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Willkommen in Brilon – der Stadt des Waldes

Dass die sauerländische Stadt Brilon ihre Besucher mit dem Slogan
„Stadt des Waldes“ begrüßt hat einen besonderen Grund. Brilon ist mit 7.700 ha die waldreichste Kommune im Bundesgebiet.

 

Am 18. Januar 2007 wurde es windig. Sehr windig. Ein Orkan wehte über Deutschland hinweg. Kyrill tobte sich aus. Tage vorher gab es schon Warnungen. Einige Tiefs gingen bereits über das Land und gaben einen Vorgeschmack. Kyrill jedoch war der Höhepunkt des sturmreichen Winters. Am Tag darauf zeigte sich seine zerstörerische Schaffenskraft. Vor allem wurde vielerorts die forstliche Arbeit etlicher Jahre zunichte gemacht. Hart getroffen hat es besonders Nordrhein-Westfalen und hier insbesondere die Wälder des Sauerlands. Dazu zählten unter anderem die Forstflächen des seit 2001 PEFC-zertifizierten Stadtforstbetriebs Brilons.

Dass die sauerländische Stadt Brilon ihre Besucher mit dem Slogan „Stadt des Waldes“ begrüßt hat einen besonderen Grund. Brilon ist mit 7.700 ha die waldreichste Kommune im Bundesgebiet.   Am 18. Januar 2007 wurde es windig. Sehr windig. Ein Orkan wehte über Deutschland hinweg. Kyrill tobte sich aus. Tage vorher gab es schon Warnungen. Einige Tiefs gingen bereits über das Land und gaben einen Vorgeschmack. Kyrill jedoch war der Höhepunkt des sturmreichen Winters. Am Tag darauf zeigte sich seine zerstörerische Schaffenskraft. Vor allem wurde vielerorts die forstliche Arbeit etlicher Jahre zunichte gemacht. Hart getroffen hat es besonders Nordrhein-Westfalen und hier insbesondere die Wälder des Sauerlands. Dazu zählten unter anderem die Forstflächen des seit 2001 PEFC-zertifizierten Stadtforstbetriebs Brilons. [caption id="" align="alignnone" width="899"] Einer der größten Holzabnehmer ist die ortsansässige EGGER Holzwerkstoffe Brilon GmbH & Co. KG. Im August 2016 wurde in einem Gemeinschaftsprojekt zwischen EGGER und dem Stadtforstbetrieb der Ausbildungswald eröffnet. Auf einer Pflanzfläche am Rothaarsteig, sollen jetzt jedes Jahr die neuen Auszubildenden der Firma ihr eigenes Bäumchen pflanzen, damit der Ausbildungswald von nun an stetig wächst. Foto: Egger[/caption] Als es passierte, war Dr. Gerrit Bub gerade einmal einen Tag im Amt des Forstamtsleiters der Stadt Brilon. Gleich musste er als Krisenmanager agieren und 500.000 Fm gefallenes Holz abwickeln. Tatsächlich ist ein 7.741 ha großer Forstbetrieb, der unmittelbar nach dem ersten Diensttag um 1/7 dezimiert wird, nicht unbedingt das, was man erwartet. Einen anderen Einstieg ins Amt hätte Bub sicherlich nicht ausgeschlagen, sofern er hätte wählen können. Nur gab es eine solche Option nicht. Auch künftig wird es keine Ausweichalternative geben. Denn das Sagen wird weiterhin jemand anderes haben. Die Natur. Das weiß auch Bub. In den folgenden Jahren hat er das gleich mehrmals erfahren: So folgte auf Kyrill 2008 Emma. Xynthia windete 2010. 2011 wehte Andrea. Zwei Jahre später eilte Ela übers Land, und im Jahr darauf hatte Niklas seinen Auftritt. Im Grunde kann ein Sturm Forstmann Bub nicht mehr wirklich aus der Fassung bringen.

Natur und Mensch

  [caption id="" align="alignnone" width="900"] Der Orkan Kyrill warf im Januar 2007 500.000 Fm. Es entstanden knapp 1.000 ha Kahlflächen. Foto: Bub[/caption] Forstwirtschaft ist und bleibt ein Zusammenspiel zwischen Natur und Mensch. In diesem Zusammenhang verwendet Gerrit Bub das Wort Demut. Demut gegenüber der Natur, der Schöpfung zeigen, sagt er. „Es ist ein altes Wort, aber ich benutze es gerne“, so der studierte Forstwissenschaftler und Betriebswirt. Gehorsam ist nur ein Synonym für den Begriff Demut neben einigen weiteren. Aber Gehorsam trifft es irgendwie am ehesten. Auf die Natur hören. Bub und seine Mitarbeiter versuchen das. Hören und den Spagat in die moderne wirtschaftende Welt vollziehen.Vielleicht erzählt er, basierend auf dieser Überzeugung, auch deshalb so, als sei der Sturm das Normalste von der Welt, wenn er auf seine Anfangszeit in Brilon zurückblickt. Ein routinemäßiger Holzabnahmetermin irgendwo an der Waldstraße hätte genauso gut seine erste Amtshandlung sein können. Nur, so war es nicht, und das ist ihm auch nicht wichtig. Viel wichtiger erscheint es ihm, Erkenntnisse aus dem zu ziehen, was geschehen ist, und dann die entsprechenden Maßnahmen zu ergreifen. Dabei sei es wichtig, dass nicht allein Kalamitäten dazu anregen, sein Tun zu hinterfragen, sondern dass Selbstreflexion generell zum Tagesgeschäft gehört, sagt Bub. Sie dient der Überwachung der Strategie auf den Weg zu dem gesteckten Ziel. Und für Kurskorrekturen sollte man immer offen bleiben. Deshalb erscheint Bub die Summierung der Fm und Rm am Ende eines Jahres zu simpel, wobei sie in einem gewinnorientierten Betrieb wie Brilon Forst natürlich nicht ausbleiben kann. Dennoch geht es vordringlich darum, dem Naturraum und somit auch dem Menschen gerecht zu werden. Daher versteht Bub den verhehrenden Sturm zum Amtsantritt 2007 auch nicht mehr als großes Verlustereignis, sondern als Aufforderung. Gefordert in dem Sinne, dem Wald der Stadt Brilon ein neues Gesicht zu geben. Das gilt gleichermaßen für die damals anstehende Wiederbewaldung, immerhin gut 1.000 ha, als auch für den Umbau des alten Forstbestands. Eine spannende Aufgabe, wie er findet. Auch deshalb, weil hier in Brilon eine historische Note hinzukommt. Die erste urkundliche Erwähnung stammt aus dem Jahr 1388. Da entwickeln sich Traditionen, die zu berücksichtigen sind. 26.200 traditionsbewusste Menschen erwarten jedes Jahr von Bub hierüber Rechenschaft. Denn die Einwohner der Stadt und der 16 Ortschaften lieben ihren Wald. Überhaupt ist die Region mit einem Waldanteil von 49 % überdurchschnittlich grün.

