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BUND und Greenpeace legen Studie zum Naturwaldverbundsystem in Bayern vor

BUND und Greenpeace legen Studie zum Naturwaldverbundsystem in Bayern vor

Der BUND Naturschutz in Bayern (BN) und Greenpeace legen eine Studie für ein Naturwaldverbundsystem in Bayern vor. Damit soll der große Mangel an Naturwäldern und alten Bäumen in Bayern behoben werden und die biologische Vielfalt in den Wäldern besser bewahrt werden.
Als zentrale Bausteine eines Naturwaldverbundes werden neue Großschutzgebiete über 2.000 ha im Spessart, Nordsteigerwald, Gramschatzer Wald, Hienheimer Forst und Ammergebirge vorgeschlagen. Zur Vernetzung werden mittelgroße Gebiete in weiteren 27 Waldgebieten Bayerns und viele kleine Waldgebiete vorgeschlagen, insgesamt eine Fläche von 88.000 ha.
„Wir appellieren an die Bayerische Staatsregierung einen Dialogprozess zu starten, bei dem geeignete Flächen für ein Naturwaldverbundsystem diskutiert und ausgewählt werden“, so Hubert Weiger, Landesvorsitzender des BN. Die vorgelegte Studie stelle dazu eine geeignete Diskussionsgrundlage dar.
„Bayern hat nicht nur die Verpflichtung sondern auch das Potenzial in fast 50 Waldgebieten der Natur und Schöpfung Vorrang vor wirtschaftlicher Nutzung einzuräumen“, so Martin Kaiser, Leiter Wälder, Meere und Biodiversität bei Greenpeace Deutschland. „Davon profitieren auch die Regionen und die Menschen.“ Die Einrichtung von Naturwäldern ist nicht nur eine Notwendigkeit für Natur- und Klimaschutz in Bayern, sondern auch eine Verpflichtung, die die bayerische Regierung umsetzen muss, fordern Greenpeace und BN. Die vorgeschlagenen Waldgebiete liegen nur im öffentlichen Wald, vor allem im Staatswald und nicht im Privatwald.
Die Bundesregierung hat mit der Nationalen Biodiversitätsstrategie 2007 beschlossen, dass deutschlandweit 10 % der öffentlichen Wälder bis 2020 der natürlichen Entwicklung überlassen werden sollen. Im Gegensatz zu fast allen anderen Bundesländern lehnt es Bayern bislang ab, diese Ziele umzusetzen. „Bevor die wenigen geeigneten Waldgebiete infolge der praktizierten forstlichen Intensivnutzung noch weiter schwinden, soll der Holzeinschlag in den alten staatlichen Laubwäldern ruhen, bis auch Bayern diese Ziele umsetzt“, so Richard Mergner, Landesbeauftragter des BN.
Potenzial für Naturwälder in Bayern
Gegenwärtig werden in Bayern nur 3 % der öffentlichen Waldfläche als Naturwälder geschützt. Da es bis heute kein Gesamtkonzept für holznutzungsfreie Wälder in Bayern gibt, haben BN und Greenpeace dieses Konzept für ein Naturwaldverbundsystem entwickelt. Die Grundlagen dafür erarbeitete Dipl.-Ing. Norbert Panek (Korbach, www.wald-kaputt.de).
„Obwohl Bayern das waldreichste Bundesland ist, gibt es wegen des verbreiteten Nadelholzanbaus nur noch wenige Waldgebiete, die für eine Naturwaldentwicklung geeignet sind“, stellt Panek fest. Aktuell sind in Bayern nur 33.000 ha als Naturwälder geschützt und diese sind auch sehr ungleich in den Regionen verteilt. In weiten Teilen Nordost- und Ostbayerns, in ganz Mittelfranken sowie in großen Landesteilen zwischen Donau und Alpenvorland existieren kaum mehr größere naturnahe Waldgebiete bzw. allenfalls kleinflächige Wälder, die für eine Naturwaldentwicklung geeignet sind. Dort sind wegen der historischen und aktuellen Waldbehandlung großflächig naturferne Nadelforsten entstanden. Nur in ausreichend großen Gebieten können sich Wälder in den verschiedenen Ausprägungen ohne Randeinflüsse natürlich entwickeln und erneuern. Nur dort können Populationen anspruchsvoller Waldarten langfristig überleben, was ja das Ziel sein muss.
Als Ergebnis der Studie lassen sich nur noch in fünf der 15 Wuchsgebiete Bayerns geeignete Großschutzgebiete finden (+43.800 ha). Es war unmöglich mindestens ein Großschutzgebiet je Wuchsgebiet zu finden. Umso wichtiger war es Potenzialgebiete für mittelgroße Naturwälder (500 bis 2.000 ha) zu identifizieren. In dieser Kategorie werden 27 Waldgebiete in neun von 15 Wuchsgebieten vorgeschlagen (+ 20.300 ha). In die Kategorie kleine Naturwaldgebiete fallen einige konkrete Gebietsvorschläge, die durch Vorschläge aus neun identifizierten Auwaldregionen in Südbayern ergänzt werden sollen (+5.900 ha). Zusätzlich soll die Fläche der Naturwaldreservate um 50 % vergrößert werden (+3.300 ha) und dauerhaft holznutzungsfreie, kleinere Altholzinseln eingerichtet werden (+10.800 ha). Dadurch ließe sich die Fläche kleiner Naturwaldgebiete von derzeit 10.470 ha auf 34.700 ha mehr als verdreifachen.
BUND Naturschutz in Bayern/Greenpeace, Red.

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