Forstpolitik

BundesWALDWahl: Die Grünen stürzen ab

Bearbeitet von Oliver Gabriel

Selten ist eine Partei innerhalb von zwei Stunden so in den Keller gerauscht wie die Grünen. Ja, es ist die Rede von der Partei, die bei der Sonntagsfrage noch vor einigen Monaten mit 28 % mehr Zuspruch fand als CDU und CSU zusammen. Wie es nach der Kür von Annalena Baerbock zur Kanzlerkandidatin weiter ging, ist bekannt. Bei den letzten Umfragen dümpelten die Grünen mit 18 % nur noch als drittstärkste Kraft vor sich hin. Dem forstpolitischen Sprecher der Partei, Harald Ebner, gelang es am 24. August, das noch zu unterbieten.

WebEx-Konferenz

Das Junge Netzwerk Forst hatte an diesem Tag die waldpolitischen Sprecherinnen und Sprecher der Bundestagsparteien geladen, um mit ihnen über ihre forstpolitischen Ansichten zu diskutieren. Alle waren der Einladung gefolgt und saßen in der Videokonferenz vereint zusammen: Alois Gerig (CDU/CSU), Dirk Wiese (SPD), Peter Felser (AfD), Karlheinz Busen (FDP) und Kirsten Tackmann (Die Linke). Sie erkärten in 120 Sekunden, warum man ihre Partei unbedingt wählen müsse, hoben und senkten die Daumen zu Thesen, die in der öffentlichen Debatte über den Wald kursieren, und sie beantworteten Fragen der rund 170 Zuschauer.

Nicht bei der Sache

Nur einer fehlte zunächst: Harald Ebner von den Grünen. Das wäre kein Problem gewesen, offenbar hatte ein anderer Termin länger gedauert als gedacht. Aber er hatte insgesamt einen schlechten Tag erwischt. Als er sich rund 40 Minuten zu spät und leicht gehetzt wirkend aus dem Auto dazu schaltete, war er nur halb bei der Sache. Das Bild wackelte, er blätterte in Papieren, schaute aus dem Auto und schaltete bei seinen Statements in den Wahlkampfmodus, der in der sachlichen Gesprächsrunde bis dahin keine Rolle gespielt hatte. Und nicht nur das, es wirkte auch ein wenig überheblich, wenn er auf die wunderbaren Lösungen der grün-schwarzen Koalition in seinem Heimatland Baden-Württemberg verwies, die man doch nur als Blaupause für die Bundespolitik hernehmen müsse. Mit einem Satz: er nahm die ganze Veranstaltung offenbar nicht so ernst.

Die Quittung

Die Quittung dafür erhielt er am Ende der Veranstaltung. Da taten 120 Zuschauer so, als wäre Bundestagswahl und wählten online die Partei, deren forstpolitischen Aussagen sie am meisten überzeugt haben. Die SPD erhielt 33 % der Stimmen, die CDU 16 %, Die Linke 21 %, die FDP 10 % und die AfD 8 %. Die Grünen landeten bei 11 %. Die gleiche Wahl fand aber auch schon vor Beginn der Diskussion statt. Da kamen die Grünen mit 28 % noch mit deutlichen Abstand auf Platz eins.

Nicht repräsentativ

Man weiß gar nicht, worüber man sich mehr wundern soll. Einerseits sind es die 28 % für die Grünen am Anfang der Veranstaltung, denn bei den Verlautbarungen vieler Forst- und Holzverbände hat man eher den Eindruck, dass die Branche zu großen Teilen die Vorstellungen der Grünen rundweg ablehnt. Oder soll man sich über den Absturz in der Wählergunst von 28 auf 11 % wundern? Profitiert hat davon bei der BundesWALDWahl 2021 übrigens Peter Wiese von der SPD, der den Stimmenanteil seiner Partei auf 33 % verdoppeln konnte.

Natürlich war diese Wahlumfrage eine reine Spielerei, und schon gar nicht war sie repräsentativ. Trotzdem wäre es interessant zu wissen, was die Wahlentscheidung der Zuhörer mehr beeinflusst hat: die inhaltlichen Aussagen der waldpolitischen Sprecher, die politisch Interessierte aber schon gekannt haben dürften. Oder war es die Art und Weise wie sie aufgetreten sind? Wir vermuten Letzteres. Pech für Harald Ebner.

Nachhören kann man die BundesWALDWahl 2021 (allerdings ohne Sonntagsfrage) auf der Webseite des Deutschen Forstvereins.

Oliver Gabriel