Wald und Wild

[caption id="" align="alignnone" width="450"] Dr. Gerrit Bub kümmert sich mit 21 Mitarbeitern und drei Auszubildenden um den Briloner Stadtwald. Foto: Reinstorf[/caption] Da bedarf es diplomatischen Geschicks, um Veränderungen auf den Weg zu bringen. Doch die Sauerländer in Brilon sind konsensfähig. Auch wenn es manchmal hart kommt. Bub spricht von einem Paradigmenwechsel, der sich hier vollzieht. Darunter fällt die Fichte. Lange Zeit Baum des Sauerlands. Im Briloner Stadtwald hat sie derzeit einen Anteil von 55 %, insgesamt beanspruchen die Nadelbäume 61 % der Waldfläche. Mittlerweile steht der Dauerwald auf der Agenda. In der Betriebsvision heißt es: Aufbau eines zukunftsfähigen, standortgerechten, naturnahen, vitalen, stabilen und ökonomisch ertragreichen sowie ökologisch gesunden, vielfältig strukturierten Dauerwalds, der im Wandel des Klimas geringe Anfälligkeit gegenüber biotischen und abiotischen Gefährdungen aufweist. Insbesondere soll der Lauholzanteil um 10 % steigen. Doch bis dahin erforderte es ein hohes Maß an Aufklärungsarbeit auch bezüglich der Ökologie und Ökonomie, die sich nicht ausschließen. Dass sich Wald und Wild ebenso wenig ausschließen, ist auch in Brilon unbestritten. Nur sorgten die überhöhten Wildbestände für Debatten. Klar war, dass die Jagd im neu ausgerichteten Forstkonzept nicht ausgeklammert werden konnte. Klar war aber auch, dass hiermit ein sehr emotional behaftetes Thema auf die Tagesordnung der Briloner Ratsherren kam. Künftig sollte die Jagd, als traditionelles Geschäftsfeld, einen Wildbestand garantieren, der sich den nachhaltigen waldbaulichen Zielsetzungen anpasst. Schließlich wurde auf Grundlage der Statuten des Zertifizierers PEFC ein neues Jagdverpachtungsmodell erarbeitet. Hierin wird dem Wald eine Vorrangrolle gegenüber dem Wild eingeräumt. Ohne diesen Vertrag wären die vielen Kulturen und Umbaumaßnahmen einer zusätzlichen Gefahr ausgesetzt worden. Die vorgenommenen Maßnahmen bedeuten ebenso Verantwortung seinen Partnern gegenüber zu übernehmen. Hier im Wesentlichen die holzabnehmende Seite. 50.000 Fm beträgt der Jahreseinschlag (6,7 Efm/ha), der fast vollständig in der Region abgesetzt wird. Einer der größten Abnehmer siedelt gleich am östlichen Stadtrand. Die Firma Egger Holzwerkstoffe Brilon GmbH befindet sich dort. 1990 errichtete die österreichische Egger-Gruppe das Werk. Daneben wird die stadteigene Holzhackschnitzelheizung durch den Stadtforstbetrieb mit Waldrestholz beliefert. Auch geringe Anteile vom Buchen-Fichten-Industrieholz nimmt die Anlage auf. Insgesamt benötigt die Heizung je nach Witterungsverlauf ca. 3.000 bis 4.000 Fm Holz pro Jahr. Überhaupt hat der Stadtforstbetrieb Brilon Partnerschaft und Zusammenarbeit über die Jahre intensiviert. Die Stadt und die forstlichen Mitarbeiter sind bestrebt, alle Einwohner am Geschehen teilhaben zu lassen. So entstand der Bürgerwald (siehe Kasten) und vor Kurzem der Azubiwald. Die DLG-Waldtage sind noch einmal ein Schritt weiter. Erstmals vor zwei Jahren hier in Brilon veranstaltet, trifft man sich jetzt im September erneut. Bub ist vom Konzept angetan. Rein auf den Waldbesitz zugeschnitten, ohne politischen Hintergrund, Technik und Verfahren für den effizienten Privat- und Kommunalwald, ergänzt durch ein interessantes Forenprogramm.

