Waldbau

Brandenburg: Breite Beteiligung an Online-Agroforstfachtagung

Ackerbau und Forstwirtschaft auf einer Anbaufläche – diese Verbindung in der Landwirtschaft übernehmen aktuell unter dem Namen Agroforst mehr und mehr Betriebe. Auf einer großen Online-Tagung diskutierten am 15. Dezember 2020 etwa 100 Expertinnen und Experten aus Praxis, Wissenschaft, Politik und Verwaltung die Möglichkeiten, um Agroforstwirtschaft weiter auszubauen, Fördermöglichkeiten zu schaffen und damit nachhaltig die Verbindung von Landwirtschaft und Klimaschutz zu stärken. Brandenburgs Agrarstaatssekretärin Silvia Bender eröffnete die Tagung.

„Gemeinsam haben wir uns in Brandenburg auf den Weg gemacht, um die Vorteile von Agroforstsystemen für unser Land zu nutzen. Mit Erfolg“, erklärte Bender, „die Umweltwirkungen von Agroforstsystemen sind vielfältig: Neben einem aktiven Beitrag zur CO₂- Minderung durch die Bindung von Kohlenstoff im Gehölz, bieten sie einen Schutz vor Bodenerosion, reduzieren den Stoffaustrag in Grund- und Oberflächenwasser und stärken die Biodiversität. Die Agroforstwirtschaft trägt außerdem zu einer strukturellen Aufwertung von Agrarlandschaften bei und wird auch im europäischen Green Deal der EU-Kommission als ein nachhaltiges Landnutzungsverfahren bezeichnet. Aufgrund der vielfältigen Umweltwirkungen von Agroforstsystemen wird Brandenburg sich für eine Förderung in der kommenden EU-Förderperiode stark machen.“

Austausch über Förderung von agroforstlichen Umweltleistungen

Auf der Fachtagung diskutieren Expertinnen und Experten aus Landwirtschaft, Naturschutz, Wissenschaft, Politik und Verwaltung sowie dem Fachverband für Agroforstwirtschaft (DeFAF) e. V. das Konzept für die Einführung einer Förderung von Agroforstflächen als Agrarumwelt- und Klimamaßnahme im Rahmen des Kulturlandschaftsprogramms (KULAP) des Landes Brandenburg. Daneben präsentierten am Vormittag bereits Fachleute in Impulsvorträgen die Umweltwirkungen von Agroforstsystemen, die Möglichkeiten von Umsetzung und Kontrolle von Agroforstsystemen in der kommenden Förderperiode und gaben erste Einblicke in das bereits angelaufene Folgeprojekt zur Konzeptumsetzung.

„Mit Agroforstsystemen können vielfältige positive Umweltwirkungen erzielt werden. Auf der Fachtagung zu Agroforstwirtschaft fand erstmalig ein breiter Austausch zu einer möglichen Förderung von agroforstlichen Umweltleistungen unter Einbeziehung der ministerialen Ebene statt. Dies ist ein wichtiger Schritt, damit Agroforstsysteme künftig verstärkt in der Praxis umgesetzt werden und unsere Agrarlandschaft bereichern können“, so Dr. Christian Böhm, Vorstandsvorsitzender der DeFAF e. V. im Rahmen der Tagung.

Einblick in praktische Erfahrungen

Im Mittelpunkt der Tagung steht der Einblick in die praktischen Erfahrungen. Neben Vertreterinnen und Vertretern des Landesbauernverbandes und des Naturschutzbundes Brandenburg (NABU) schilderten der Projektleiter des Konzeptes, der Landwirt und Geschäftsführer des Gemischtbetriebs Domin, Thomas Domin, sowie der Geschäftsführer des Beyond-Farming-Betriebs Gut & Bösel, Benedikt Bösel, Erkenntnisse aus der Praxis der Agroforstwirtschaft.

Am Nachmittag diskutierte Umwelt-Agrarstaatssekretärin Bender außerdem mit Dr. Böhm, Wolfgang Roick, dem Vorsitzenden des Ausschusses für Landwirtschaft, Umwelt und Klimaschutz im Brandenburger Landtag, und Dr. Andreas Christian Täuber vom Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft über die Bedeutung von Agroforstsystemen in der zukünftigen Gemeinsamen Agrarpolitik (GAP).

Aus Sicht von Staatssekretärin Bender müssen neben der Farm-to-Fork-Strategie auch der europäische Green Deal sowie die Biodiversitätsstrategie in der Gemeinsamen Agrarpolitik stärker berücksichtigt werden: „Es braucht von Seiten der EU die Rahmenbedingungen, um den EU-Mitgliedsstaaten die Möglichkeit zu geben, mehr Artenschutz, eine klimaresiliente Landwirtschaft und eine Stabilisierung der landwirtschaftlichen Betriebe auf nationaler und letztlich auf regionaler Ebene umzusetzen. Besonders für den Schutz der Artenvielfalt, den Klima- und den Umweltschutz bietet die Agroforstwirtschaft Chancen.“

Quelle: MLUK