Waldbau

Bürgeraktion: Heiligenstadt forstet auf

von Jörg Fischer

Am 14. November fand im Stadtwald Heiligenstadt eine Pflanzaktion zur Wiederbewaldung von Schadflächen statt. Auf dem Dün soll so ein klimastabiler Laubmischwald entstehen. Initiiert wurde die Aktion vom Förderverein artenreicher Stadtwald Heiligenstadt e. V.

Die Schadflächen auf dem Dün sind auch von der Stadt her gut sichtbar. Dürre und Käfer haben den dortigen Fichten schwer zugesetzt. Die braunen Bereiche werden immer größer, ebenso wie die kahlen Bereiche, dort wo die toten Fichten geerntet wurden. Solche Flächen wieder aufzuforsten, dieses Ziel hat sich der Förderverein artenreicher Stadtwald e. V. gesetzt. Mit freiwilligen Helfern aus der Bevölkerung werden Laubbäume gepflanzt, die der zukünftigen Klimaentwicklung besser standhalten sollen als die Fichte. Um das zu erreichen haben sich fast 20 Bürgerinnen und Bürger nach einem entsprechenden Aufruf des Vereins getroffen, um eine erste Fläche aufzuforsten. Das Pflanzenmaterial hat der Forstwirt Peter Haseloff im Stadtwald gesammelt. So mussten keine Pflanzen hinzugekauft werden. Die Zäunung der Fläche haben er und seine Kollegen ebenfalls übernommen, damit das Wild die jungen Bäume nicht verbeißt.

Gemeinsam für den Stadtwald der Zukunft

Nach der Belehrung bzgl. der Pandemie-Regeln ging es gemeinsam auf die Fläche. Der angehende Förster Robert Dinkelbach sowie Forstwirt Haselhoff erklärten den Umgang mit dem Wiedehopf, einer Pflanzhacke. Die Bündel mit den jungen Bäumen lagen bereit und wurden an die Teilnehmer ausgegeben. Die Pflanzreihen waren zuvor markiert worden und so konnten die Pflanzen schnell in die Erde gesetzt werden.

Unter Anleitung von erfahrenen Forstwirten pflanzten engagierte Bürgerinnen und Bürger den Wald von Morgen.
Foto: O. Schäfer

In kurzer Zeit war die Aufgabe erledigt und eine zweite Fläche nebenan wurde in Angriff genommen. Diese konnte ebenfalls vollständig ausgepflanzt werden. So blieb genügend Zeit für Diskussionen und Erfahrungsaustausch. Wie geht es mit dem Wald weiter? Wie sähe der Stadtwald ohne Bewirtschaftung aus? Was ist die Geschichte des Waldes und wodurch wurde das Waldbild geprägt? Gut, wenn Fachleute vor Ort sind und so hatten Haseloff und Dinkelbach genug zu tun, alle Fragen umfassend zu beantworten.

Einigkeit bestand unter den Teilnehmerinnen und Teilnehmern, dass drei Waldarbeiter für 2.000 ha Wald zu wenig sind. Auch wenn Fremdfirmen viele Arbeiten übernehmen können, so würden diese sich doch niemals mit „unserem Wald“ identifizieren. Es entstehen leider auch immer wieder Schäden, die den Waldbesucher zu Recht stören. Olaf Schäfer, Vorsitzender des Fördervereins artenreicher Stadtwald: „Diese Schäden zu minimieren und eine Forstwirtschaft zu betreiben, die als nicht störend empfunden wird, das müssen unsere ersten Ziele für die Zukunft sein. Eigene Forstwirte kosten sicher mehr Geld als Fremdfirmen, aber fest angestellte Waldarbeiter sehen den Wald als ihren Wald und die dort stehenden Bäume als ihre Bäume und werden sie pfleglicher behandeln.“

Der Vorsitzende des Forst- und Jagdausschusses, Claudius Hille, der ebenfalls an der Pflanzung teilgenommen hat, wies die Teilnehmenden noch einmal auf die bevorstehende Bürgeranhörung zur zukünftigen Waldbewirtschaftung hin. Die Positionen der einzelnen Fraktionen sind auf der Startseite der Stadt Heiligenstadt abrufbar und es wäre gut, wenn möglichst viele ihre Vorstellungen und Meinungen per E-Mail an die Stadt schicken, damit diese diskutiert werden können.

Schäfer bedankte sich bei allen Teilnehmerinnen und Teilnehmern der Pflanzung für die Mitarbeit und wies auf die Möglichkeiten der Mitgestaltung innerhalb des Vereins hin sowie auf kommende Pflanzungen die schon in Vorbereitung seien. Interessenten können sich unter info@stadtwald-heiligenstadt.de anmelden.

Der Förderverein artenreicher Stadtwald Heiligenstadt

Der Förderverein artenreicher Stadtwald Heiligenstadt e. V. wurde im Juli 2020 gegründet, um einem aus Sicht des Verbandes übertriebenen Wunsch nach Stilllegung im 2.000 ha großen Kommunalwald der Stadt zu begegnen. Die 2021 anstehende Forsteinrichtung hat eine kontroverse Diskussion im Stadtrat entfacht. Beiderseits der Hauptwanderwege sollen jeweils 50 m breite Streifen stillgelegt werden. Dies soll der Ästhetik des Waldes dienen. Bei 80 km Wanderweg entspricht das einer Stilllegungsfläche von 800 ha. Dazu kommen alle Hänge mit über 70 % Gefälle sowie die bereits aus ökologischen Gründen aus der Nutzung genommenen 10 % der Kommunalwaldfläche. Das entspricht insgesamt also rund 1.000 ha, die der Holzgewinnung und Forstwirtschaft nicht mehr zur Verfügung stehen sollen.

Der Verein setzt sich dafür ein, wirklich sinnvolle Nutzungseinschränkungen zu fördern und pauschalen Stilllegungen entgegenzutreten. Er steht zur heimischen Forstwirtschaft und will dabei helfen, diese für die Öffentlichkeit verständlich zu machen. Die Durchführung von Baumpflanzaktionen auf Schadflächen bietet dabei eine gute Plattform, um mit den Bürgerinnen und Bürgern ins Gespräch zu kommen. Mithilfe eines Bildungsangebots soll auch der zunehmenden Entfremdung der Bevölkerung entgegengewirkt werden. Dazu gehört nach Ansicht des Vereins auch, dass wieder mehr Forstwirte im Stadtwald beschäftigt werden.

Außerdem ist die Anlage eines Forstwirtschaftslehrpfades geplant, vergleichbar mit einem Naturlehrpfad. Ergänzend sollen Live-Vorführungen zu forstwirtschaftlichen Themen stattfinden – z. B. zur Holzernte, dem Einsatz von Harvestern und Forwardern sowie zum Einsatz von Rückepferden.

Weitere Infos unter: www.stadtwald-heiligenstadt.de

Quelle: Förderverein artenreicher Stadtwald Heiligenstadt e. V./Red.