Waldhauptstadt 2017

Dass hier in Brilon einiges rund um den Wald passiert, bleibt nicht unentdeckt. Nicht grundlos wurde man zur PEFC-Waldhauptstadt 2017 gekürt. In der Begründung von PEFC heißt es: Brilon überzeugte die Jury im Besonderen durch kontinuierliche Presse- und Aufklärungsarbeit über PEFC durch die Verantwortlichen vor Ort, die damit aktiv auf eine Bekanntheitssteigerung des Siegels auf regionaler und überregionaler Ebene hinarbeiten. Des Weiteren trugen die vielfältigen Ideen, mit denen Brilon 2017 seinen Titel „PEFC-Waldhauptstadt“ bekanntmachen wird, u. a. die Einbindung von PEFC auf den DLG-Waldtagen im September 2017, eine spezielle Aktion mit der Briloner „Waldfee“ anlässlich des AGDW-Waldbesitzerempfangs in Berlin oder PEFC-Informationsstationen in den viel bewanderten „Bürgerwäldern“, zur positiven Bewertung der Jury, die aus Mitgliedern von PEFC Deutschland bestand, bei. Eines weiß Dr. Gerrit Bub aber auch, dass es ohne seine engagierten Mitarbeiter, die die vielen Facetten des Stadtforstbetriebs Brilon mit Leben erfüllen, nicht geklappt hätte, den Titel ins Sauerland zu holen. Einer der größten Holzabnehmer ist die ortsansässige EGGER Holzwerkstoffe Brilon GmbH & Co. KG. Im August 2016 wurde in einem Gemeinschaftsprojekt zwischen EGGER und dem Stadtforstbetrieb der Ausbildungswald eröffnet. Auf einer Pflanzfläche am Rothaarsteig, sollen jetzt jedes Jahr die neuen Auszubildenden der Firma ihr eigenes Bäumchen pflanzen, damit der Ausbildungswald von nun an stetig wächst. Foto: Egger

Als es passierte, war Dr. Gerrit Bub gerade einmal einen Tag im Amt des Forstamtsleiters der Stadt Brilon. Gleich musste er als Krisenmanager agieren und 500.000 Fm gefallenes Holz abwickeln. Tatsächlich ist ein 7.741 ha großer Forstbetrieb, der unmittelbar nach dem ersten Diensttag um 1/7 dezimiert wird, nicht unbedingt das, was man erwartet. Einen anderen Einstieg ins Amt hätte Bub sicherlich nicht ausgeschlagen, sofern er hätte wählen können. Nur gab es eine solche Option nicht. Auch künftig wird es keine Ausweichalternative geben. Denn das Sagen wird weiterhin jemand anderes haben. Die Natur. Das weiß auch Bub. In den folgenden Jahren hat er das gleich mehrmals erfahren: So folgte auf Kyrill 2008 Emma. Xynthia windete 2010. 2011 wehte Andrea. Zwei Jahre später eilte Ela übers Land, und im Jahr darauf hatte Niklas seinen Auftritt. Im Grunde kann ein Sturm Forstmann Bub nicht mehr wirklich aus der Fassung bringen.

Natur und Mensch

 

Dass die sauerländische Stadt Brilon ihre Besucher mit dem Slogan „Stadt des Waldes“ begrüßt hat einen besonderen Grund. Brilon ist mit 7.700 ha die waldreichste Kommune im Bundesgebiet.   Am 18. Januar 2007 wurde es windig. Sehr windig. Ein Orkan wehte über Deutschland hinweg. Kyrill tobte sich aus. Tage vorher gab es schon Warnungen. Einige Tiefs gingen bereits über das Land und gaben einen Vorgeschmack. Kyrill jedoch war der Höhepunkt des sturmreichen Winters. Am Tag darauf zeigte sich seine zerstörerische Schaffenskraft. Vor allem wurde vielerorts die forstliche Arbeit etlicher Jahre zunichte gemacht. Hart getroffen hat es besonders Nordrhein-Westfalen und hier insbesondere die Wälder des Sauerlands. Dazu zählten unter anderem die Forstflächen des seit 2001 PEFC-zertifizierten Stadtforstbetriebs Brilons. [caption id="" align="alignnone" width="899"] Einer der größten Holzabnehmer ist die ortsansässige EGGER Holzwerkstoffe Brilon GmbH & Co. KG. Im August 2016 wurde in einem Gemeinschaftsprojekt zwischen EGGER und dem Stadtforstbetrieb der Ausbildungswald eröffnet. Auf einer Pflanzfläche am Rothaarsteig, sollen jetzt jedes Jahr die neuen Auszubildenden der Firma ihr eigenes Bäumchen pflanzen, damit der Ausbildungswald von nun an stetig wächst. Foto: Egger[/caption] Als es passierte, war Dr. Gerrit Bub gerade einmal einen Tag im Amt des Forstamtsleiters der Stadt Brilon. Gleich musste er als Krisenmanager agieren und 500.000 Fm gefallenes Holz abwickeln. Tatsächlich ist ein 7.741 ha großer Forstbetrieb, der unmittelbar nach dem ersten Diensttag um 1/7 dezimiert wird, nicht unbedingt das, was man erwartet. Einen anderen Einstieg ins Amt hätte Bub sicherlich nicht ausgeschlagen, sofern er hätte wählen können. Nur gab es eine solche Option nicht. Auch künftig wird es keine Ausweichalternative geben. Denn das Sagen wird weiterhin jemand anderes haben. Die Natur. Das weiß auch Bub. In den folgenden Jahren hat er das gleich mehrmals erfahren: So folgte auf Kyrill 2008 Emma. Xynthia windete 2010. 2011 wehte Andrea. Zwei Jahre später eilte Ela übers Land, und im Jahr darauf hatte Niklas seinen Auftritt. Im Grunde kann ein Sturm Forstmann Bub nicht mehr wirklich aus der Fassung bringen.

