Brennholzfabrik

27. November 2021

Angeblich waren es ja Belgier, die den Intervallspalter erfunden haben. Also das Prinzip, nicht das Holz durch ein Spaltkreuz zu drücken, sondern das Spaltmesser immer wieder durch das Holz zu führen, während das durch den Spaltkanal geschoben wird. Diese Technik gewinnt immer mehr Freunde, jedoch sind Maschinen unserer westlichen Nachbarn bei uns bisher kaum verbreitet. Das Forstunternehmen Reith hat sich jetzt eine Anlage von Rabaud aus Frankreich geleistet.

Nach zehn Jahren bei Wind und Wetter am alten Sägespalter freut sich Reinhold Johne über seinen komfortablen Bildschirm-Arbeitsplatz
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Reinhold Johne macht einen recht glücklichen Eindruck. Nach über zehn Jahren bei Wind und Wetter am bisherigen Sägespalter darf er die neue Brennholzanlage des Forstunternehmens Reith aus einer schallgedämmten und beheizten Kabine bedienen. Das ist ein regelrechter Bildschirmarbeitsplatz mit einem ergonomischen Sessel und einem Touchscreen-Bedienpult. Die allermeisten Steuerungsfunktionen hat er von hier aus sowohl im Blick – nicht zuletzt dank einer Reihe von Kameras – als auch im Griff. Das beginnt beim doppelten Querförderer und endet beim schwenkbaren Austragsband.

Nur zum Verstellen der gewünschten Scheitlänge muss Julian Reith den Bedienstand noch verlassen
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Lediglich zur Verstellung der Scheitlänge – 25 bis 50 cm sind stufenlos möglich – muss man die Kommandozentrale noch verlassen. Bei einem Intervallspalter muss dafür ja der komplette Spaltkanal breiter oder schmäler werden sowie der Messervorschub sich jeweils der Sortimentslänge anpassen. Die Hebel für die zuständigen Hydraulikzylinder hat Rabaud auf der Rückseite der großen Maschine versteckt. Natürlich gibt es ab und an auch mal eine Störung, aber diese sind verschwindend gering im Vergleich zu einem herkömmlichen Sägespalter. Querlieger sind quasi ausgeschlossen, weil die abgetrennte Rolle von der Säge nicht herunterfällt, sondern mit einem Schieber in den Spaltkanal befördert wird. Unförmige Reststücke lassen sich über eine Abwurfklappe an dieser Stelle schon aussondern.

Kapazität

Der Rabaud Xylog 800 bewältigt bis zu 80 cm starke Stämme. Das ist auch beim Forstunternehmen Reith in der Nähe von Würzburg kein alltäglicher Durchmesser, kommt aber durchaus vor. Insofern wäre eine Vario-Anlage von Posch dem Unternehmen mit einer Obergrenze von 65 cm zuwenig gewesen. In dieser Region gibt es leider in der jüngsten Zeit auch ziemlich viel abgängige Starkbuchen, die sonst nur schwer abzusetzen ist. Die X-Power-Spalter von Growi schaffen bis zu einem Meter, aber Reith hatte vorher schon einige Zeit eine Scheitreinigung und eine Verpackungsmaschine von Rabaud im Einsatz und war mit deren Konzeption und Qualität sehr zufrieden.

Im Unterschied zu den vorgenannten arbeitet der Xylog-Spalter nicht mit einem X-Messer, sondern die Spaltklingen sind in einem großen „V“ angeordnet. Der Hersteller argumentiert damit, dass bei dieser Konfiguration kein Druck nach unten auf das Transportband entsteht, wenn das Holz durch die Messer zerteilt und damit auseinandergedrückt wird. Die gleiche Messeranordnung verwendet auch S&Ü. Das Produktionsergebnis ist aber in allen Fällen gleich: Die Apparate spucken Unmengen von gleichmäßig geformten Scheiten aus, mit einem erfreulich geringen Anteil an Bruchholz. Das mit 70 cm extrem breite Rabaud-Abförderband ist bei starkem Ausgangsmaterial voll ausgelastet. Es besitzt einen Schwenkmechanismus auf Rädern, damit die Box gleichmäßig voll wird. Mit einem Radius von 6 m ließen sich auch zwei Container parallel befüllen.

