Forstpolitik

BUND fordert Neuausrichtung für den bayerischen Staatswald

Bearbeitet von Rainer Soppa

Der BUND Naturschutz (BN) in Bayern fordert die Staatsregierung auf, die Bewirtschaftung der bayerischen Staatswälder vorrangig am Gemeinwohl, d. h. den Leistungen der Wälder für Mensch und Natur auszurichten und dies auch im Waldgesetz zu verankern.

„Der Wald sorgt unter anderem für Biotop- und Artenschutz, kühlt das Klima und reguliert unseren Wasserhaushalt. Es ist dringend notwendig, diese Schutzfunktionen stärker zu betonen. Außerdem muss unser Wald wieder vorrangig als Erholungsort begriffen werden“, erklärt der BN-Vorsitzende Richard Mergner als Experte bei der Landtagsanhörung. Diese Zielsetzungen müssten genauso wie ein besserer Schutz vor Rodung im Waldgesetz verankert werden, so Mergner weiter. „Wir fordern für den Staatswald einen Vorrang für die Erfüllung der Gemeinwohlleistungen vor monetären Zielen festzuschreiben. Die vielfältigen Aufgaben der Staatswälder müssen unabhängig vom Holzpreis aus dem Staatshaushalt finanziert werden.“

Gesetzliche Fixierung der geänderten politischen Zielsetzung

Zwar hätten Ministerpräsident Markus Söder und der Ministerrat schon 2019 beschlossen, dass die Bewirtschaftung des Bayerischen Staatswaldes zukünftig an den Leistungen für den Klimaschutz und für die Artenvielfalt ausgerichtet werde und nicht mehr am Holzeinschlag und dem finanziellen Ertrag daraus. Aber eine konkrete inhaltliche Ausgestaltung dieser Grundsatzentscheidung fehle bis heute. Mehr auf Digitalisierung und auf noch mehr Forstmaschinen zu setzen, wird nach Ansicht des BN nicht reichen. Die Staatswälder Bayerns sollten nach Ansicht des BN auf großer Fläche naturnah, nachhaltig und schonend bewirtschaftet werden, um den Rohstoff Holz zu nutzen. „Aber der Staatswald wird künftig vor allen daran gemessen, ob und wie gut er die unersetzlichen Gemeinwohlleistungen auf den über 800.000 ha erbringen kann, nicht wieviel Gewinn er abwirft“, kritisiert Mergner. Deshalb seien die gesetzlichen Änderungen notwendig.

Neue Zielsetzung und Gemeinwohlleistungen im Waldgesetz definieren

Der BN hält es für erforderlich, die geänderte Zielsetzung im Bayerischen Waldgesetz als einschlägigem Fachgesetz und analog auch im Bayerischen Staatsforstengesetz festzuschreiben. Die geänderte Zielsetzung für den Staatswald müsse in Art. 18 BayWaldG festgeschrieben werden. Klimaanpassung (Naturverjüngung, Waldumbau, Kühlungsfunktion des Waldes, Wasserrückhaltung, Vorratsaufstockung) und die Gemeinwohlfunktionen (Naturschutz, Wasserschutz, Bodenschutz, Erholungsfunktion u.a.) müssten Vorrang vor der Holznutzung und der Gewinnorientierung bekommen. Dazu brauche es mittel- und langfristige Strategien. Im Waldgesetz seien die zentral wichtigen Gemeinwohlleistungen der Wälder bislang nicht definiert. Es soll nach Wunsch des BN der Art. 2a Gemeinwohlleistungen neu eingeführt werden.

Aufgaben im Wald bräuchten mehr Personal, nicht mehr Maschinen

Die Klimakrise mit dem drohenden und bereits laufenden Waldsterben 2.0 stellt die Staatsforsten vor große Herausforderungen. Um die Kalamitäten nicht ausufern zu lassen, brauche es mehr qualifiziertes und ortskundiges Personal in den Forstrevieren. Um die heute noch vitalen, naturnahen Wälder zu erhalten und deren Widerstandsfähigkeit zu erhöhen, bedürfe es mehr Zurückhaltung bei den Holzeinschlägen, vor allem in Buchenwäldern. Das anfallende Nadelstammholz – auch aus Kalamitäten – solle viel stärker so verwendet werden, dass der Kohlenstoff lange im Holz gespeichert wird, so z.B. im Holzhausbau.

Im Schatten der Altbestände müsse mehr Waldverjüngung aus klimaresilienten Baumarten nachwachsen können, damit nicht riesige Kahlflächen entstehen, wenn Wälder weiterhin lichter werden oder sogar absterben. Dazu müssten die erfolgreichen Jagdstrategien einzelner Betriebe und Forstreviere im gesamten Staatswald umgesetzt werden. Hierfür brauche es mehr Unterstützung der anderen Waldbesitzer, der Jägerschaft und der Jagdbehörden.

Dafür und für viele andere Aufgaben müsse das im Staatswald vor Ort tätige Personal aufgestockt werden, um die Zukunftsaufgaben zu bewältigen. Digitalisierung und Forstmaschinen seien wichtig, um zu unterstützen, aber sie könnten Förster und Waldarbeiter nicht ersetzen. Die personellen Strukturen vor Ort müssten in den Forstbetrieben und den Forstrevieren erhalten und gestärkt werden.

Holzmarktunabhängig Finanzierung

Die Finanzierung der Bayerischen Staatsforsten soll nach den Wünschen des BN von den Einnahmen aus dem Holzverkauf abgekoppelt und aus Haushaltsmitteln des Freistaats Bayern erfolgen. Es sei zu prüfen, ob nicht insgesamt eine andere Struktur und Organisation zielführender sei, um die Herausforderungen und Aufgaben im Staatswald zu bewältigen.

Quelle: BN