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Bundesverband Brennholz

Bundesverband Brennholz: Scheitchenweise

In der Brennholzbranche geht es heiß her, Feinstaubdiskussion, Beschaffungsprobleme und Marktverwerfungen bedeuten große Herausforderungen. Aber auch die moderne Technik hat ihre Tücken und sorgte für Gesprächsstoff auf der Jahresversammlung des Bundesverbandes Brennholzhandel und -produktion BuVBB am 5.5.2019.

Wie es mittlerweile schon zu einer lieben Tradition geworden ist, trafen sich die Teilnehmer der Jahrestagung bereits am Vortag zu einer Exkursion in einen Mitgliedsbetrieb. Diesmal war es der Holzarena-Standort Mosbach. Die Holzarenen sind zunächst ein loser Zusammenschluss größerer Brennholzproduzenten, darunter auch der Biomassehof Allgäu, die sich einen gemeinsamen Internetauftritt mit Online-Shop teilen. Zwei Standorte werden vom Entsorgungsunternehmen Inast mit Hauptsitz in Mosbach betrieben. Im Gelände der ehemaligen Neckartalkaserne findet sich unter anderem ein Altholz-Kraftwerk, das jede Menge Wärme für eine Scheitholztrocknung abwirft. Die dazugehörige Verteilstation Lauber LENZ kann bis zu acht Trocknungscontainer versorgen. Bei einer durchschnittlichen Auslastung von vier Containern verbraucht sie nur knapp 3 kW Strom. Der verantwortliche Mann für diesen Geschäftszweig Torsten Laqua zeigte auch die neue Sägespalteinheit Posch K 650 vario, die erst seit wenigen Monaten im Einsatz ist. Aus Sicht des Brennholzverbandes (BuVBB) bietet die neue Spalttechnik mit der fortlaufenden Spaltung durch ein bewegliches Messer sehr viele Vorteile, wirft aber auch neue Fragen auf. Mehrere Mitgliedsbetriebe, die bereits mit solchen Maschinen arbeiten, berichten davon, dass die langjährige Kundschaft sich beschwert, weil beim Aufstapeln plötzlich bis zu 15 % weniger Volumen herauskommt. Zugleich häufen sich Probleme mit der Trocknung beim Verkauf frischer Ware. Beim Anblick der betreffenden Stapel wird die Antwort schnell klar: Gerade beim Verarbeiten sehr starker Hölzer produzieren die Maschinen einen hohen Anteil rechtwinklig-vierkantiger Scheite. Diese lassen sich zu einer nahezu homogenen „Holzwand“ fast ohne jeden Zwischenraum aufstapeln. Damit geht die Durchlüftung verlustig und der Stapel sieht zugleich kleiner aus … Die Relationen zwischen den geläufigen Maßeinheiten für Brennholz verschieben sich dadurch zusätzlich, neben den bereits bekannten Unsicherheitsfaktoren. Hier ergibt sich auf jeden Fall neuer Aufklärungsbedarf gegenüber den Endkunden. Neben der bereits genannten Prozesswärme für die Trocknung kann der Brennholzbetrieb auch noch in mehrfacher Hinsicht von dem großen Dachunternehmen Inast profitieren: Für die Rohstoffbeschaffung gibt es zum Beispiel immer genug Mittel – deswegen stellt der Forst gerne ausreichend Holz bereit. Für die Auslieferung zum Kunden kann Laqua auf die Containerlogistik der Entsorgungssparte zurückgreifen – auch das ist kein zu unterschätzender Kostenfaktor. Bisher liegt die Jahresproduktion am Standort Mosbach bei rund 4 500 SRm mit 1,5 Mitarbeitern. Durch den automatisierten Betrieb der neuen Anlage ließe sich das aber auch noch ein gutes Stück steigern.

Die Heizzentrale von Lauber verteilt die Wärme aus dem Altholzheizwerk auf bis zu acht Trocknungscontainer gleichzeitig Foto: H. Höllerl

Viel zu tun

Die eigentliche Mitgliederversammlung am 5. Mai begann mit einem eher unschönen Tagesordnungspunkt. Die beiden Mitglieder Günther Meiners (Eifelbrennholz) und Markus Keil (Brennholzservice BMK) sollten aus dem Verband ausgeschlossen werden. Ihr Bestreben, mit „Brennholz 4.0“ beim Scheitholzverkauf einen eindeutigen Bezug zur reinen Holzmasse herzustellen, indem das Rundholz vorher genau vermessen und dokumentiert wird, widerspricht der Haltung des BuVBB, weil man hier auf der einen Seite ein Maß festlegt, aber in einem anderen Maß liefert. Der BuVBB akzeptiert jegliche im Umlauf befindliche Handelsform, solange der Kunde die Möglichkeit bekommt, das Gekaufte auch zu prüfen. Umrechnungsfaktoren untereinander werden vom BuVBB kategorisch abgelehnt. Dem Ausschlussverfahren kamen die beiden jedoch durch ihren eigenen Austritt zuvor. Wie zu vernehmen war, sind sie dabei, eine eigene Interessengemeinschaft Brennholz zu gründen.

Auf der anderen Seite wird es eigentlich immer wichtiger, dass die Brennholzbranche zusammensteht und eine gemeinsame Öffentlichkeitsarbeit betreibt. Eine weitere Zersplitterung oder ein Mitgliederschwund wären da sehr kontraproduktiv. Wie die Präsenz in den sozialen Medien mit vertretbarem Personalaufwand darstellbar ist, dazu gibt es noch keine Lösung. Der jüngste Messeauftritt des BuVBB zur Forst live in Offenburg mit einem viel beachteten Fachvortrag zur Feinstaubdebatte brachte dem Verband dagegen gleich mehrere Neumitglieder. Auf der anderen Seite gibt das Bestreben der Regierung, für eine saubere Holzverbrennung zu sorgen, auch Anlass zur Hoffnung für die gewerblichen Brennholzproduzenten: Mit einem Zertifikat könnten die schwarzen Schafe der Branche aussortiert werden. Die abschließenden Diskussion thematisierte die aktuellen Beschaffungsprobleme: Forstreformen sorgen plötzlich für eine Vielzahl an Ansprechpartnern, das Verkaufsgebaren mancher Staatsbetriebe mit unzeitigen Lieferungen und gleichzeitig knallharten Zahlungsfristen sorgt für Liquiditätsengpässe. Für Unmut sorgt auch, dass ein großes Viskose-Werk wesentlich bessere Preise bekommt als der regionale Markt und dann sogar noch bevorzugt beliefert wird.

Heinrich Höllerl

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