Natur und Mensch

  [caption id="" align="alignnone" width="900"] Der Orkan Kyrill warf im Januar 2007 500.000 Fm. Es entstanden knapp 1.000 ha Kahlflächen. Foto: Bub[/caption] Forstwirtschaft ist und bleibt ein Zusammenspiel zwischen Natur und Mensch. In diesem Zusammenhang verwendet Gerrit Bub das Wort Demut. Demut gegenüber der Natur, der Schöpfung zeigen, sagt er. „Es ist ein altes Wort, aber ich benutze es gerne“, so der studierte Forstwissenschaftler und Betriebswirt. Gehorsam ist nur ein Synonym für den Begriff Demut neben einigen weiteren. Aber Gehorsam trifft es irgendwie am ehesten. Auf die Natur hören. Bub und seine Mitarbeiter versuchen das. Hören und den Spagat in die moderne wirtschaftende Welt vollziehen.Vielleicht erzählt er, basierend auf dieser Überzeugung, auch deshalb so, als sei der Sturm das Normalste von der Welt, wenn er auf seine Anfangszeit in Brilon zurückblickt. Ein routinemäßiger Holzabnahmetermin irgendwo an der Waldstraße hätte genauso gut seine erste Amtshandlung sein können. Nur, so war es nicht, und das ist ihm auch nicht wichtig. Viel wichtiger erscheint es ihm, Erkenntnisse aus dem zu ziehen, was geschehen ist, und dann die entsprechenden Maßnahmen zu ergreifen. Dabei sei es wichtig, dass nicht allein Kalamitäten dazu anregen, sein Tun zu hinterfragen, sondern dass Selbstreflexion generell zum Tagesgeschäft gehört, sagt Bub. Sie dient der Überwachung der Strategie auf den Weg zu dem gesteckten Ziel. Und für Kurskorrekturen sollte man immer offen bleiben. Deshalb erscheint Bub die Summierung der Fm und Rm am Ende eines Jahres zu simpel, wobei sie in einem gewinnorientierten Betrieb wie Brilon Forst natürlich nicht ausbleiben kann. Dennoch geht es vordringlich darum, dem Naturraum und somit auch dem Menschen gerecht zu werden. Daher versteht Bub den verhehrenden Sturm zum Amtsantritt 2007 auch nicht mehr als großes Verlustereignis, sondern als Aufforderung. Gefordert in dem Sinne, dem Wald der Stadt Brilon ein neues Gesicht zu geben. Das gilt gleichermaßen für die damals anstehende Wiederbewaldung, immerhin gut 1.000 ha, als auch für den Umbau des alten Forstbestands. Eine spannende Aufgabe, wie er findet. Auch deshalb, weil hier in Brilon eine historische Note hinzukommt. Die erste urkundliche Erwähnung stammt aus dem Jahr 1388. Da entwickeln sich Traditionen, die zu berücksichtigen sind. 26.200 traditionsbewusste Menschen erwarten jedes Jahr von Bub hierüber Rechenschaft. Denn die Einwohner der Stadt und der 16 Ortschaften lieben ihren Wald. Überhaupt ist die Region mit einem Waldanteil von 49 % überdurchschnittlich grün.

Wald und Wild

[caption id="" align="alignnone" width="450"] Dr. Gerrit Bub kümmert sich mit 21 Mitarbeitern und drei Auszubildenden um den Briloner Stadtwald. Foto: Reinstorf[/caption] Da bedarf es diplomatischen Geschicks, um Veränderungen auf den Weg zu bringen. Doch die Sauerländer in Brilon sind konsensfähig. Auch wenn es manchmal hart kommt. Bub spricht von einem Paradigmenwechsel, der sich hier vollzieht. Darunter fällt die Fichte. Lange Zeit Baum des Sauerlands. Im Briloner Stadtwald hat sie derzeit einen Anteil von 55 %, insgesamt beanspruchen die Nadelbäume 61 % der Waldfläche. Mittlerweile steht der Dauerwald auf der Agenda. In der Betriebsvision heißt es: Aufbau eines zukunftsfähigen, standortgerechten, naturnahen, vitalen, stabilen und ökonomisch ertragreichen sowie ökologisch gesunden, vielfältig strukturierten Dauerwalds, der im Wandel des Klimas geringe Anfälligkeit gegenüber biotischen und abiotischen Gefährdungen aufweist. Insbesondere soll der Lauholzanteil um 10 % steigen. Doch bis dahin erforderte es ein hohes Maß an Aufklärungsarbeit auch bezüglich der Ökologie und Ökonomie, die sich nicht ausschließen. Dass sich Wald und Wild ebenso wenig ausschließen, ist auch in Brilon unbestritten. Nur sorgten die überhöhten Wildbestände für Debatten. Klar war, dass die Jagd im neu ausgerichteten Forstkonzept nicht ausgeklammert werden konnte. Klar war aber auch, dass hiermit ein sehr emotional behaftetes Thema auf die Tagesordnung der Briloner Ratsherren kam. Künftig sollte die Jagd, als traditionelles Geschäftsfeld, einen Wildbestand garantieren, der sich den nachhaltigen waldbaulichen Zielsetzungen anpasst. Schließlich wurde auf Grundlage der Statuten des Zertifizierers PEFC ein neues Jagdverpachtungsmodell erarbeitet. Hierin wird dem Wald eine Vorrangrolle gegenüber dem Wild eingeräumt. Ohne diesen Vertrag wären die vielen Kulturen und Umbaumaßnahmen einer zusätzlichen Gefahr ausgesetzt worden. Die vorgenommenen Maßnahmen bedeuten ebenso Verantwortung seinen Partnern gegenüber zu übernehmen. Hier im Wesentlichen die holzabnehmende Seite. 50.000 Fm beträgt der Jahreseinschlag (6,7 Efm/ha), der fast vollständig in der Region abgesetzt wird. Einer der größten Abnehmer siedelt gleich am östlichen Stadtrand. Die Firma Egger Holzwerkstoffe Brilon GmbH befindet sich dort. 1990 errichtete die österreichische Egger-Gruppe das Werk. Daneben wird die stadteigene Holzhackschnitzelheizung durch den Stadtforstbetrieb mit Waldrestholz beliefert. Auch geringe Anteile vom Buchen-Fichten-Industrieholz nimmt die Anlage auf. Insgesamt benötigt die Heizung je nach Witterungsverlauf ca. 3.000 bis 4.000 Fm Holz pro Jahr. Überhaupt hat der Stadtforstbetrieb Brilon Partnerschaft und Zusammenarbeit über die Jahre intensiviert. Die Stadt und die forstlichen Mitarbeiter sind bestrebt, alle Einwohner am Geschehen teilhaben zu lassen. So entstand der Bürgerwald (siehe Kasten) und vor Kurzem der Azubiwald. Die DLG-Waldtage sind noch einmal ein Schritt weiter. Erstmals vor zwei Jahren hier in Brilon veranstaltet, trifft man sich jetzt im September erneut. Bub ist vom Konzept angetan. Rein auf den Waldbesitz zugeschnitten, ohne politischen Hintergrund, Technik und Verfahren für den effizienten Privat- und Kommunalwald, ergänzt durch ein interessantes Forenprogramm.

