ABO

Bündnis 90/Die Grünen zur Vergütung für Strom aus Waldrestholz

Zur Diskussion über die im Rahmen der EEG-Novelle geplanten Änderungen der Vergütungssätze für Strom aus Holz erklärt Cornelia Behm, Sprecherin für Waldpolitik der Bundestagsfraktion von Bündnis 90/Die Grünen:

Der Entwurf des Umweltministeriums zur EEG-Novelle trägt der zunehmend angespannten Lage auf dem Holzmarkt bisher nur in Teilen Rechnung. Es ist ein richtiger Schritt, die NaWaRo-Vergütung für Waldholz mit Durchmesser größer als 7 cm von 6 auf 2,5 Cent abzusenken. Es ist auch richtig, die Vergütung für Strom aus Holz in Kraftwerken zwischen 5 und 20 MW von 7,79 bzw. mit KWK-Bonus 10,79 Cent auf 6 Cent zu senken.

Es ist aber ein Irrweg, die NaWaRo-Vergütung für Waldrestholz (Waldholz mit Durchmesser kleiner 7 cm) in Kraftwerken zwischen 500 kW und 5 MW von 2,5 auf 6 Cent zu erhöhen! Zielrichtung der EEG-Novelle wäre demnach, verstärkt großflächig Holz aus den Wäldern „auszufegen“, um es zentral in Kraftwerken zu verstromen. Das kann angesichts der Ziele, die Totholzmengen in den Wäldern aus Gründen des Naturschutzes zu erhöhen und die Waldböden vor Verarmung zu schützen, nicht der richtige Weg sein.

Zur Vermeidung von Nutzungskonkurrenzen wäre es vielmehr angebracht, die Verstromung von Waldholz zumindest in Neuanlagen bis 20 MW nicht mehr zu vergüten und die Waldholz-Verstromung auf kleine, dezentrale Holzheizkraftwerke bis 150 kW, maximal 500 kW zu begrenzen. Das würde die dezentrale Energiewirtschaft stärken und die Nutzungskonkurrenz auf ein vertretbares Maß beschränken. Außerdem bestünden dann Aussichten, Auswüchse der Holzverstromung z.B. durch Import von Holz aus Raubbau oder unsicheren Quellen zu vermeiden, da Kleinanlagen vor allem auf die Holzressourcen aus der Region setzen dürften.

Es ist notwendig, die von Experten für das Jahr 2020 prognostizierte Holzlücke von über 30 Mio. Kubikmetern nicht länger zu ignorieren. Aber gemessen an den vorliegenden Stellungnahmen zur EEG-Novelle gibt es – trotz vollmundiger Bekenntnisse zum Vorrang der stofflichen und der Kaskadennutzung von Holz – bisher wenig Neigung, auf einen sparsameren Umgang mit Waldholz zu setzen und die vorgesehene Vergütung von Strom aus Holz vom Kopf auf die Füße zu stellen. Das hieße, statt der Altholzverstromung die Verstromung von Waldholz in Neuanlagen nicht mehr zu vergüten, insbesondere nicht in großen.

Die EEG-Novelle sollte Fehlanreize beseitigen und keine neuen schaffen. Es ist richtig, dass der Ausbau der erneuerbaren Energien beschleunigt werden muss. Dabei aber auf Raubbau an den Wäldern und die Verdrängung der stofflichen Nutzung von Holz zu setzen, dass kann – Atomausstieg hin oder her – keine tragfähige Politik sein. Vielmehr gilt es zu berücksichtigen, dass Holz ein knappes Gut ist – gerade wenn man die Vernichtung der biologischen Vielfalt weltweit verhindern will. Es gibt andere, bessere Wege, die Energiewende zu schaffen als in großem Maßstab die Wälder dieser Welt zu verstromen.
 

Cornelia Behm MdB

Auch interessant

von