Waldschutz

Borkenkäferregulation mit naturnahen Verfahren – was ist möglich?

Bearbeitet von Jörg Fischer

In dem Vorhaben „bioProtect“, einem vierjährigen Waldklimafonds-Verbundprojekt, entwickelten und testeten Forschende verschiedene Verfahren der insektizidfreien Borkenkäferregulation. Die Ergebnisse des von den Bundesministerien für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) und für Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit (BMU) geförderten Projekts zeigen teilweise hohe Wirkungsgrade naturnaher Verfahren auf.

Borkenkäferbefall kann ganze Waldbestände vernichten. Schutzmaßnahmen mithilfe von Insektiziden werden aus gesellschaftlichen Gründen aber immer schwieriger. In dem Verbundvorhaben „bioProtect“ entwickelten und testeten Forschende der Technischen Universität Dresden, der Georg-August-Universität Göttingen und der Ostdeutschen Gesellschaft für Forstplanung mbH biotechnische Verfahren der insektizidfreien Borkenkäferregulation.

Pflanzenschutz: Borkenkäfer vergrämen – Nützlinge anlocken

Dabei wurden Vergrämungs- und Lockstoffpräparate für verschiedene Borkenkäferarten bzw. deren natürliche Gegenspieler in Freilandversuchen erprobt und deren Wirkungsgrad ermittelt: Lockstoffe, die anziehend auf Fressfeinde der Borkenkäfer wirken, die dann wiederum zur Eindämmung von Borkenkäferbesiedlung beitragen, oder Vergrämungsstoffe, um anfliegende Borkenkäfer zu verwirren und so etwa Holzlager im Wald zu schützen.

Die Methode, potenzielle Baumschädlinge mittels Botenstoffen, den sogenannten Semiochemikalien, zu lenken, wurde bereits in einem Vorgängerprojekt an der Professur für Waldschutz an der Technischen Universität Dresden entwickelt. Nun ist es den Projektpartnern gelungen, die Palette an Wirkstoffen zu erweitern, für einzelne Arten zu spezifizieren und deren Wirksamkeit im Praxiseinsatz zu erproben.

Naturnahes Verfahren

Projektleiter Prof. Dr. Michael Müller ist optimistisch, dass dank der Weiterentwicklung in „bioProtect“ einige umweltverträgliche Methoden zur Regulierung von potenziellen Schadinsekten in wenigen Jahren marktreif sein könnten. „Dann kaufen Waldbesitzer im Fachhandel keine Insektizide, sondern naturnahe Stoffe, die sie an Rohholzlagern im Wald anbringen“, so der Leiter der Professur für Waldschutz an der Technischen Universität Dresden. Die Stoffe müssten nicht mehr aufwändig aufgesprüht werden, sondern könnten dann in Ampullen angebracht und nach dem Gebrauch wieder entnommen werden, zeigt Müller die Vorteile des neuen biotechnischen Verfahrens auf.

Weitere Infos:

Projektdatenbank: Verbundvorhaben – Entwicklung und Implementierung biotechnischer Verfahren der insektizidfreien Borkenkäferregulation durch Nutzung und Steuerung natürlicher Borkenkäferantagonisten als Maßnahmen zum Erhalt der biologischen Vielfalt und der damit verbundenen CO2-Senkenfunktion der Wälder:

Wie funktioniert das mit den Botenstoffen?

Insekten kommunizieren und orientieren sich unter anderem über chemische Botenstoffe – seien es Pheromone, die innerartlich genutzt werden, oder auch flüchtige Pflanzenduftstoffe, die lockende Wirkung auf pflanzenfressende Insekten ausüben – aber eben auch auf deren Gegenspieler (https://www.kiwuh.de/service/wissenswertes/wissenswertes/waldschutz-borkenkaefer-mit-dueften-lenken-1).

  • Das Anlocken von Gegenspielern erfolgt mit art- und lebensraumfremden Lockstoffen, sogenannte Allochthone Kairomone, die wirkungsvoll natürliche Gegenspieler der Borkenkäfer heranführen wie z. B. die Ameisenbuntkäfer aber keine weitere lockende Wirkung auf Borkenkäfer ausüben. Über diese Gegenspieler-Steuerung lässt sich ein Borkenkäferbefall dezimieren.
  • Das Vergrämen von Borkenkäfern funktioniert über sogenannte Nichtwirtsbaumvolatile und Antiaggregationspheromone, die die Duftstofforientierung der Borkenkäfer verwirren und ihnen einen ungeeigneten Brutraum vortäuschen. Auf diese Weise helfen solche Stoffe bei der Abwehr eines Borkenkäferanflugs.
Quelle: FNR