Holzverkauf und Holzpreise

Brexit trifft Großbritanniens Handel härter als den der EU

Bearbeitet von Marc Kubatta-Große

Der Brexit trifft das Vereinigte Königreich härter als die EU. Das geht aus den Zahlen zum gegenseitigen Handel hervor, die das ifo Institut ausgewertet hat. Demnach ist der Anteil der EU am Handel der Insel viel größer als umgekehrt.

Das Vereinigte Königreich wäre von einem No-Deal-Brexit viel härter betroffen als die EU „Beide Seiten verlieren beim Brexit, nur das Vereinigte Königreich eben deutlich mehr. Ein Handelsabkommen ab 1. Januar liegt im beiderseitigen Interesse“, sagt Lisandra Flach, die Leiterin des ifo Zentrums für Außenwirtschaft.

Großbritannien ist zu 50 % von der EU abhängig

Im Jahr 2019 wickelte Großbritannien 50 % seiner Importe und 47 % seiner Exporte mit der EU27 ab. Damit ist die EU der größte Markt für das Vereinigte Königreich. Für die EU27 hingegen ist die Insel wesentlich weniger wichtig: Im Jahr 2019 gingen nur 4 % der Exporte dorthin und 6 % kamen dorther.

Irland, Malt und Zypern wären am stärksten betroffen

Bei Produkten mit nur einem bis fünf Lieferanten, die also schwieriger zu ersetzen sind, ist das Bild ähnlich. Diese Produkte kommen für Großbritannien zu 64 % aus der EU. Für die meisten EU-Länder liegt der Anteil dieser Produkte von der Insel nur bei 2 – 7 %. Ausreißer nach oben sind Zypern mit 10 %, Malta mit 10 % und Irland mit 30 %. „In allen europäischen Ländern sind nur wenige Güter in hohem Maße von Importen aus dem Vereinigten Königreich abhängig. Daher wird der Anstieg der Handelskosten durch den Brexit für die Unternehmen in den EU27-Ländern eine wesentlich geringere Auswirkung haben als für die Unternehmen auf der Insel zu erwarten ist“, sagt Flach.

Deutschland kaum abhängig von Großbritannien

Deutschland bezieht nur neun Güter ausschließlich aus Großbritannien. Ihr Anteil am Wert der deutschen Gesamtimporte (in Euro) beträgt weniger als 0,001 %. Umgekehrt importiert die Insel 53 Güter ausschließlich aus Deutschland, von denen rund 77 % Zwischenprodukte sind.

All das schließt natürlich nicht aus, dass einzelne Firmen, auch im Forst- und Holzbereich, einen Großteil ihrer Geschäftstätigkeit mit Partnern in Großbritannien abwickeln. (Anm. d. Red.)

Wer mehr lesen möchte

Aufsatz: „Wie abhängig sind Deutschland und die EU vom Vereinigten Königreich? Produktabhängigkeiten und die Auswirkungen des Brexit“, von Lisandra Flach, Feodora Teti, Lena Wiest, Margherita Atzei und Lisa Scheckenhofer, in: ifo Schnelldienst 12/2020; nachzulesen unter https://www.ifo.de/node/60376

ifo/Red.