Ausbildung Forstpolitik

Brauchen wir das?

Bearbeitet von Rainer Soppa

Wieder einmal entbrennt eine Diskussion um Peter Wohlleben und seine Ideologien. Diesmal ist es ein geplanter, neuer Studiengang an der Hochschule für nachhaltige Entwicklung Eberswalde (HNEE). Das Verlagshaus Gruner und Jahr, Hamburg, überlegt hierfür zwei Professuren zu finanzieren.

Im Fachbereich für Wald und Umwelt wurde dem Fachbereichsrat von den Professoren Tobias Cremer, Dekan des Fachbereichs Wald und Umwelt, und Pierre Ibisch, Naturschutz, ein bereits sehr weit vorformulierter Antrag zur Beschlussfassung vorgelegt (der Entwurf liegt der Redaktion vor). Hierbei geht es um die Entwicklung eines neuen Bachelorstudiengangs „Ökologische Waldbewirtschaftung“ (BSc.) auf Grundlage von zwei neuen Stiftungsprofessuren am Fachbereich Wald und Umwelt.

In Summe seien von verschiedenen Geldgebern Gelder in Höhe von ca. 2 Mio. € für fünf Jahre weitgehend gesichert, die an die HNEE vergeben werden könnten. Mehrere große Stiftungen haben ihr Interesse bekundet, das Projekt finanziell zu unterstützen. Ganz früh hat sich die Umweltstiftung Greenpeace bereit erklärt, sich für den Studiengang zu engagieren und bereits eine erste Stelle unter anderem für die Konzeption des neuen Curriculums ermöglicht.

Bereits im Dezember vergangenen Jahres fand zu den Ideen bezüglich eines neuen Studiengangs ein Gespräch mit Peter Wohlleben, Vertretern von Wohllebens Waldakademie und der GEO-Redaktion statt. Im Januar sprach der Präsident der HNEE, Prof. Dr. Dr. h.c. Wilhelm-Günther Vahrson in Potsdam mit der Ministerin für Wissenschaft, Forschung und Kultur des Landes Brandenburg, Manja Schüle, und dem Minister für Landwirtschaft, Umwelt und Klimaschutz, Axel Vogel. In den Gesprächen ging es u. a. um die Einrichtung des vorgeschlagenen Studiengangs und die damit verbundenen Stiftungsprofessuren. An diesen Gesprächen beteiligt bzw. darüber informiert waren im Fachbereich lediglich der Dekan Prof. Dr. Cremer und Prof. Dr. Ibisch.

Gegen dies Pläne gibt es erhebliche Widerstände – auch aus den Reihen der Professorinnen und Professoren der HNEE. Deren Widerstand richtet sich in erster Linie gegen die Art und Weise des Vorgehens, aber auch gegen die Polarisierung. 13 von 19 Professoren aus dem Fachbereich Wald und Umwelt haben sich in einer Stellungnahme deutlich geäußert. Eine derart weitreichende und richtungweisende Entscheidung müsse nach ihrer  Einschätzung im Kollegenkreis ausreichend beraten werden können, um die möglichen Konsequenzen für den Fachbereich und die bereits bestehenden Studiengänge sowie Auswirkungen auf bestehende Kooperationen abschätzen zu können. Auch insbesondere hinsichtlich der inhaltlichen Ausrichtung bestünde aus Sicht der Unterzeichner erheblicher Diskussionsbedarf. Anstatt Polarisierung wäre ein integrativer Ansatz für eine fundierte Ausbildung wünschenswert.

G+J rudert zurück

Nach dem Widerstand der Professoren aus dem Bereich Wald und Umwelt in Eberswalde heißt es in einer Pressemitteilung von Gruner und Jahr (G+J) vom 19. Februar, der Standort für den Studiengang sei noch offen.

Ernstgemeint oder PR

Mir persönlich stellt sich die Frage nach dem Hintergrund der „Wohltätigkeit“ des Verlags, in dem unter vielen anderen Zeitschriften auch das neue Naturmagazin „Wohllebens Welt“ erscheint. Ich weiß nicht, wo der tiefe Hass zwischen Peter Wohlleben, der wie er selber sagt mehr oder weniger zufällig „Forstwirtschaft“ studiert hat, und seinen ehemaligen Kommilitonen herrührt.

Peter Wohlleben: „Dem Wald geht es schlecht. Doch die Antwort vieler Förster*innen ist ein ‚Weiter so!‘ – kein Wunder, basiert doch die bisherige Ausbildung vor allem auf der klassischen Plantagenwirtschaft. Und so wechselt man höchstens die Baumarten, nicht aber das System.“

Eins ist auch in dieser Auseinandersetzung sicher: Sie ist unnötig wie ein Kropf! Ganz viele Forderungen von Wohlleben sind längst selbstverständlich in der Forstwirtschaft angekommen. Bereits in meiner Ausbildung vor knapp 40 Jahren waren „Monokulturen“ tabu. Schon seit 30 Jahren gibt es zum Beispiel in Niedersachsen die langfristige ökologische Waldentwicklung (LÖWE). Und selbstverständlich sind Bäume Lebewesen, die auch untereinander kommunizieren, aber eben nicht auf menschlicher Ebene.

Allen Waldbesitzern, Förster und Forstunternehmern sowie dem gesamten Cluster Forst & Holz liegt der Wald als Naturschöpfung, Arbeitgeber und Geldquelle am Herzen. An all diesen Gründen ist nichts verwerflich – im Gegenteil. Und ja, es gibt schwarze Schafe. Die gibt es überall. Gerade aber die Vielfalt der Meinungen und Handlungsweisen der Akteure sichert auch die Vielfalt im Wald. Einen Studiengang als Werbung für die eigenen Zeitschriften und Bücher zu installieren, halte ich hingegen für ziemlich fragwürdig.

Rainer Soppa