Waldschutz

Borkenkäferschäden auch in Thüringen auf hohem Niveau

Bearbeitet von Jörg Fischer

Nach einem Schadholzanfall in Rekordhöhe im Juni sinken die Borkenkäferschäden an der Fichte, bleiben in Thüringen aber weiter auf einem historischem Hoch – von Entwarnung kann keine Rede sein.

Allein im Monat August befiel der Fichtenborkenkäfer über alle Waldeigentumsformen im Freistaat Thüringen rund 568.000 Fm Holz. Er lag damit etwas unter der Schadholzmenge vom August 2020 mit rund 600.000 Fm. Gleichwohl befindet sich auch die diesjährige Entwicklung der Borkenkäferschadholzmenge an der Baumart Fichte auf sehr hohem Niveau. Nach einer historischen Rekordmenge im Monat Juni von knapp 800.000 Fm, sank diese im Juli und August um insgesamt etwa 200.000 Fm. Trotz dieser ersten Zeichen einer Entspannung in der diesjährigen Waldschutzsituation in Thüringen sind die Experten nur sehr vorsichtig optimistisch: Die Bemühungen in der Käferholzsanierung müssen seitens der betroffenen Waldbesitzenden und Forstleute in den Fichtenbeständen konsequent fortgeführt werden.

Klimawandel als Ursache nicht aus den Augen verlieren

„Die Brennpunkte bezüglich der Fichtenborkenkäferschäden haben sich teilweise von Südthüringen nach Ostthüringen verlagert. Die Waldschutzsituation verschärft sich in den Thüringer Forstämtern Schleiz und Neuhaus. Die Südthüringer Forstämter Schönbrunn und Sonneberg bleiben weiterhin im Fokus unserer Sanierungsbemühungen“, so Volker Gebhardt, ThüringenForst-Vorstand. Er erwartet bis zum Jahresende eine durch den Borkenkäfer verursachte Gesamtschadholzmenge in der Fichte von etwa 4 Mio. Fm (2020: 3,5 Mio. Fm). Dies wäre die höchste jemals erfasste Fichtenschadholzmenge im Freistaat.

„Man darf die Ursache dieser Entwicklung nicht aus den Augen verlieren“, betonte Gebhardt. „Der Klimawandel schreitet weiter voran, die Dürrejahre 2018 bis 2020 waren wohl nur der Prolog.“ Ebenfalls lässt sich in diesem Jahr erkennen, dass ein vergleichsweise niederschlagsreicher und nicht ganz so heißer Witterungsverlauf dem Ökosystem Wald nach einer mehrjährigen Dürrephase eben nicht sofort zu alter Vitalität verhilft. Je nach Baumart sind spezifische Schäden, insbesondere im Feinwurzelbereich, aufgetreten, die nicht ohne Weiteres mit einem ausreichenden Wasserangebot innerhalb eines Jahres ausgeglichen werden können. Experten vermuten, dass Bäume, je nach genetischer Ausstattung, eine ausreichende Phase der Gesundung benötigen, um das Feinwurzelwerk wieder zu erneuern.

Erhebliche Investitionen für Wiederbewaldung und Waldumbau

„Mit der Sanierung der Sturm-, Dürre und Borkenkäferschäden enden die Anstrengungen der Waldbesitzenden und Forstleute allerdings nicht“, sagte Gebhardt abschließend. Im Gegenteil: Die Wiederbewaldung der landesweit über 42.000 ha Schadfläche und der Waldumbau von rund 100.000 ha durch den Klimawandel gefährdeter Bestände in klimaresiliente Mischwälder wird noch Jahre und Jahrzehnte andauern und zukünftig erhebliche Investitionen erfordern. Die Thüringer Landesregierung hat reagiert und deshalb zusätzliche Förderprogramme für den Privat- und Kommunalwald initiiert sowie die Landesforstanstalt langfristig mit problemadäquaten Finanzmitteln ausgestattet.

Red./Quelle: ThüringenForst