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Bund Naturschutz in Bayern ehrt Förster und Waldschützer Dietmar Gross

Bund Naturschutz in Bayern ehrt Förster und Waldschützer Dietmar Gross

Im Rahmen der traditionellen „Alte Bäume“-Tagung bei Lichtenfels ehrte der Bund Naturschutz in Bayern (BN) den Forstmann Dietmar Gross. Gross war lange Jahre Leiter des vormaligen Forstamtes Lichtenfels und lebt heute überwiegend in Siebenbürgen/Rumänien, wo er sich vor allem für den Schutz der Urwälder engagiert. Er erhält diese Auszeichnung für seine Verdienste für die naturgemäße Waldwirtschaft und für eine waldfreundliche Jagd. Außerdem wird er für sein großes Engagement beim Schutz alter Bäume und Wälder auch auf internationaler Ebene geehrt.
Gross ist der 29. Preisträger der 1977 vom BN gestifteten Karl-Gayer-Medaille.
Im Rahmen der Tagung stellten Peter Hagemann, Leiter des Forstbetriebs Rothenkirchen und Oliver Kröner, Leiter des Bereichs Forsten am AELF Coburg, lokale Initiativen zum Schutz alter Bäume vor. Hubert Weiger, Landesvorsitzender des BN warb für ein ausgewogenes Nebeneinander von naturnahen Wirtschaftswäldern und Naturwäldern.
Als Förster schützend vor seinem Wald
In seiner Laudatio hob Hubert Weiger die langjährigen Verdienste des Geehrten für eine naturgemäße Waldwirtschaft und für den Schutz alter Wälder hervor. Weiger hob hervor, dass Gross wegen seines Einsatzes für alte Bäume, für angepasste Wildbestände und für eine naturgemäße Waldnutzung auch heftiger Kritik von außen oder von Vorgesetztenseite ausgesetzt war. „Mit der Karl-Gayer-Medaille wollen wir auch Deine Standhaftigkeit ehren, die Du Dir trotz aller Anfeindungen bewahrt hast“, so Weiger über Gross. „Du hast die Ideale der Förster, sich schützend und konsequent vor seinen Wald zu stellen, immer hoch gehalten und dafür danken wir Dir“.
Verschiedene Konzepte zum Schutz alter Bäume und Wälder
Peter Hagemann stellte das Naturschutzkonzept seines Forstbetriebes Rothenkirchen vor. Dabei ging er besonders auf den Schutz der alten Bäume und Wälder ein. Oliver Kröner berichtete von Initiativen im Bereich des AELF Coburg alte Bäume auch in Privat- und Gemeindewäldern zu schützen. Er warb dafür dies auch entsprechend finanziell zu honorieren. Hubert Weiger verdeutlichte, dass eine naturnahe Waldwirtschaft auf großer Fläche auch durch nutzungsfreie Naturwälder auf kleiner Fläche ergänzt werden muss.
Mit großer Sorge stellt der BN fest, dass es gerade in Bayern nur noch sehr wenig alte Buchen und Eichen gibt. Naturwälder mit sehr alten Bäumen gibt es in ganz Oberfranken sogar nur in 0,8 % der öffentlichen Wälder. Eine Besserung ist nicht in Sicht – ganz im Gegenteil: denn das mit Abstand größte derartige Waldschutzgebiet Oberfrankens im Landkreis Bamberg muss die Regierung von Oberfranken nun auf Druck der Staatsregierung sogar wieder auflösen. Der Mangel an alten Wäldern führt dazu, dass viele Altwald- oder Urwaldarten bedroht oder bereits ausgestorben sind. Der BN wirbt deshalb dafür, dass sich Förster neben der Holznutzung verstärkt auch um ein Netz von Naturwäldern kümmern. So müssen einige größere Naturwaldgebiete durch viele mittlere und kleinere Naturwälder und im Wirtschaftswald durch Altholzinseln vernetzt werden.
Deutschland muss sich Verantwortung für europäische Urwälder stellen
Dietmar Gross hielt in seinem Vortrag ein Plädoyer für den Erhalt der europäischen Rest-Wildnis und für die Einrichtung von Großschutzgebieten vor allem auch in großen Laubwaldgebieten Deutschlands. Hier kommt Rumänien eine große Verantwortung zu, weil es etwa 65 % der europäischen Urwälder beherbergt. Gross berichtete über ganz aktuelle positive Entwicklungen. Nach anhaltenden Protesten im ganzen Land gegen die massiven Abholzungen, hat das Parlament ein Waldgesetz verabschiedet, in dem erstmalig der Schutz aller Urwälder gesichert wird. Dieser Verantwortung werden sich Länder wie Rumänien aber langfristig nur stellen, wenn Länder wie Deutschland auch bereit sind, ihren Teil der Verantwortung beim Schutz des europäischen Waldnaturerbes zu tragen.
Ehrung mit der Karl-Gayer-Medaille
Die Karl-Gayer-Medaille an Gross wurde im Rahmen eines Waldbegangs bei Oberlangheim überreicht. Hier hatte der BN auf Anregung von Gross, vor 16 Jahren, eine Gedenktafel unter riesigen Waldlinden zu Ehren der „Väter“ des Bayerischen Waldgesetzes aufgestellt, das 1974 in Kraft getreten war. Auch heute noch wegweisend hatten vor über 40 Jahren Landtagspräsident Rudolf Hanauer, Forstminister Hans Eisenmann, Forstprofessor Richard Plochmann und Erich Hornsmann von der Schutzgemeinschaft Deutscher Wald eine sehr starke Gemeinwohlbindung des Staatswaldes im Waldgesetz verankert. „Dieses wegweisende Waldgesetz gilt es auch heute mit Leben zu füllen“, so Weiger. „Mit genügend Förstern und Waldarbeitern, die ihren Wald noch kennen und die für einen Wald verantwortlich sind, in dem alte Bäume keine Seltenheit sind“.
Toni Reinhardt, Vorsitzender der BN-Kreisgruppe Lichtenfels, freute sich, dass Gross langjähriges Engagement auf so große Zustimmung trifft. Mit der Karl-Gayer-Medaille ehrt der BN in Abstimmung mit der Arbeitsgemeinschaft Naturgemäße Waldwirtschaft (ANW) seit 1977 Personen, die sich in außergewöhnlicher Weise um die naturgemäße Waldwirtschaft verdient gemacht haben.
Die Karl-Gayer-Medaille geht auf den Münchner Waldbauprofessor Karl Gayer zurück, der als Vordenker für den naturnahen Wald gilt. Bereits im 19. Jahrhundert hat er als Gegenbewegung zu Altersklassen- und Kahlschlagswald die Vorteile des gemischten, ungleichaltrigen Waldes und des Femelschlags als kleinflächige Nutzungsform herausgestellt.
Bund Naturschutz in Bayern

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