stunden erreicht werden (Durchschnittsleistung: rund 180 St./h). Bei der Fichten- und Douglasienpflanzung wurden durchschnittlich rund 125 St./h gepflanzt. Das höhere Gewicht der Fichten- und Douglasienpflanzen und der damit verbundene Transportaufwand könnten leistungsmindernde Faktoren gewesen sein. Um genauere Aussagen und Verallgemeinerungen zu dem Spatenpflanzverfahren tätigen zu können, sollten weitere wissenschaftliche Untersuchungen folgen.

Fazit

Das Ziel des Beitrags war, das Canadian Tree Planting mit modifiziertem Pflanzspaten sowie dessen Erprobung vorzustellen und eine weitere Alternative zum Portfolio der bestehenden Pflanzverfahren in Deutschland aufzuzeigen. Die Erprobung hat gezeigt, dass das Pflanzverfahren – wie jedes andere Verfahren – seine Grenzen, aber auch Vorteile hat (siehe Tab. 3). Im optimalen Einsatzspektrum kann das Pflanzverfahren ein probates Mittel für die Waldbegründung sein.

Grafik: dlv

Literatur:

[1] Boyd, D. R.  (2003): Unnatural Law. Rethinking Canadian Environmental Law and Policy. UBC Press, Vancouver/Toronto.

[2] National Forestry Database Canada (2016): Silviculture 2014. Online verfügbar unter:  http://nfdp.ccfm.org/silviculture/quick_facts_e.php (abgerufen am 25.01.2017)

[3] Chlsholm, S. (2016): About planting in Alberta & Northern B.C. Online verfügbar unter: www.tree-planter.com/2016/05/about-planting-in-alberta-northern-b-c/ (abgerufen am 30.01.2017)

[4] Watts, S. B.; Tolland, L. (2005): Forestry Handbook for British Columbia. The Forestry Undergraduate Society Faculty of Forestry University of British Columbia, 5. Aufl., Teil 1.

[5] Nörr, R.; Baumer, M. (2002): Pflanzung – ein Risiko für die Bestandesstabilität? Die Bedeutung wurzelschonender Pflanzung und ihre Umsetzung im Forstbetrieb. Berichte der Bayerischen Landesanstalt für Wald und Forstwirtschaft (LWF) Nr. 37.

[6] F.-O. Lürssen Baumschulen. Online verfügbar unter: http://www.forstbaum.de/leistungen/ (abgerufen am 30.01.2017)

[7] Pein & Pein, Allgemeine Geschäftsbedingungen (01.04.2013). Online verfügbar unter: http://www.baumschule.de/agb.html?D=2%277db3 (abgerufen am 30.01.2017)

 

Ingo Siebert (M.Sc. Forstwissenschaften und Waldökologie, Forstreferendar in Rheinland-Pfalz)

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