Waldhauptstadt 2017

Dass hier in Brilon einiges rund um den Wald passiert, bleibt nicht unentdeckt. Nicht grundlos wurde man zur PEFC-Waldhauptstadt 2017 gekürt. In der Begründung von PEFC heißt es: Brilon überzeugte die Jury im Besonderen durch kontinuierliche Presse- und Aufklärungsarbeit über PEFC durch die Verantwortlichen vor Ort, die damit aktiv auf eine Bekanntheitssteigerung des Siegels auf regionaler und überregionaler Ebene hinarbeiten. Des Weiteren trugen die vielfältigen Ideen, mit denen Brilon 2017 seinen Titel „PEFC-Waldhauptstadt“ bekanntmachen wird, u. a. die Einbindung von PEFC auf den DLG-Waldtagen im September 2017, eine spezielle Aktion mit der Briloner „Waldfee“ anlässlich des AGDW-Waldbesitzerempfangs in Berlin oder PEFC-Informationsstationen in den viel bewanderten „Bürgerwäldern“, zur positiven Bewertung der Jury, die aus Mitgliedern von PEFC Deutschland bestand, bei. Eines weiß Dr. Gerrit Bub aber auch, dass es ohne seine engagierten Mitarbeiter, die die vielen Facetten des Stadtforstbetriebs Brilon mit Leben erfüllen, nicht geklappt hätte, den Titel ins Sauerland zu holen. Der Orkan Kyrill warf im Januar 2007 500.000 Fm. Es entstanden knapp 1.000 ha Kahlflächen. Foto: Bub

Forstwirtschaft ist und bleibt ein Zusammenspiel zwischen Natur und Mensch. In diesem Zusammenhang verwendet Gerrit Bub das Wort Demut. Demut gegenüber der Natur, der Schöpfung zeigen, sagt er. „Es ist ein altes Wort, aber ich benutze es gerne“, so der studierte Forstwissenschaftler und Betriebswirt. Gehorsam ist nur ein Synonym für den Begriff Demut neben einigen weiteren. Aber Gehorsam trifft es irgendwie am ehesten. Auf die Natur hören. Bub und seine Mitarbeiter versuchen das. Hören und den Spagat in die moderne wirtschaftende Welt vollziehen.Vielleicht erzählt er, basierend auf dieser Überzeugung, auch deshalb so, als sei der Sturm das Normalste von der Welt, wenn er auf seine Anfangszeit in Brilon zurückblickt. Ein routinemäßiger Holzabnahmetermin irgendwo an der Waldstraße hätte genauso gut seine erste Amtshandlung sein können. Nur, so war es nicht, und das ist ihm auch nicht wichtig. Viel wichtiger erscheint es ihm, Erkenntnisse aus dem zu ziehen, was geschehen ist, und dann die entsprechenden Maßnahmen zu ergreifen. Dabei sei es wichtig, dass nicht allein Kalamitäten dazu anregen, sein Tun zu hinterfragen, sondern dass Selbstreflexion generell zum Tagesgeschäft gehört, sagt Bub. Sie dient der Überwachung der Strategie auf den Weg zu dem gesteckten Ziel. Und für Kurskorrekturen sollte man immer offen bleiben. Deshalb erscheint Bub die Summierung der Fm und Rm am Ende eines Jahres zu simpel, wobei sie in einem gewinnorientierten Betrieb wie Brilon Forst natürlich nicht ausbleiben kann. Dennoch geht es vordringlich darum, dem Naturraum und somit auch dem Menschen gerecht zu werden. Daher versteht Bub den verhehrenden Sturm zum Amtsantritt 2007 auch nicht mehr als großes Verlustereignis, sondern als Aufforderung. Gefordert in dem Sinne, dem Wald der Stadt Brilon ein neues Gesicht zu geben. Das gilt gleichermaßen für die damals anstehende Wiederbewaldung, immerhin gut 1.000 ha, als auch für den Umbau des alten Forstbestands. Eine spannende Aufgabe, wie er findet. Auch deshalb, weil hier in Brilon eine historische Note hinzukommt. Die erste urkundliche Erwähnung stammt aus dem Jahr 1388. Da entwickeln sich Traditionen, die zu berücksichtigen sind. 26.200 traditionsbewusste Menschen erwarten jedes Jahr von Bub hierüber Rechenschaft. Denn die Einwohner der Stadt und der 16 Ortschaften lieben ihren Wald. Überhaupt ist die Region mit einem Waldanteil von 49 % überdurchschnittlich grün.

