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Bund Naturschutz sorgt sich um den Bergwald

Bund Naturschutz sorgt sich um den Bergwald

Im neuen Bundeswaldgesetz gelten Waldweiden nicht mehr als Wald. Während der BUND Bayern eine neue Gefahr für die Bergwälder fürchtet, sieht die Forstverwaltung sogar Chancen darin.In der Studie „Bergwald 2013“ prangert der Bund Naturschutz (BN) Bayern eine Änderung des Bundeswaldgesetzes an: Waldweideflächen, die sich als landwirtschaftliche Förderflächen in der europäischen InVeKos-Kartei befanden, gelten damit seit 2010 rechtlich nicht mehr als Wald. Hans Kornprobst, der Sprecher des Arbeitskreises Wald im BN, sieht darin eine massive Gefährdung für insgesamt 7 000 ha in den bayerischen Alpen und belegt das mit einigen Bildern von Kahlhieben. Die Förderung der Almwirtschaft als gewachsene Tradition, zur Pflege der Höhenkulturlandschaft und – in einigen Bereichen – auch zur Förderung der Biodiversität, ist mittlerweile durch alle Parteien und von den Umweltverbänden in ihrer Bedeutung anerkannt. Die Subventionsmöglichkeiten über die EU-Agrarförderung wurden deswegen deutlich verbessert. Bei der Koppelung der Gelder an die Flächengröße hatte es seit 2004 immer wieder Abgrenzungsprobleme gegeben. Um das zu vermeiden, hatte man auf Betreiben des Almwirtschaftlichen Vereins Oberbayern den Rechtsstatus bundesweit geändert, obwohl das auch auf Landesebene regelbar wäre. Die flächige Entwaldung einiger Privat-Almen seien nur die Vorboten einer unheilvollen Entwicklung mit schwerwiegenden Folgen durch Erosion und Hochwasser. Deswegen fordert man zunächst eine deutlich verbesserte Transparenz zur Waldflächenbilanz in den Bergen und letztlich die Rücknahme der Waldgesetzänderung.In der bayerischen Forstverwaltung sieht man den Konflikt nicht so bedeutsam: Die betroffenen Waldweideflächen stehen zum größten Teil im Eigentum der Bayerischen Staatsforsten. Diese hätten keinerlei Veranlassung, den aufstockenden Bestand zu roden, zumal Fördergelder nur den Inhabern der jeweiligen Weiderechte zugute kämen. Die vorgelegten Kahlschlagsbilder stammten von den wenigen Eigentümer-Almen innerhalb der Gebietskulisse, originäre Schutzwälder seien nicht betroffen.Die Ämter für Landwirtschaft und Forsten kämpfen eher mit einem nachgelagerten Problem: Die Fördersummen für Almwirte erreichen durchaus Größenordnungen von 200 € pro Jahr und Hektar. Das sind Beträge, die mit der Forstwirtschaft im Bergwald nicht zu erreichen sind. Demnach gehen neuerdings mehr echte Rodungsanträge zur Umwandlung von Wald in Weideland bei den Ämtern für Landwirtschaft und Forsten ein. Dort, wo der Bestand für den Erosionsschutz wichtig ist, würden diese jedoch generell abgelehnt.Um die fortschreitende Degradierung vieler Bergwälder nicht nur durch den Wildverbiss, sondern eben auch durch die Waldweide zu stoppen, laufen in den bayerischen Alpen seit Jahren Programme zur räumlichen Trennung von Wald und Weide. Bei der Ablösung der alten Weiderechte werden tatsächlich bisweilen Teilflächen gerodet, während andere durch entsprechende Zaunbauten dem Weidevieh und dem Schalenwild entzogen werden. So könne der Zustand der Wälder langfristig verbessert und gleichzeitig optimale Bedingungen für die Almwirtschaft hergestellt werden.

H. Höllerl/BN Bayern

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