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Borkenkäfermassenvermehrung in Österreich

Mit der letzten Hitzeperiode Anfang bis Mitte August wurden in weiten Teilen Österreichs von Borkenkäfern attackierte Fichten rasch dürr und somit sichtbar. Beachtliche Dürre- und Käferschäden sind in Teilen der Steiermark, im Burgenland, in Niederösterreich, besonders im Waldviertel, sowie in Kärnten und in Oberösterreich zu erwarten oder bereits merkbar.

Da viele Stangenhölzer betroffen sind und darüber hinaus viele Fichten nur im Wipfelbereich dürr sind, ist neben dem Buchdrucker (Ips typographus) von einer starken Beteiligung des Kupferstechers (Pityogenes chalcographus) am Schadgeschehen auszugehen.
Die betroffenen Regionen decken sich häufig mit Gebieten, die im Winter 2014 bzw. 2014/15 von Schnee- und Eisbruchschäden betroffen waren, in denen die Fichte am Rande ihres natürlichen Vorkommens ist (sekundäre Fichtenwaldgebiete), und die im Sommerhalbjahr 2015 von besonderen Witterungsextremen (außerordentlich und anhaltend hohe Temperaturen und Niederschlagdefizite) betroffen waren. Diese Faktoren dürften auf fatale Weise zusammengewirkt haben. Der Schnee- und Eisbruch sorgte für zahlreiches Brutmaterial für Borkenkäfer, da das Schadholz nicht überall rechtzeitig entfernt worden war. So konnten viele überwinternde Käfer im Frühjahr 2015 erfolgreiche erste Bruten anlegen. Die Trockenheit ließ die Fichte unter Stress geraten und sorgte für eine Herabsetzung der Abwehrkräfte (Harz u.a.), so dass im Sommer attackierende Borkenkäfer diese leichter erfolgreich besiedeln konnten. Die warmen Temperaturen ermöglichten eine rasche Entwicklung der Käferbruten und damit die erfolgreiche Entwicklung mehrerer Generationen als in durchschnittlichen Jahren.
Maßnahmen: rasch und konsequent
Aufgrund dieser Situation ist in den betroffenen Gebieten für das kommende Jahr höchste Alarmbereitschaft gegeben. Angeraten sind folgend angeführte Maßnahmen, die nicht nur im Interesse der Waldbewirtschaftenden sein sollten, sondern zu denen auch eine forstgesetzliche Verpflichtung und eine Verantwortung gegenüber dem Grundnachbarn bestehen.
•  Regelmäßige (wöchentliche) Kontrolle bis in den Spätherbst und, besonders wichtig, wieder ab Spätwinter/Frühjahr; Waldbegehungen!
•  Entnahme von befallenen Bäumen (abfallende Rinde, braune Krone, Nadelfall), in denen die Entwicklung der Käfer fortgeschritten ist, unbedingt vor dem Ausfliegen der Käfer.
•  Suche und Entnahme der Bäume, wo die Entwicklung am Anfang steht (Bohrmehl, Bohrlöcher, Harztropfen).
•  Keine Lagerung von befallenem (oder auch unbefallenem, aber fängischem) Holz im Wald oder in Waldnähe.
•  Bruttaugliche Resthölzer, Wipfelstücke nicht unbehandelt im Wald oder Waldnähe lassen.
Konsequente waldhygienische Maßnahmen sind das einzig probate Mittel, um ein weiteres Voranschreiten der Borkenkäfermassenvermehrung einzudämmen.
Herabsetzung der Abwehrkraft
Das Jahr 2015 ist durch lange anhaltende und vielerorts nach wie vor nicht ausgeglichene Niederschlagdefizite sowie Hitze gekennzeichnet. Laut Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik (ZAMG) wurden der wärmste Juli und der viertwärmste August seit Beginn der Klimaaufzeichnungen dokumentiert, österreichweit war es der zweitwärmste und in manchen östlichen Gebieten sogar der wärmste Sommer seit 1767. Neue Rekorde gab es auch bei der Anzahl an Tagen über 30 °C (Tropentage) sowie Tage über 35 °C (Wüstentage). In Teilen des Nordens und Ostens Österreichs lagen die Niederschläge seit dem Winter durchgehend unter dem Durchschnitt, der Sommer brachte extreme Defizite. Die ZAMG berichtet über den trockensten Sommer seit dem Jahr 1911. Die Dürre und Hitze dürfte nicht nur zu einer wesentlichen Steigerung der Anfälligkeit gegenüber Borkenkäfern geführt haben, sondern sogar monokausal Bäume letal geschädigt haben, wie aus Beobachtungen von dürren Bäumen ohne Käferbefall zu schließen ist.

Schwärmen und Entwicklung der Borkenkäfer

Die Flugaktivität und Entwicklung des Buchdruckers lässt sich anhand der Fallenfänge des österreichweiten Borkenkäfermonitorings sowie der Entwicklungsmodellierung PHENIPS der Universität für Bodenkultur Wien rekonstruieren.
 
Der Flug 2015 (Käfer aus 2014, die überwintert hatten) begann Mitte bis Ende April. Dieser erste Flug, später zusammen mit neuerlichen Flügen zur Anlage von Geschwisterbruten, erstreckte sich über den Mai bis in den Juni. Perioden mit Temperaturen unter dem Schwellenwert von 16,5 °C sorgten immer wieder für Unterbrechungen der Flugaktivität. Die erste Generation des Jahres 2015 verließ die befallenen Bäume ab der letzten Juniwoche und sorgte für einen Peak bei den Fallenfängen im Juli. Zu der Zeit begann damit auch die Anlage der zweiten Generation sowie in weiterer Folge abermals von Geschwisterbruten.
 
Die extrem warmen und anhaltend hohen Temperaturen im Juli und August sorgten für eine sehr rasche Entwicklung dieser Generation, die ihre Entwicklung in den tieferen Lagen in der zweiten Augusthälfte abschließen konnte. Der Flug der zweiten Generation war in den Fallenfängen nur wenig ausgeprägt erkennbar. Wo dieser allerdings stattgefunden und zu weiteren Bruten geführt hat, war durch die weiterhin hohen Temperaturen eine Entwicklung der dritten Generation möglich, von der die meisten Tiere das überwinterungsfähige Käferstadium erreichen werden. In vielen, besonders höher gelegenen Regionen dürfte sich die zweite Generation fertig entwickelt haben, ohne (bis dato) geschwärmt zu sein. Insgesamt konnte sich so eine große Käferpopulation aufbauen. Es ist davon auszugehen, dass sich viele Tiere nun in den befallenen Stämmen unter der Rinde befinden, wo sie den Winter verbringen werden. Manche wandern dazu auch in die Bodenstreu.
BFW

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