Wald und Wild

Dass die sauerländische Stadt Brilon ihre Besucher mit dem Slogan „Stadt des Waldes“ begrüßt hat einen besonderen Grund. Brilon ist mit 7.700 ha die waldreichste Kommune im Bundesgebiet.   Am 18. Januar 2007 wurde es windig. Sehr windig. Ein Orkan wehte über Deutschland hinweg. Kyrill tobte sich aus. Tage vorher gab es schon Warnungen. Einige Tiefs gingen bereits über das Land und gaben einen Vorgeschmack. Kyrill jedoch war der Höhepunkt des sturmreichen Winters. Am Tag darauf zeigte sich seine zerstörerische Schaffenskraft. Vor allem wurde vielerorts die forstliche Arbeit etlicher Jahre zunichte gemacht. Hart getroffen hat es besonders Nordrhein-Westfalen und hier insbesondere die Wälder des Sauerlands. Dazu zählten unter anderem die Forstflächen des seit 2001 PEFC-zertifizierten Stadtforstbetriebs Brilons. [caption id="" align="alignnone" width="899"] Einer der größten Holzabnehmer ist die ortsansässige EGGER Holzwerkstoffe Brilon GmbH & Co. KG. Im August 2016 wurde in einem Gemeinschaftsprojekt zwischen EGGER und dem Stadtforstbetrieb der Ausbildungswald eröffnet. Auf einer Pflanzfläche am Rothaarsteig, sollen jetzt jedes Jahr die neuen Auszubildenden der Firma ihr eigenes Bäumchen pflanzen, damit der Ausbildungswald von nun an stetig wächst. Foto: Egger[/caption] Als es passierte, war Dr. Gerrit Bub gerade einmal einen Tag im Amt des Forstamtsleiters der Stadt Brilon. Gleich musste er als Krisenmanager agieren und 500.000 Fm gefallenes Holz abwickeln. Tatsächlich ist ein 7.741 ha großer Forstbetrieb, der unmittelbar nach dem ersten Diensttag um 1/7 dezimiert wird, nicht unbedingt das, was man erwartet. Einen anderen Einstieg ins Amt hätte Bub sicherlich nicht ausgeschlagen, sofern er hätte wählen können. Nur gab es eine solche Option nicht. Auch künftig wird es keine Ausweichalternative geben. Denn das Sagen wird weiterhin jemand anderes haben. Die Natur. Das weiß auch Bub. In den folgenden Jahren hat er das gleich mehrmals erfahren: So folgte auf Kyrill 2008 Emma. Xynthia windete 2010. 2011 wehte Andrea. Zwei Jahre später eilte Ela übers Land, und im Jahr darauf hatte Niklas seinen Auftritt. Im Grunde kann ein Sturm Forstmann Bub nicht mehr wirklich aus der Fassung bringen.

Natur und Mensch

  [caption id="" align="alignnone" width="900"] Der Orkan Kyrill warf im Januar 2007 500.000 Fm. Es entstanden knapp 1.000 ha Kahlflächen. Foto: Bub[/caption] Forstwirtschaft ist und bleibt ein Zusammenspiel zwischen Natur und Mensch. In diesem Zusammenhang verwendet Gerrit Bub das Wort Demut. Demut gegenüber der Natur, der Schöpfung zeigen, sagt er. „Es ist ein altes Wort, aber ich benutze es gerne“, so der studierte Forstwissenschaftler und Betriebswirt. Gehorsam ist nur ein Synonym für den Begriff Demut neben einigen weiteren. Aber Gehorsam trifft es irgendwie am ehesten. Auf die Natur hören. Bub und seine Mitarbeiter versuchen das. Hören und den Spagat in die moderne wirtschaftende Welt vollziehen.Vielleicht erzählt er, basierend auf dieser Überzeugung, auch deshalb so, als sei der Sturm das Normalste von der Welt, wenn er auf seine Anfangszeit in Brilon zurückblickt. Ein routinemäßiger Holzabnahmetermin irgendwo an der Waldstraße hätte genauso gut seine erste Amtshandlung sein können. Nur, so war es nicht, und das ist ihm auch nicht wichtig. Viel wichtiger erscheint es ihm, Erkenntnisse aus dem zu ziehen, was geschehen ist, und dann die entsprechenden Maßnahmen zu ergreifen. Dabei sei es wichtig, dass nicht allein Kalamitäten dazu anregen, sein Tun zu hinterfragen, sondern dass Selbstreflexion generell zum Tagesgeschäft gehört, sagt Bub. Sie dient der Überwachung der Strategie auf den Weg zu dem gesteckten Ziel. Und für Kurskorrekturen sollte man immer offen bleiben. Deshalb erscheint Bub die Summierung der Fm und Rm am Ende eines Jahres zu simpel, wobei sie in einem gewinnorientierten Betrieb wie Brilon Forst natürlich nicht ausbleiben kann. Dennoch geht es vordringlich darum, dem Naturraum und somit auch dem Menschen gerecht zu werden. Daher versteht Bub den verhehrenden Sturm zum Amtsantritt 2007 auch nicht mehr als großes Verlustereignis, sondern als Aufforderung. Gefordert in dem Sinne, dem Wald der Stadt Brilon ein neues Gesicht zu geben. Das gilt gleichermaßen für die damals anstehende Wiederbewaldung, immerhin gut 1.000 ha, als auch für den Umbau des alten Forstbestands. Eine spannende Aufgabe, wie er findet. Auch deshalb, weil hier in Brilon eine historische Note hinzukommt. Die erste urkundliche Erwähnung stammt aus dem Jahr 1388. Da entwickeln sich Traditionen, die zu berücksichtigen sind. 26.200 traditionsbewusste Menschen erwarten jedes Jahr von Bub hierüber Rechenschaft. Denn die Einwohner der Stadt und der 16 Ortschaften lieben ihren Wald. Überhaupt ist die Region mit einem Waldanteil von 49 % überdurchschnittlich grün.

