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Aktuelle Hinweise zu Borkenkäfern  in Baden-Württemberg

Aktuelle Hinweise zu Borkenkäfern in Baden-Württemberg

An allen Monitoringstandorten ist ein Anstieg der Fangzahlen zu beobachten. Bei den derzeitigen hochsommerlichen Witterungsbedingungen wird sich der Flug von Buchdrucker und Kupferstecher in den kommenden Tagen und Wochen noch verstärken. Seit Anfang April werden an allen drei Monitoringstandorten deutlich mehr Gestreifte Nutzholzborkenkäfer gefangen als in den Jahren zuvor.

Buchdrucker, Ips typographus
Seit Beginn der KW 28 fliegen – mit dreiwöchiger Verzögerung gegenüber den mittleren Lagen (500 m üNN) – auch in den Hochlagen des Schwarzwalds (hier ca 900 m üNN) Jungkäfer der ersten Generation aus. An den drei Monitoringstandorten ist ein Anstieg der Fangzahlen zu beobachten, der auf den Ausflug der Jungkäfer zurückzuführen ist. Bei den derzeitigen hochsommerlichen Witterungsbedingungen wird sich dieser Flug in den kommenden Tagen und Wochen noch verstärken. In allen Fangbäumen finden sich derzeit Altlarven, Puppen und bereits fertig entwickelte Jungkäfer.
Die Situation ist aufgrund der hochsommerlichen Witterung sehr ernst zu nehmen: an gefährdeten Standorten ist mit Stehendbefall zu rechnen. Durch hochsommerliche Gewitter kann es kleinräumig zu Windwürfen in den Bestanden kommen. Auf diese Würfe ist besonders zu achten, weil sich dort lokal starke Populationen bilden können. Da sich bereits Jungkäfer in den Brutsystemen befinden, müssen sofort folgende Maßnahmen ergriffen werden:
Die Überwachung gefährdeter Bestände muss vor allem bei anhaltend warmer Witterung intensiviert werden. Stehendbefall durch Aktuelle Hinweise zu Borkenkäfern den Buchdrucker kann durch den Auswurf braunen  Bohrmehls, das sich am Stammfuß, in Spinnennetzen oder auf benachbarter Bodenvegetation findet, Harzfluss (wobei dieser häufig auf eine erfolgreiche Abwehr des Befalls hinweist) sowie durch Spechtabschläge von Rindenschuppen (Spiegelschlag) erkannt werden. Die Bohrmehlsuche sollte regelmäßig wiederholt und nach Tagen ohne Niederschlag durchgeführt werden.
Sofortiger Abtransport an ungefährdete Orte (weit außerhalb des Waldes), mind. 500 m, besser 1 km und mehr entfernt vom nächsten gefährdeten Nadelholzbestand. Die Rückung der befallenen Bäume ist nur in Ausnahmenfällen bei festsitzender Rinde möglich. Bei Kleinmengen: Entrinden auf Unterlagen und Verbrennen der befallenen Rinde. Zerhacken oder Mulchen von nicht verwertbarem, befallenem Schwachholz.
Vor-Ausflug-Spritzung mit einem zugelassenen Pflanzenschutzmittel (PSM) unter Beachtung mder Anwendungsvorschriften: berindete Hölzer rechtzeitig vor dem Ausflug der Jungkäfer spritzen. Wenn die sofortige Abfuhr nicht gewährleistet werden kann ist zu bedenken, dass der Befall nach Einschlag sehr schnell erfolgen kann. Zur Polterspritzung zugelassene PSM sind derzeit die Präparate Karate Forst flüssig und Fastac Forst. Es sind die länderspezifischen Regelungen des Wasser- und Naturschutzes sowie die Regelungen des jeweiligen Zertifizierungssystems zu beachten.
Kupferstecher, Pityogenes chalcographus
Jungkäfer der ersten Generation haben auch in den Hochlagen (900 m üNN) mit dem Ausflug begonnen. An allen Monitoringstandorten ist ein Anstieg der Fangzahlen zu beobachten, der auf den Ausflug der Jungkäfer zurückzuführen ist. Bei den derzeitigen hochsommerichen Witterungsbedingungen wird sich dieser Flug in den kommenden Tagen und Wochen noch verstärken.
Folgerungen für die Praxis
An gefährdeten Standorten ist mit Stehendbefall zu rechnen. Deswegen muss die Überwachung intensiviert werden. Der Kupferstecher bevorzugt die Stammabschnitte mit dünnerer Rinde, so dass er an älteren Fichten, an denen er zusammen mit dem Buchdrucker auftreten kann, vornehmlich die Kronenbereiche befällt. Darüber hinaus befällt er Stangenhölzer, Dickungen und kann auch in Kulturen schädlich auftreten. Der Befall ist durch die Rötung einzelner Äste bzw. der Krone, Harzfluss und Bohrmehlauswurf (häufig sehr gering) zu erkennen. Ausgangspunkt des Stehendbefalls sind häufig Kronenrestholz und am Boden liegendes Reisig. Befallene Bäume müssen umgehend eingeschlagen werden. Bei weit fortgeschrittenen Bruten ist eine Abfuhr oder bei nicht verwertbaren Sortimenten ein Zerhacken des Aushiebmaterials zu empfehlen. Im äußersten Fall muss eine Vorausflugspritzung angebracht werden. In den kommenden Wochen ist mit Stehendbefall zu rechen.
Gestreifter Nutzholzborkenkäfer, Trypodendron lineatum
Nach kurzem Einbruch in der KW 19 und 20 werden seit Anfang April an allen drei Monitoringstandorten deutlich mehr „Gestreifte Nutzholzborkenkäfer“ gefangen als in den Jahren zuvor, das Fluggeschehen scheint sich auch derzeit nicht zu beruhigen.
Folgerungen für die Praxis
Wertvolles Stammholz kann nur durch rechtzeitige Abfuhr, Zwischenlagerung außerhalb des Waldes (mind. 500 m) bzw. Schutzspritzung vor dem Befall geschützt werden. Die Entrindung der Stämme stellt für diese holzbrütende Art keine wirksame Schutzmaßnahme dar. Beim Einsatz von Insektiziden sind die einschlägigen Sicherheitsvorschriften einzuhalten. Tritt Stehendbefall auf, sind die Stämme einzuschlagen und abzufahren.
Generell gilt, dass Sommereinschläge in der Regel immer sofort befallen werden.
FVA

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