Waldschutz

Borkenkäferholz in Folienlagern – ist das die Lösung?

Bearbeitet von Jörg Fischer

Hunderttausende Kubikmeter Fichtenholz liegen in den Wäldern und drohen zu verrotten. Die Sägewerke sind oft nicht in der Lage, anfallendes Holz sofort zu verarbeiten. Gleichzeitig sorgen die Borkenkäfer beängstigend schnell für Nachschub an Fichtenstämmen, die sofort gefällt werden müssen, um eine Ausbreitung der gefräßigen Schädlinge zu verhindern. Können Folienlager hier Abhilfe schaffen?

Dr. Bertram Leder, Leiter des Zentrums Wald und Holzwirtschaft von Wald und Holz NRW: „Folienlager können ein Beitrag zur Lösung des Problems sein. Auch die Öffnung und Begutachtung des dritten Folienlagers bestätigt nach 26 Monaten Konservierung unter Folie die positiven Ergebnisse aus dem letzten Jahr.“

Borkenkäferholz konservieren – aber wie?

Fichtenholz ist viele Jahrzehnte haltbar, wenn es zu Dachstühlen oder Regalen verbaut ist. Frisch eingeschlagene Fichten sind aber leicht verderbliche Ware. Sie verlieren schnell an Wert, wenn sie nicht rechtzeitig im Sägewerk weiterverarbeitet werden. Leder: „Unter luftdichten Folien soll das Holz jahrelang frisch bleiben. Innerhalb weniger Tage ist sämtlicher Sauerstoff unter den Folien verbraucht. Holz zerstörende Pilze und Insekten können sich unter diesen Bedingungen nicht weiterentwickeln und sterben ab. Verrottungsprozesse werden gestoppt und die für die Weiterverarbeitung wichtige Holzfeuchtigkeit bleibt erhalten.“

Bisherige Erfahrungen mit Folienlagern

Im Mai 2019 haben die Expertinnen und Experten von Wald und Holz NRW im Arnsberger Wald zehn Folien-Testlager mit je rund 300 m³ Borkenkäfer(fichten)holz angelegt. Auch bei der Öffnung des zweiten Lagers Ende 2020 waren die Ergebnisse vielversprechend. Jetzt hat Dr. Leder nach über zwei Jahren das dritte Lager geöffnet und einige Stämme, die teilweise mit einer Schicht nicht Holz schädigendem Schimmel bedeckt sind, mit einem mobilen Sägewerk aufgeschnitten, um die Holzgüte festzustellen. Das Ergebnis laut Leder: „Top-Qualität. Wie gerade frisch gefällt.“

Sägewerker und Wissenschaftler sind gespannt auf die Ergebnisse der nächsten sieben Folienlager, die innerhalb der Versuchsreihe bis 2024 im Abstand von jeweils sechs Monaten geöffnet werden. Dr. Leder ist zuversichtlich, dass sich die gute Qualität des Borkenkäferholzes auch bei längerer Lagerung halten lässt. Bei Kosten von ca. 12 bis 18 €/Fm – je nach anfallenden Transportkosten des zu konservierenden Holzes – lohnt sich die aufwendige Folienkonservierung nur bei guten Holzqualitäten. „Für die großen Mengen Industrieholz, die zurzeit anfallen, rechnet sich der Aufwand nicht,“ so Dr. Leder.

Andreas Wiebe, Leiter von Wald und Holz NRW, ergänzte: „Dieser Test ist bisher sehr positiv verlaufen. Darüber freuen wir uns. Die Ergebnisse unserer Versuche sind auch für viele Waldbesitzerinnen und Waldbesitzer interessant.“ Allerdings betonte Wiebe auch, dass Folienlager nur ein kleiner Baustein von vielen Maßnahmen sind, mit denen die Försterinnen und Förster in NRW zurzeit versuchen, die Folgen des fortschreitenden Klimawandels zu bewältigen. Wiebe: „In unseren Wäldern sprechen wir gerade über den Verlust von Millionen und nicht von tausenden Bäumen. Allein im letzten Jahr sind als Folge der Dürrejahre und der explosionsartigen Borkenkäfervermehrung 12,9 Mio. Fm ungeplantes Holz angefallen. Für 2021 erwarten die Experten noch einmal 8 Mio. Fm Käferholz. Wir laufen der Klimakrise hinterher und müssen uns jetzt darum kümmern, z. B. mithilfe des Waldbaukonzepts NRW, einen zukunftsfähigen und klimastabilen Wald der Zukunft aufzubauen.“

Zusammengefasst…

Folienlager sind aus wirtschaftlicher Sicht eine interessante, aber nicht risikolose Wette auf die Zukunft. Bleibt die Folie dicht und damit die Holzqualität hoch, kann sich die Investition lohnen. Wird das Lager undicht (z. B. durch Mäuse oder Wind) und sind die Schäden nicht zu reparieren, muss das Folienlager kurzfristig aufgelöst werden.

Quelle: Wald und Holz NRW