Wald und Wild

[caption id="" align="alignnone" width="450"] Dr. Gerrit Bub kümmert sich mit 21 Mitarbeitern und drei Auszubildenden um den Briloner Stadtwald. Foto: Reinstorf[/caption] Da bedarf es diplomatischen Geschicks, um Veränderungen auf den Weg zu bringen. Doch die Sauerländer in Brilon sind konsensfähig. Auch wenn es manchmal hart kommt. Bub spricht von einem Paradigmenwechsel, der sich hier vollzieht. Darunter fällt die Fichte. Lange Zeit Baum des Sauerlands. Im Briloner Stadtwald hat sie derzeit einen Anteil von 55 %, insgesamt beanspruchen die Nadelbäume 61 % der Waldfläche. Mittlerweile steht der Dauerwald auf der Agenda. In der Betriebsvision heißt es: Aufbau eines zukunftsfähigen, standortgerechten, naturnahen, vitalen, stabilen und ökonomisch ertragreichen sowie ökologisch gesunden, vielfältig strukturierten Dauerwalds, der im Wandel des Klimas geringe Anfälligkeit gegenüber biotischen und abiotischen Gefährdungen aufweist. Insbesondere soll der Lauholzanteil um 10 % steigen. Doch bis dahin erforderte es ein hohes Maß an Aufklärungsarbeit auch bezüglich der Ökologie und Ökonomie, die sich nicht ausschließen. Dass sich Wald und Wild ebenso wenig ausschließen, ist auch in Brilon unbestritten. Nur sorgten die überhöhten Wildbestände für Debatten. Klar war, dass die Jagd im neu ausgerichteten Forstkonzept nicht ausgeklammert werden konnte. Klar war aber auch, dass hiermit ein sehr emotional behaftetes Thema auf die Tagesordnung der Briloner Ratsherren kam. Künftig sollte die Jagd, als traditionelles Geschäftsfeld, einen Wildbestand garantieren, der sich den nachhaltigen waldbaulichen Zielsetzungen anpasst. Schließlich wurde auf Grundlage der Statuten des Zertifizierers PEFC ein neues Jagdverpachtungsmodell erarbeitet. Hierin wird dem Wald eine Vorrangrolle gegenüber dem Wild eingeräumt. Ohne diesen Vertrag wären die vielen Kulturen und Umbaumaßnahmen einer zusätzlichen Gefahr ausgesetzt worden. Die vorgenommenen Maßnahmen bedeuten ebenso Verantwortung seinen Partnern gegenüber zu übernehmen. Hier im Wesentlichen die holzabnehmende Seite. 50.000 Fm beträgt der Jahreseinschlag (6,7 Efm/ha), der fast vollständig in der Region abgesetzt wird. Einer der größten Abnehmer siedelt gleich am östlichen Stadtrand. Die Firma Egger Holzwerkstoffe Brilon GmbH befindet sich dort. 1990 errichtete die österreichische Egger-Gruppe das Werk. Daneben wird die stadteigene Holzhackschnitzelheizung durch den Stadtforstbetrieb mit Waldrestholz beliefert. Auch geringe Anteile vom Buchen-Fichten-Industrieholz nimmt die Anlage auf. Insgesamt benötigt die Heizung je nach Witterungsverlauf ca. 3.000 bis 4.000 Fm Holz pro Jahr. Überhaupt hat der Stadtforstbetrieb Brilon Partnerschaft und Zusammenarbeit über die Jahre intensiviert. Die Stadt und die forstlichen Mitarbeiter sind bestrebt, alle Einwohner am Geschehen teilhaben zu lassen. So entstand der Bürgerwald (siehe Kasten) und vor Kurzem der Azubiwald. Die DLG-Waldtage sind noch einmal ein Schritt weiter. Erstmals vor zwei Jahren hier in Brilon veranstaltet, trifft man sich jetzt im September erneut. Bub ist vom Konzept angetan. Rein auf den Waldbesitz zugeschnitten, ohne politischen Hintergrund, Technik und Verfahren für den effizienten Privat- und Kommunalwald, ergänzt durch ein interessantes Forenprogramm.

Waldhauptstadt 2017

Dass hier in Brilon einiges rund um den Wald passiert, bleibt nicht unentdeckt. Nicht grundlos wurde man zur PEFC-Waldhauptstadt 2017 gekürt. In der Begründung von PEFC heißt es: Brilon überzeugte die Jury im Besonderen durch kontinuierliche Presse- und Aufklärungsarbeit über PEFC durch die Verantwortlichen vor Ort, die damit aktiv auf eine Bekanntheitssteigerung des Siegels auf regionaler und überregionaler Ebene hinarbeiten. Des Weiteren trugen die vielfältigen Ideen, mit denen Brilon 2017 seinen Titel „PEFC-Waldhauptstadt“ bekanntmachen wird, u. a. die Einbindung von PEFC auf den DLG-Waldtagen im September 2017, eine spezielle Aktion mit der Briloner „Waldfee“ anlässlich des AGDW-Waldbesitzerempfangs in Berlin oder PEFC-Informationsstationen in den viel bewanderten „Bürgerwäldern“, zur positiven Bewertung der Jury, die aus Mitgliedern von PEFC Deutschland bestand, bei. Eines weiß Dr. Gerrit Bub aber auch, dass es ohne seine engagierten Mitarbeiter, die die vielen Facetten des Stadtforstbetriebs Brilon mit Leben erfüllen, nicht geklappt hätte, den Titel ins Sauerland zu holen. Dr. Gerrit Bub kümmert sich mit 21 Mitarbeitern und drei Auszubildenden um den Briloner Stadtwald. Foto: Reinstorf