Bei Reith hatte man ursprünglich darauf spekuliert, dass für schwächeres Holz vielleicht sogar der alte, konventionelle Sägespalter im Einsatz bleiben würde. Bis zu Durchmessern von 2 bis 30 cm arbeiten solche Geräte prinzipiell schneller als Intervallspalter. Aber abgesehen davon, dass dafür natürlich auch nochmal Bedienpersonal notwendig wäre – selbst mit dem vergleichsweise „geruhsamen“ Takt des Xylog hat Johne nach seiner Erfahrung am Ende des Tages auch bei schwächerem Holz mehr Durchsatz, weil es eben kaum Störungen gibt und er die Anlage sogar eine Zeit lang im vollautomatischen Modus betreiben kann, während er beispielsweise die Box mit dem fertigen Scheiten leerfährt oder den Querförderer wieder bestückt. Dafür gibt es an der Anlage eine Reihe von Sensoren, die etwa das Spaltaggregat stoppen, wenn von der Sägeeinheit gerade nicht genug Material nachkommt.

Der Spalter spuckt Unmengen gleichmäßiger Scheite aus
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Wirtschaftlichkeit

Wie viel Holz wirklich durch die Maschine geht, wird im Spaltkanal über einen Laser erfasst, als „kontinuierliches Sektionsraummaß“ sozusagen. Das ist als Kontrollmaß in Ordnung, aber Reith würde sich auch noch eine Festmaß-Erfassung vor der Verarbeitung wünschen. Dafür fehlt bei Rabaud bisher aber die Möglichkeit, die Gesamtlänge des aufgelegten Stammes zu ermitteln.

Wenn wir schon bei den Verbesserungsvorschlägen sind: Eine regelrechte Stammvereinzelung gibt es am Querförderer nicht. Der zweite Teil des Förderers besitzt eine leichte Steigung. Dadurch vereinzeln sich die Stämme auch ziemlich gut, aber nicht zu 100 %. Sehr schön ausgeführt ist dagegen wieder die Späneabsaugung. Sie verfügt über einen ausgewachsenen Zyklonabscheider, der die Späne des 1,13 m langen Harvesterschwerts in der Spänebox nahezu staubfrei zu Boden rieseln lässt. Falls auch mal größere Rindenstücke oder Ästchen mit angesaugt werden, gibt es sogar einen eigenen Vorfilter, der grobe Brocken vorher abfängt.

Pfiffig gelöst: Dessen Deckel verschließt sich einfach durch den Unterdruck im System. Schaltet man die Anlage aus, klappt er auf und die Störstoffe fallen in eine Schubkarre. So viel angetriebene Komponenten brauchen natürlich allerhand Energie. Obwohl die beiden Spaltmesser „nur“ jeweils mit 16 t drücken, empfiehlt der Hersteller eine Anschlussleistung von 240 A. Das gab das nahestehende Trafohäuschen gar nicht her, insofern ist die Anlage hier nur mit 160 A abgesichert. Nach den bisherigen Erfahrungen des Betreibers reicht das aber völlig aus.

Nach den ersten Wochen liegt der Stromverbrauch der Anlage im Durchschnitt bei 28 kW/h pro Betriebsstunde. Bei einer Produktionsmenge von 15 Srm/h ergibt sich daraus ein Stromverbrauch von rund 1,8 kW/h pro Srm.

Kundenorientierung

Das fertige Produkt. Die formstabil gewickelten Paletten sind der Renner im Verkauf, weil man sie so gut manipulieren kann.
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Mit der Umstellung auf das neue Spaltprinzip bekam das Unternehmen Reith zunächst auch die üblichen Akzeptanz-Wehwechen bei der Kundschaft zu spüren: Manche argwöhnten nach dem Aufsetzen in der Holzlege eine Fehlmenge, andere hatten Probleme bei der Durchlüftung des Stapels. Beides resultiert aus dem hohen Anteil ebenmäßig-quadratischer Scheitquerschnitte, mit denen man schier eine massive Holzwand ohne Zwischenräume erreichen kann. Um hier gegenzusteuern, hat das Unternehmen eigens einen Infoflyer produziert.

Weitere Bilder sowie einen kurzen Film zu dieser Anlage finden Sie in der Digitalausgabe der Forst & Technik oder unter www.forstpraxis.de/rabaud-xylog-800-reith.