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Kernthemen der deutschen Holzindustrie

Johannes Schwörer, Präsident des Hauptverbandes der Deutschen Holzindustrie (HDH), ist anlässlich der Jahres-Wirtschafts-Pressekonferenz des Verbandes am 8. September 2011 in Stuttgart unter anderem auf die Preissteigerungen durch ein künstlich verknapptes Rundholzangebot sowie auf den Fachkräftemangel in der Branche eingegangen.

Preise steigen durch künstlich verknapptes Holzangebot

Derzeit machen die kontinuierlich steigenden Holzpreise unseren Unternehmen das Leben besonders schwer. Alleine im Jahr 2010 ist der Preis für Schnittholz um 19 % gestiegen und bis Juni 2011 nochmals um weitere 8,5 %. Es sind weitere Preiserhöhungen angekündigt. Diese Preissteigerungen kommen hauptsächlich deshalb zustande, weil die Waldbesitzer das Angebot künstlich knapp halten. 2010 wurden lediglich 54,4 Mio. Fm eingeschlagen – 8,5 % weniger als im Durchschnitt der vergangenen sieben Jahre. 2011 wird dies nicht großartig anders aussehen. Dabei wächst derzeit in Deutschland viel mehr nach als eingeschlagen wird. Pro Jahr nimmt der Waldbestand um 95 Mio. Fm zu, wovon jedoch nur etwa die Hälfte geerntet wird. Daher ist auch die zunehmende Tendenz der Bundesländer unverständlich, Waldflächen aus der wirtschaftlichen Nutzung zu nehmen, weil dadurch das Angebot ohne Not noch weiter verknappt wird. Es ist genug heimisches Holz vorhanden. Es verstärkt zu nutzen, wäre für Umwelt und Industrie mehr als sinnvoll.
 
Forderung: Keine weitere Verknappung des Rundholzangebots

Zusätzlich zur künstlichen Verknappung werden die Energie- und Klimaschutzziele der Bundesregierung absehbar zu einem verstärkten Einsatz von Biomasse zur Verstromung führen und damit den Konkurrenzkampf um den Rohstoff Holz tendenziell weiter verschärfen. Für uns ist klar: die stoffliche Nutzung von Holz muss ganz deutlich Vorrang haben. Eine Verbrennung des Holzes darf erst nach einer Kaskadenutzung erfolgen. Die Politik auf allen Ebenen darf nicht zulassen, dass der Holzindustrie der Rohstoff entzogen wird. Es geht im Gegenteil darum, zukünftig mehr Holz für die wirtschaftliche Nutzung zur Verfügung zu stellen. Denn jüngere Berechnungen der Universität Hamburg haben gezeigt, dass das Holzpotenzial bis zum Jahr 2020 europaweit deutlich gesteigert werden muss, um die Vorgaben einer Reduzierung der CO2-Emissionen um 20 % zu erreichen. Hier geht es also um die Mobilisierung zusätzlicher Mengen und nicht um eine weitere Verknappung des Angebots.
 
Demografischer Wandel jetzt Branchen-Kernthema

Die demografische Entwicklung macht auch vor der deutschen Holzindustrie nicht halt. Der Branchennachwuchs reicht derzeit nicht aus. Das bedeutet: Wenn die Unternehmen jetzt nicht umsteuern, ist ein dramatischer Fachkräftemangel absehbar. Der HDH will dem entgegenwirken und bearbeitet dieses wichtige Branchenthema erstmals gemeinsam mit der IG Metall. Hierbei setzt sich der HDH drei Ziele:
 
• Mehr Nachwuchs gewinnen und jungen Menschen eine attraktive Ausbildung rund um den natürlichen Werkstoff Holz anbieten. Darüber hinaus fordert der HDH für Unternehmen mit hohem Montageanteil ein neues Berufsbild. Etwa 1.400 neue Stellen könnten geschaffen werden, wenn die Betriebe im Innenausbau, Ladenbau und im Fertigbau auf ihre Bedürfnisse zugeschnitten ausbilden könnten.
• Mitarbeiter sollen bis zum Rentenalter in der Branche arbeiten können. Dies einerseits über eine betriebswirtschaftlich sinnvoll gestaltete Arbeitsplatzergonomie, andererseits aber muss auch der Arbeitnehmer gesundheitsfördernd vorbeugend Maßnahmen ergreifen. Dies sollte als Gesamtkonzept geschehen.
• Der demografische Wandel wird zum Branchen-Kernthema erklärt. Gemeinsam mit der Gewerkschaft soll an diesem Thema gearbeitet werden.
 
In der deutschen Holzindustrie sind derzeit insgesamt 152.139 Mitarbeiter in 976 Unternehmen beschäftigt.

HDH/fp

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