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Bund Deutscher Forstleute Baden-Württemberg zur Forstreform

Die Veränderungen der Forstorganisation in Baden-Württemberg werden historisches Ausmaß annehmen

Fast unbemerkt von den Medien laufen im Lande seit Monaten die Vorbereitung für eine vollständige Veränderung der Forstverwaltung in Baden-Württemberg. „Diese Veränderungen werden ein historisches Ausmaß annehmen und die Forstwelt nachhaltig verändern“, so Dietmar Hellmann, Landesvorsitzender des Bundes Deutscher Forstleute (BDF). „Aus diesem Grund ist es unerlässlich, dass alle Akteure in diesem Feld gemeinsam um die beste Lösung für Wald, Mitarbeiter und Gesellschaft ringen.“ ; Der BDF begrüßt sehr, dass das Land und die Vertretungen der Land- und Stadtkreise und der Kommen das gemeinsam entwickelte Eckpunktepapier auch gemeinsam der Presse vorstellen. ; Chancen und Risiken ; In direkten Gesprächen mit dem Minister für den Ländlichen Raum und als Mitglied im Landesforstwirtschaftsrat und in der sogenannten Abstimmgruppe konnten der BDF seine Sichtweisen einbringen. Wir sehen durchaus Chancen in der Reform, moderne und schlagkräftige Strukturen aufzubauen, doch darf dieser Prozess nicht gleich zu Beginn mit erheblichen strukturellen Einsparauflagen seitens der Landesregierung belastet werden. „Der Reformprozess wird auch ein Prüfstein dafür, wie wichtig der Landesregierung und den Kommunen die Wälder und die Forststrukturen im Lande sind. „Nach Jahrzehnten massivem Personalabbau muss die Reform als Chance genutzt werden, die Forstverwaltung entsprechen ihrer Aufgaben zu stärken –- strukturell und finanziell. Die GRÜNEN stehen hier noch immer im Wort aus ihrer Zeit der vorangegangenen Landesregierung“ so der Vorsitzende und „es ist nun an der Zeit, dieses Versprechen endlich einzulösen!“ ; Waldwirtschaft nicht zum Nulltarif machbar ; Als Vertretung der Forstleute geht der BDF immer davon aus, dass eine moderne Verwaltung ihre Rationalisierungsmöglichkeiten ausschöpfen und Prozesse optimieren wird. „Wir bezweifeln aber, dass im laufenden Prozess weitere Einsparmöglichkeiten identifiziert werden können“, kritisiert der Landesvorsitzende des BDF Baden-Württemberg den Optimismus der Landesregierung. ; Der BDF fordert ein klares Bekenntnis aller Verantwortlichen zur Arbeit in den Wäldern als Arbeit für die Menschen und die Umwelt, die es finanziell entsprechend auszustatten gilt. Die Eckpunkte gehen uns in dieser Frage nicht weit genug. „Der Prozess muss so offen gestaltet werden, dass im weiteren Verfahren auch eine bessere finanzielle Ausstattung möglich sein muss, wenn sich dies im Umsetzungsprozess ergeben sollte.“ ; Wald in der Bevölkerung so beliebt wie nie ; Es gilt die größten Errungenschaften der jüngeren baden-württembergischen Forstgeschichte zu sichern und weiter nach vorne zu entwickeln. Nur dann kann garantiert werden, dass die Bürger wirklich nur wenig von der Veränderung spüren, wenn sie auch in Zukunft die Wälder im Land für ihre vielfältigen Aktivitäten nutzen. Die neuen Strukturen müssen den Anforderungen der Gesellschaft an den Wald gerecht werden. ; Keine Absenkung der fachlichen und gesetzlichen Standards ; Der hervorragende Zustand der Wälder kommt nicht von ungefähr. Es ist einerseits das vorbildliche Engagement aller Beschäftigten im Forst, aber auch die fachlich hohe Qualität der Ausbildung. Der BDF setzt sich dafür ein, dass auch in Zukunft in allen forstlichen Tätigkeitsfeldern, vom Waldarbeiter bis in die Führungsebenen in allen Wäldern des Landes und der Städte und Gemeinden nur Mitarbeitende mit der jeweils best möglichen Qualifikation eingesetzt werden. Dies beginnt bereits bei der Ausbildung und reicht bis zur Ausgestaltung attraktiver Arbeitsbedingungen. Deshalb zeigen der Pakt für Ausbildung und der Pakt für die Beschäftigten zwischen dem Land und den Gemeinden und Privaten in die richtige Richtung. Beide müssen aber Leben gefüllt werden. ; Personalfragen nur wachsweich formuliert ; Dass die Umsetzung des Projekts erheblichste Betroffenheit bei allen Beschäftigten auslösen wird liegt auf der Hand. Der BDF sieht hier Land und Kommunen in einer besonderen Verantwortung für die bisherigen Mitarbeitenden und betrachtet die Zusage einer sozialverträglichen Umsetzung als Selbstverständlichkeit. „Im Umsetzungsprozess erwarten wir eine deutlich klarere Positionierung zur Ausgestaltung der sozialverträglichen Umsetzung der Reform als dies in der ziemlich vage gehaltenen Absichtserklärung des Eckpunktepapiers zu entnehmen ist. ; Reviere als Garant für Nachhaltigkeit und Anlaufstelle für die Bevölkerung ; Diese Forderung des BDF wird in den Eckpunkten gesichert. „Wir sind überzeugt, dass die gesamte Verantwortung für ein bestimmtes Waldgebiet wie bisher in der Hand einer für alle Fragen verantwortlichen Revierleitung liegen muss“, so Hellmann. Nur so können ein nachhaltig wirkungsvoller Abwägungsprozess und ein Ausgleich der verschiedensten Aufgaben und Funktionen der Wälder und der wirtschaftlichen wie auch gesellschaftlichen Ansprüche erfolgen. Das Reviersystem hat bis heute nicht an seiner Modernität verloren. ; Staatswald vorbildlich bewirtschaften ; „Die formulierte Zielsetzung für die Bewirtschaftung des Staatswaldes in einer Anstalt des öffentlichen Rechts entspricht unseren eigenen Positionen hierzu und wird voll umfänglich unterstützt. Wir wollen aber ein Zweiklassensystem im Wald verhindern, in dem die privaten und die kommunalen Betriebe hinter den Möglichkeiten des Staatswaldes zurückbleiben.“ ; Der BDF fordert deshalb eine ausreichende Ausstattung der Fördermöglichkeiten für die Privaten und für die Kommunen. Diese Wälder dienen der Bevölkerung im selben Maß wie der Staatswald, leisten ebenfalls ihren Beitrag für den Naturschutz und tragen dieselben Belastungen durch Luftverunreinigungen und Klimawandel. Hier sind künftig direkte finanzielle Stützen des Landes zur Sicherung der Gemeinwohlleistungen aller Wälder dringend erforderlich. ; Zum Thema: forstpraxis.de-Meldung ;

Bund Deutscher Forstleute, Landesverband Baden-Württemberg

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