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Bund für Umwelt und Naturschutz zum Klimaschutz-Gutachten der Beiräte des BMEL

Der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) begrüßt viele der Empfehlungen im Gutachten „Klimaschutz in der Land- und Forstwirtschaft sowie den nachgelagerten Bereichen Ernährung und Holzverwendung“ der Wissenschaftlichen Beiräte beim Bundeslandwirtschaftsministerium. Allerdings verkennt das Gutachten den Wert von Naturwäldern.Insbesondere unter den Empfehlungen für die Landwirtschaft fänden sich langjährige Forderungen des BUND wieder, sagte der BUND-Vorsitzende Hubert Weiger. „Der Schutz von landwirtschaftlich genutzten Mooren und von Dauergrünland ist nicht nur aus der Klimaperspektive, sondern auch aus Gründen des Naturschutzes dringend geboten. Die Einführung einer Stickstoffabgabe ist längst überfällig, um die Belastung von Natur und Landschaft mit Stickstoff zu reduzieren“, erinnerte Weiger. Auch Maßnahmen, um den Konsum von tierischen Produkten zu verringern, seien notwendig. Die Bundesregierung müsse diese Empfehlungen nun zügig umsetzen, forderte der BUND-Vorsitzende.

Jedoch sieht der BUND auch zahlreiche Empfehlungen der Gutachter kritisch. So sei im Gegensatz zu den Aussagen des Gutachtens gerade der ökologische Landbau ein besonders wirkungsvoller Beitrag zum Klimaschutz. Weitere Kritikpunkte gebe es im Bereich Forstwirtschaft und Holzverwendung. „Eine Erhöhung des Nadelbaumanteils ist nicht nur aus Naturschutzperspektive abzulehnen, sondern auch aus forstökonomischer Sicht riskant. Bereits heute kommen viele Fichten und Kiefern nicht mit den zunehmenden Extremwetterereignissen zurecht. Ganze Bestände brechen zusammen, vor allem dort, wo sie von Natur aus nicht hingehören“, sagte Weiger. Der BUND empfiehlt stattdessen, auf die für Deutschland typischen Laubwälder zu setzen und die Forschungsbemühungen zur Verwendung von Laubholz im Außen- und Baubereich beziehungsweise beim Konstruktionsholz zu verstärken. Als „Nadelbaum der Zukunft“ bezeichnete Weiger die heimische Weißtanne. Mit ihren tiefer reichenden Wurzeln sei sie geeigneter, den Klimawandel zu verkraften und berge – anders als eingeführte Baumarten wie Douglasie oder Küstentanne – kein ökologisches Risiko.
„Ein grundsätzlicher Mangel des Gutachtens ist der einseitige Blick durch die reine CO2-Brille auf Naturwälder, in denen dauerhaft keine forstliche Nutzung mehr stattfindet“, kritisierte der BUND-Vorsitzende. Wälder mit natürlicher Entwicklung seien in Deutschland mit rund zwei Prozent extrem rar. Dadurch seien besonders viele – oft eher unscheinbare – Lebewesen wie Flechten, Pilze, Moose und holzbewohnende Käfer bedroht. „Für den Schutz der biologischen Vielfalt brauchen wir auf mindestens zehn Prozent der öffentlichen Waldfläche Naturwälder, wie schon 2007 von der Bundesregierung beschlossen“, fordert Weiger. Gleichzeitig müsse der Verbrauch von Holz und Papier gesenkt werden, ebenso wie die direkte Holzverbrennung zur Strom- und Wärmeerzeugung. „Derzeit wird viel zu viel Holz ohne vorherige Nutzung direkt verbrannt. Der Rohstoff Holz wächst zwar nach, jedoch nur sehr, sehr langsam“, sagte Weiger. Richtig sei, wie im Gutachten beschrieben, dass Holz als Ersatz für Baustoffe wie Beton, Stahl oder Aluminium, deren Herstellung sehr viel klimaschädliches CO2 produziere, dringend benötigt werde. „Keinesfalls dürfen wir beim Schutz der Wälder hierzulande oder im Ausland Abstriche machen, immerhin sind es unsere grünen Lungen und wichtige Wasserspeicher. Wir müssen insgesamt weniger Rohstoffe und Energie verbrauchen“, forderte Weiger.
 

Zum Thema: forstpraxis.de-Meldung

 
Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland

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