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Walter Wittmann mit den intelligenten Säcken für Brennholz. Gut zu sehen sind die doppelten Schlaufen. Foto: A. Friedrich

Brennholz vom Mechaniker

Gscheite Ideen kommen oft von außerhalb. Frei von branchenblindem Denken liefern manche Tüftler Anregungen, die eine Berufsgruppe braucht. So kann man den „Woodbag“ sehen, den der Niederösterreicher Walter Wittmann auf der Interforst zeigte.Walter Wittmann ärgerte sich darüber, dass ihm niemand das Scheitholz für seinen Haushalt passend liefern konnte. Entweder stimmte die Feuchtigkeit nicht, oder der Lieferant kippte die Ware einfach in die Einfahrt, die dann tagelang unpassierbar war. Zudem konnte man nie sicher sein, ob die verrechnete Menge tatsächlich mit der gelieferten übereinstimmte. Dazu treiben sich in Ost-Österreich immer wieder Händler herum, die Weichholz unter die Buche mischen und die Unwissenheit der Verbraucher ausnutzen. Als Mann der Tat sann Wittmann aber nicht auf Rache, sondern wollte Abhilfe schaffen. Als Lösung des Problems sah er einen Großsack, mit dessen Hilfe er in Zukunft auch selbst Brennholz produzieren will.Als Branchenfremder hat er natürlich Lehrgeld bezahlt. Der aktuelle Sack ist schon die zehnte Version. „Die hält und wird nur noch in Kleinigkeiten verbessert“, erläutert der Eigentümer einer Autowerkstatt und eines großen Reifenhandelbetriebes. Das Grundmaterial ist fest gewebtes Polypropylen. Die Faser selbst ist deutlich über die Anforderungen der Norm gegen UV-Strahlung imprägniert. So ist gewährleistet, dass der Sack im Freien und in praller Sonne länger als eine Saison hält. Die Seitenlängen orientieren sich an der Europalette, das Gewebe ist so stabil, dass es beim Befüllen nur wenig ausrundet. Somit kann jeder Erzeuger mit dem Palettenmaß beim Stellplatzbedarf kalkulieren – im Gegensatz zu anderen Produkten wie loser Wickelfolie oder ähnlichem. Das Material ist sehr reißfest, selbst einen Schnitt mit einem Messer kann man kaum mit Handkraft erweitern.Ein Sack ohne Schlaufen ist gar nichts, mit vier Schlaufen nur wenig besser. Wittmann verkauft seine Säcke mit insgesamt zehn Schlaufen. An den Ecken der offenen Seite sind jeweils eine kurze und eine lange Schlaufe eingenäht. Sie ziehen sich über zwei Drittel der Seitenlänge hinunter. Aus Sicherheitsgründen trägt jede einzelne Schlaufe das Gewicht des vollen Sackes. Beim Befüllen hängt der Woodbag an den kurzen Schlaufen, zum Abtransport nutzt man dagegen die langen. Auf diese Weise muss der volle Sack nicht für den Transport aus der Befüllhalterung genommen und in die Transportmaschine umgehängt werden. Dabei entstehen immer wieder gefährliche Situationen. „Die Modifikation kostet fast nix, ist aber eine geniale Arbeitserleichterung“, stellt der Tüftler fest. Zwei weitere Schlaufen sind an der Unterseite eingenäht. Sie dienen dazu, den Sack mit der Palettengabel beim Kunden zu entleeren, wenn er eine lose Schüttung bevorzugt.Am Sack lässt Wittmann eine DIN A4-Tasche anbringen, in der auf einem Blatt Papier die Details der Lieferung vermerkt werden können. Er selbst fügt eine Information zum Holz bei. Auf dem dicht bedruckten Blatt beantwortet er viele Fragen, die aus fachfremden Kreisen immer wieder an ihn herangetragen werden. „Aufklärung ist wichtig, denn kaum ein Stadtmensch hat noch Bezug zum Holz.“ Und so verkauft er mittlerweile jährlich deutlich über 2 000 Rm Brennholz an einen Kundenstock, der fast 2 000 Adressen umfasst. Er könnte auch von diesem Betriebszweig alleine leben, denn er erzeugt das Holz sehr rationell. Großforstbetriebe liefern die 4 m lange Ware zu, die auf zwei Posch-Spaltern aufgeteilt und je nach Bedarf als 25er-, 33er- oder 50er-Scheite in die Bags fallen. Von November bis März produzieren vier Mann täglich rund 80 bis 100 Rm. Als Regenschutz kommt auf jeden Bag eine passend geschnittene Silofolie als Deckel. „An ungünstigen Plätzen kann es bei Freilandlagerung schon mal zum Verstocken der inneren Schichten im Sack kommen. Eine Folie verhindert das“, erläutert Wittmann den Grund für diese Maßnahme. Das waldfrische Holz ist bis Juni/Juli auf rund 20 % abgetrocknet und somit brennfertig.Wittmann liefert auf selbst konstruierten Anhängern mit dem Geländewagen aus. Um die Säcke zu verladen, hängt er sie an eine Elektrowinde, die an einem Stahlträger verfahrbar ist und den Bag ohne Mühe und Staplerunterstützung beim Kunden abstellt. Auf Wunsch bringt der Fahrer den gefüllten Sack mit einem Geländehubwagen auch bis zur endgültigen Lagerstelle beim Kunden.Der Unternehmer versendet seine Erfindung stück- oder palettenweise in alle Welt, weil er Nachahmer nicht fürchtet. „Mein Sack ist so intelligent gemacht, dass eine Kopie viel zu teuer käme. Besser ist es, ihn bei mir zu erstehen.“ Viele deutsche Brennholzerzeuger haben die Vorteile des Sackes erkannt und ordern ihren gesamten Bedarf bei Wittmann. Er liefert ihnen auch Ideen, wie sie ihre Kosten senken können. So schlägt er vor, je nach Größe des Betriebes mit Pfand für die Bags zu arbeiten. „Bis zu etwa 1 000 Säcken Jahresumsatz hilft der Pfand beim Rücklauf und zur Erhaltung der Kundenbindung. Wird das Geschäft größer, steigt der Verwaltungsaufwand so stark, dass die geleerten Säcke nur noch auf freiwilliger Basis zurückgenommen werden sollten.“www.brennholz.at

Anton Friedrich
Walter Wittmann mit den intelligenten Säcken für Brennholz. Gut zu sehen sind die doppelten Schlaufen. Foto: A. Friedrich Stapeln ist kein Problem. Hier deutlich zu sehen die Doppelschlaufen an jeder Ecke des Sackes. Foto: A. Friedrich Das bekommt der Kunde: Sack vom Hänger heben und mit dem Geländestapler an den Lagerort bringen. Foto: A. Friedrich

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