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Der erste Blick unter die Folie

Borkenkäferholz unter Folien konservieren?

Hunderttausende Kubikmeter Fichtenholz liegen in den Wäldern und drohen zu verrotten. Die Holzlager der Sägewerke sind voll. Gleichzeitig sorgen die Borkenkäfer beängstigend schnell für Nachschub an Fichtenstämmen, die sofort gefällt werden müssen, um eine Ausbreitung der gefräßigen Schädlinge zu verhindern. Ein Lösungsansatz: Folienlager. Doch funktioniert das überhaupt? Laut Dr. Bertram Leder, Leiter des Zentrums Wald und Holzwirtschaft von Wald und Holz NRW, zeigen erste Tests des Landesbetriebs vielversprechende Ergebnisse.

Fichtenholz ist viele Jahrzehnte haltbar, wenn es zu Dachstühlen oder Regalen verbaut ist. Frisch eingeschlagene Fichten sind aber leicht verderbliche Ware. Sie verliert schnell an Wert, wenn sie nicht rechtzeitig im Sägewerk weiterverarbeitet wird. Dr. Bertram Leder: „Unter luftdichten Folien soll das Holz jahrelang frisch bleiben. Innerhalb weniger Tage ist sämtlicher Sauerstoff unter den Folien verbraucht. Die Borkenkäfer sterben, alle Verrottungsprozesse werden gestoppt und die für die Weiterverarbeitung wichtige Holzfeuchtigkeit bleibt erhalten.“

Erste Erfahrungen mit Folienlagern, in denen frisches, gesundes Holz eingelagert wird, gibt es schon. Ob die Mehode auch mit Borkenkäferholz funktioniert, will Dr. Leder mit seinem Team jetzt herausfinden.

Erkenntnisse aus dem ersten Folien-Testlager

Das erste Folienlager wird ausgepackt
Das erste Folienlager wird ausgepackt Foto: M. Blaschke

Im Mai 2019 haben die Expertinnen und Experten von Wald und Holz NRW im Arnsberger Wald zehn Folien-Testlager mit je rund 300 m³ Fichtenholz angelegt. Jetzt hat Dr. Leder das erste Lager geöffnet und einige Stämme mit einem mobilen Sägewerk aufgeschnitten um die Holzgüte festzustellen. „Top-Qualität. Wie gerade frisch gefällt“, sagte Dr. Leder bei der ersten Begutachtung. Bei der Öffnung des ersten Folienlagers war auch Christoph Paul, Einkaufsleiter des Briloner Sägewerks der Firma Egger, dabei. Sein Urteil klingt ähnlich positiv: „Keine Verfärbung, passende Feuchtigkeit. Ein erfreuliches Ergebnis. Ich bin positiv überrascht. Für mich ist das eindeutig B-Qualität“. Genau diese Qualität hätten die Stämme auch, wären sie gerade frisch gefällt.

Holzkonservierung auch für Sägewerker attraktiv

Holzkonservierung für mehrere Jahre ist für den Sägewerker ein zentrales Thema. Paul: „Wir haben nur wenige Möglichkeiten auf das plötzliche Überangebot an Käferholz zu reagieren. Wir können vom Zwei-Schichtbetrieb auf Drei-Schichtbetrieb hochfahren. Mehr Variation geht nicht. So ein Sägewerk ist ein Dampfer, der immer mit der gleichen Geschwindigkeit fährt.“

Ein spannende Moment: War die Konservierung des Holzes erfolgreich?
Ein spannende Moment: War die Konservierung des Holzes erfolgreich? Foto: B. Leder

Besonders gespannt sind Sägewerker und Wissenschaftler auf die Ergebnisse der nächsten neun Folienlager. Diese Lager werden jetzt im Abstand von jeweils sechs Monaten geöffnet. Dr. Leder ist zuversichtlich, dass sich die gute Qualität das Borkenkäferholzes auch bei längerer Lagerung halten lässt. Bei Kosten von ca. 15 €/Fm lohnt sich die aufwändige Folienkonservierung nur bei sehr guten Holzqualitäten. „Für die großen Mengen Industrieholz, die zurzeit anfallen, rechnet sich der Aufwand nicht,“ sagt Dr. Bertam Leder.

Nur ein Baustein von vielen

Andreas Wiebe, Leiter von Wald und Holz NRW, ergänzte: „Dieser Test ist bisher sehr positiv verlaufen. Darüber freuen wir uns. Die Ergebnisse unserer Versuche sind auch für viele Waldbesitzerinnen und Waldbesitzer interessant. Ich kann mir sehr gut vorstellen, mit Folienlagern tausende oder zehntausende Festmeter sehr gutes Fichtenholz für die weitere Nutzung zu retten.“ Allerdings betonte Wiebe auch, dass die Anlage von Folienlagern nur ein kleiner Baustein von vielen ist, mit denen die Forstleute in NRW zurzeit versuchen, die Folgen des fortschreitenden Klimawandels zu bewältigen. Wiebe: „In unseren Wäldern sprechen wir gerade über den Verlust von Millionen und nicht von tausenden Bäumen. Allein im laufenden Jahr erwarten wir 20 Mio. Fm Holz, das als Folge der Dürrejahre und der explosionsartigen Borkenkäfervermehrung ungeplant anfällt. Wir laufen der Klimakrise hinterher und müssen uns jetzt darum kümmern, mithilfe des Waldbaukonzepts NRW einen zukunftsfähigen, klimastabilen Wald aufzubauen.“

Nicht ohne Risiko

Folienlager sind aus wirtschaftlicher Sicht eine interessante, aber nicht risikolose Wette auf die Zukunft. Bleibt die Folie dicht und die Holzqualität hoch, kann sich die Investition lohnen, denn nach der Borkenkäferkrise rechenen Experten wieder mit steigenden Holzpreisen. Man sollte sich jedoch stets darüber im Klaren sein: Wird das Lager undicht, verlieren Waldbesitzende das Holz und die Investition in das Lager.

Red./Quelle: Wald und Holz NRW

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