Da bedarf es diplomatischen Geschicks, um Veränderungen auf den Weg zu bringen. Doch die Sauerländer in Brilon sind konsensfähig. Auch wenn es manchmal hart kommt. Bub spricht von einem Paradigmenwechsel, der sich hier vollzieht. Darunter fällt die Fichte. Lange Zeit Baum des Sauerlands. Im Briloner Stadtwald hat sie derzeit einen Anteil von 55 %, insgesamt beanspruchen die Nadelbäume 61 % der Waldfläche. Mittlerweile steht der Dauerwald auf der Agenda. In der Betriebsvision heißt es: Aufbau eines zukunftsfähigen, standortgerechten, naturnahen, vitalen, stabilen und ökonomisch ertragreichen sowie ökologisch gesunden, vielfältig strukturierten Dauerwalds, der im Wandel des Klimas geringe Anfälligkeit gegenüber biotischen und abiotischen Gefährdungen aufweist. Insbesondere soll der Lauholzanteil um 10 % steigen. Doch bis dahin erforderte es ein hohes Maß an Aufklärungsarbeit auch bezüglich der Ökologie und Ökonomie, die sich nicht ausschließen. Dass sich Wald und Wild ebenso wenig ausschließen, ist auch in Brilon unbestritten. Nur sorgten die überhöhten Wildbestände für Debatten. Klar war, dass die Jagd im neu ausgerichteten Forstkonzept nicht ausgeklammert werden konnte. Klar war aber auch, dass hiermit ein sehr emotional behaftetes Thema auf die Tagesordnung der Briloner Ratsherren kam. Künftig sollte die Jagd, als traditionelles Geschäftsfeld, einen Wildbestand garantieren, der sich den nachhaltigen waldbaulichen Zielsetzungen anpasst. Schließlich wurde auf Grundlage der Statuten des Zertifizierers PEFC ein neues Jagdverpachtungsmodell erarbeitet. Hierin wird dem Wald eine Vorrangrolle gegenüber dem Wild eingeräumt. Ohne diesen Vertrag wären die vielen Kulturen und Umbaumaßnahmen einer zusätzlichen Gefahr ausgesetzt worden.

Die vorgenommenen Maßnahmen bedeuten ebenso Verantwortung seinen Partnern gegenüber zu übernehmen. Hier im Wesentlichen die holzabnehmende Seite. 50.000 Fm beträgt der Jahreseinschlag (6,7 Efm/ha), der fast vollständig in der Region abgesetzt wird. Einer der größten Abnehmer siedelt gleich am östlichen Stadtrand. Die Firma Egger Holzwerkstoffe Brilon GmbH befindet sich dort. 1990 errichtete die österreichische Egger-Gruppe das Werk. Daneben wird die stadteigene Holzhackschnitzelheizung durch den Stadtforstbetrieb mit Waldrestholz beliefert. Auch geringe Anteile vom Buchen-Fichten-Industrieholz nimmt die Anlage auf. Insgesamt benötigt die Heizung je nach Witterungsverlauf ca. 3.000 bis 4.000 Fm Holz pro Jahr.

Überhaupt hat der Stadtforstbetrieb Brilon Partnerschaft und Zusammenarbeit über die Jahre intensiviert. Die Stadt und die forstlichen Mitarbeiter sind bestrebt, alle Einwohner am Geschehen teilhaben zu lassen. So entstand der Bürgerwald (siehe Kasten) und vor Kurzem der Azubiwald.

Die DLG-Waldtage sind noch einmal ein Schritt weiter. Erstmals vor zwei Jahren hier in Brilon veranstaltet, trifft man sich jetzt im September erneut. Bub ist vom Konzept angetan. Rein auf den Waldbesitz zugeschnitten, ohne politischen Hintergrund, Technik und Verfahren für den effizienten Privat- und Kommunalwald, ergänzt durch ein interessantes Forenprogramm.

Waldhauptstadt 2017

Dass hier in Brilon einiges rund um den Wald passiert, bleibt nicht unentdeckt. Nicht grundlos wurde man zur PEFC-Waldhauptstadt 2017 gekürt. In der Begründung von PEFC heißt es: Brilon überzeugte die Jury im Besonderen durch kontinuierliche Presse- und Aufklärungsarbeit über PEFC durch die Verantwortlichen vor Ort, die damit aktiv auf eine Bekanntheitssteigerung des Siegels auf regionaler und überregionaler Ebene hinarbeiten.

Des Weiteren trugen die vielfältigen Ideen, mit denen Brilon 2017 seinen Titel „PEFC-Waldhauptstadt“ bekanntmachen wird, u. a. die Einbindung von PEFC auf den DLG-Waldtagen im September 2017, eine spezielle Aktion mit der Briloner „Waldfee“ anlässlich des AGDW-Waldbesitzerempfangs in Berlin oder PEFC-Informationsstationen in den viel bewanderten „Bürgerwäldern“, zur positiven Bewertung der Jury, die aus Mitgliedern von PEFC Deutschland bestand, bei.

Eines weiß Dr. Gerrit Bub aber auch, dass es ohne seine engagierten Mitarbeiter, die die vielen Facetten des Stadtforstbetriebs Brilon mit Leben erfüllen, nicht geklappt hätte, den Titel ins Sauerland zu holen.

Jochen Reinstorf

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