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Brandenburg: Eichenprozessionsspinner und Nonne werden bekämpft

Brandenburg: Eichenprozessionsspinner und Nonne werden bekämpft

In Brandenburg sind sowohl Eichen- als auch Kiefernwälder von Kahlfraß bedroht. Für 4919 ha Kiefernwald wurden Bestandsschäden durch die Nonne prognostiziert. Auf 812 ha muss der Eichenprozessionsspinner bekämpft werden. Zur Rettung der Waldbestände und gleichzeitig wegen der vom Eichenprozessionsspinner ausgehenden Gesundheitsgefährdung ist auf einer Gesamtfläche von 5.731 ha die Ausbringung von Insektiziden mit Hubschraubern im Wald erforderlich. Betroffen ist damit ein halbes Prozent der heimischen Wälder.

Der Eichenprozessionsspinner hat sich in den vergangenen Jahren zu einem bedeutenden Schadinsekt entwickelt. Mehrmaliger Fraß der Raupen kann Eichen zum Absterben bringen. Daneben ist die Gesundheitsgefährdung für Mensch und Tier durch die giftigen Raupenhaare hoch. Um möglichst geringe Auswirkungen auf den Naturhaushalt in Kauf nehmen zu müssen, ist für die Bekämpfung der Raupen des Eichenprozessionsspinners das Bakterienpräparat (Dipel ES) vorgesehen. Dafür musste bei Bundesbehörden eine Ausnahmegenehmigung beantragt werden. 812 ha Wald sollen zur Rettung der Eichen behandelt werden. Die Bekämpfung schützt auch Anwohner, Waldbesucher sowie am und im Wald Tätige vor den Auswirkungen der giftigen Raupenhaare.

Raupen der Nonne müssen auf insgesamt 4.919 ha Kiefernwald bekämpft werden. Da die Kiefern auf 418 ha wegen der Fraßschäden aus den Vorjahren nur noch wenig Nadeln besitzen, wird hier ein Kontaktinsektizid (Karate Forst flüssig) eingesetzt. Auf der größeren Fläche (4.486 ha) kommt ein selektiv wirkender Häutungshemmer (Dimilin) zum Einsatz.

Für alle Insektizide bestehen strenge Auflagen. Während der Befliegung dürfen die gekennzeichneten Gebiete nicht betreten werden. Das Betretungsverbot gilt je nach Mittel bis zu 48 Stunden nach der Ausbringung weiter. Zum Zeitpunkt des Fluges vorhandene Pilze und Waldfrüchte dürfen nicht verzehrt werden.

Überwachung der Forstschädlinge

Für die Überwachung der Forstschädlinge gibt es standardisierte Verfahren, mit denen eine zuverlässige Prognose möglich ist. So locken Fallen mit künstlichen Sexuallockstoffen der Nonne deren Männchen an. Eine beginnende Gefährdung ist so zeitig zu erkennen. Das in Kiefernwäldern mit ungefähr 1.000 Fallen ausgestattete landesweite Warnnetz hat bereits im Sommer 2010 auf die Gefahr aufmerksam gemacht. In den als gefährdet ermittelten Waldgebieten haben die Revierförster und Waldarbeiter im Sommer 2011 die Weibchenzahlen an Probebäumen erfasst. So konnte bestimmt werden, wo in diesem Jahr eine unmittelbare Gefahr für den Wald besteht. In 489 Beständen wurden im Winter an ausgewählten Bäumen unter der Rinde Ei-Suchen durchgeführt. Anhand der Eizahlen kann der Umfang der Gegenmaßnahmen geklärt werden.

Eine Kartierung der Fraßschäden des Eichenprozessionsspinners wird seit 2008 in jedem Sommer durchgeführt, um gefährdete Wälder zu erfassen und Probepunkte für Eisuchen im Winter festzulegen. Damit ist eine Prognose für das Folgejahr möglich. 2011 ergab die Kartierung schon etwa 4.000 Hektar Befallsfläche in Brandenburg. Im Winter werden in den Spitzen der Baumkronen Eigelege-Zählungen durchgeführt. Dafür müssen Eichenzweige mit Hebebühnen, durch Probefällungen oder beim Wintereinschlag gewonnen werden. Im Labor werden dann die Schlupfrate der Eiräupchen und damit die Vitalität der Eier ermittelt.

Landeskompetenzzentrum Forst Eberswalde koordiniert

Das gesamte Monitoringverfahren zum Waldschutz wird für alle Waldbesitzarten im Gesamtwald des Landes Brandenburg unentgeltlich durchgeführt und durch die Waldschutzfachleute vom Landeskompetenzzentrum Forst Eberswalde begleitet.

Mit der Entscheidung über die erforderlichen Bekämpfungsmaßnahmen sind durch die zuständigen Oberförstereien umfangreiche Vorarbeiten zu erledigen. Die zu bekämpfende Flächen müssen auf Karten genau abgegrenzt werden. Über die Landkreise wurden bei den unteren Naturschutzbehörden und bei den unteren Wasserbehörden die nötigen Anträge gestellt. Für die an Bekämpfungsgebiete angrenzenden Landwirtschaftsflächen mussten bei den Nutzern Einverständniserklärungen eingeholt werden. Alle Waldbesitzer wurden über die Bekämpfungsmaßnahmen informiert und konnten dazu Stellung nehmen. Sie werden – wie im Waldgesetz festgelegt – die Kosten der Bekämpfung für ihren Wald tragen müssen. Auch alle im Bekämpfungsgebiet liegenden Gemeinden mussten informiert werden. Unmittelbar vor Beginn der Bekämpfung ist die Bevölkerung über die örtliche Presse und Bekanntmachungen zu informieren.

Wichtig ist die Berücksichtigung von Abstandsflächen zu Siedlungen und Gewässern, die von der Befliegung ausgenommen werden. Außerdem müssen Flughindernisse wie Windparks, Naturschutz- und Wasserschutzgebiete, in denen der Pflanzenschutzmitteleinsatz verboten ist, berücksichtigt werden. Zu den letzten Arbeiten gehören die Vorbereitung der erforderlichen Wald- und Straßensperrungen.

MIL Brandenburg

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