Holzindustrie, -verbände

„Buchen-Baum-Wolle“ – Bekleidung, die der Haut schmeichelt

Bearbeitet von Mirjam Kronschnabl-Ritz

Die Rotbuche ist Deutschlands häufigster Laubbaum und immer mehr Menschen tragen Buchenholz-Fasern hautnah am Körper. Ob Unterwäsche, T-shirts oder Bettwäsche – nicht selten steckt darin der Stoff, aus dem die Bäume sind: Zellulose. Erstmalig liefern jetzt mehrere tausend Bäume aus dem niedersächsischen Landeswald den Rohstoff für solche „Buchen-Baum-Wolle“.

Die österreichische Firma Lenzing, Produzent von Zellstoff und Fasern, kauft bei den Niedersächsischen Landesforsten rund 3.000 Kubikmeter Buchenholz aus den Sollingwäldern und dem Forstamt Münden. Lenzing nützt das südniedersächsische Holz zu 100 Prozent: Jene Anteile, die nicht für die Herstellung von Faserzellstoff und Fasern verwendet wird, bilden die Grundlage für wertvolle Bioenergie und biobasierte Produkte wie Essigsäure. Die flauschig weichen Tencel-Modalfasern aus Buchenholz eignen sich gut für hautnahe Textilien.

Diese Buchenholzschnitzel werden in einem ressourcensparenden Herstellungsverfahren aufbereitet, um die Zellulose auszulösen. Danach sind sie weiß. Foto: Lenzing

Wertschöpfung vom Baum zum Kleidungsstück in mehreren Schritten

Damit aus Buchenbäumen Textilien entstehen können, braucht es mehrere Schritte. Der erste beginnt in den Wäldern Südniedersachsens, wo während des Winters das Buchenholz gefällt und auf Einheitslängen gesägt worden ist. Von dort transportiert ein regionales Holzlogistik-Unternehmen die vier Meter langen Buchen-Stücke per Holz-LKW zum Bahnhof nach Stadtoldendorf. Der dritte Schritt ist die Bahnverladung und die Reise der Buchenstämme auf einem Ganzholz-Güterzug von Niedersachsen nach Österreich. Mehrere Millionen solcher Baumlängen kommen ausschließlich per Bahn direkt ins Werk zur Verarbeitung. Das Werk hat sich auf die Produktion von hochwertigem Zellstoff auf Basis von Buchen-Industrieholz spezialisiert.

Natur wird zur Natur

Buchenholz ist dank eines relativ hohen Zellulosegehaltes besonders gut als Rohstoff für die Faserherstellung geeignet. Dabei werden zunächst die aus entrindetem Industrieholz erzeugten Hackschnitzel in einem Zellstoffprozess gekocht, um die Zellulose herauszulösen. Anschließend wird die Zellulose in einem Lösungsmittel gelöst und durch Spinndüsen gepresst um Zellulosefasern herzustellen. Am Ende des Lebenszyklus sind die Fasern aus Lenzing biologisch abbaubar. So wird Natur wieder zu Natur.

Buchenholz wird vielfältig in der Region verarbeitet

Das bei der Durchforstung angefallene Holz wird vielfältig in der Region verwendet. Teile gehen in ein Sägewerk zur Möbelverarbeitung, das weniger wertvolle Kronenholz oder schadhafte Stämme werden zum Heizen verwendet. Und das qualitativ bessere Buchen-Industrieholz sei für Lenzing ausgewählt, ergänzt Dr. Christof Oldenburg. „Wenn wir unseren nachwachsenden Rohstoff so verwerten können, dass daraus langlebige Produkte mit guter Ökobilanz wie zum Beispiel Zellulosefasern hergestellt werden, ist das ein Beitrag für den Klimaschutz. Vor dem Verbrennen von Holz zur energetischen Nutzung hat die stoffliche Verwertung Vorrang. Trotzdem wird noch ausreichend Brennholz zum Verkauf kommen“, unterstreicht der Holzverkäufer der Landesforsten die Zusammenarbeit mit dem neuen Kunden aus Österreich.

Quelle: NLF (PM)