Waldschutz

Borkenkäfer: Zwischen Klimaschrank und Rinden-Sandwich

Bearbeitet von Jörg Fischer

Am Rande eines Waldweges nahe Freiburg duftet es ganz köstlich – doch Walbesuchende merken davon nichts, denn der Duft ist nur für Borkenkäfer wahrnehmbar. Hier hat die Forstliche Versuchs- und Forschungsanstalt Baden-Württemberg (FVA) eine Lockfalle aufgestellt, um Borkenkäfer besser zu verstehen und dadurch Wälder besser zu schützen.

„Wir wollen noch detaillierter herausfinden, bei welcher Witterung und welcher Temperatur Borkenkäfer aktiv werden und Bäume und Wälder befallen“, erläuterte Sven Hofmann, Projektmitarbeiter der FVA, den Hintergrund des Projekts und ergänzte: „Damit können wir die bestehenden Prognosen für Käferflug verbessern und unser ‚Frühwarnsystem‘ weiter präzisieren“.

Den Borkenkäferflug besser prognostizieren

Dazu hat sein Team eigens ein neues System entwickelt, mit dem die Daten aus den Käferfallen noch präziser erfasst werden können. Einige der Käfer werden dann in sogenannten Rinden-Sandwichs über längere Zeit beobachtet. „Für uns ist besonders interessant, wie sich die Käfer unter verschiedenen Temperaturbedingungen verhalten“, so Hofmann. Mithilfe von Klimaschränken werden die Käfer daher unterschiedlichen Klimabedingungen ausgesetzt.

So können Rückschlüsse gezogen werden, ab welchen Temperaturen und Bedingungen mit mehr Borkenkäfer-Aufkommen gerechnet werden muss. Forstleute und Waldbesitzende in der Praxis können sich noch besser vorbereiten und präventive Maßnahmen ergreifen.

FVA-Forschung im Notfallplan Wald des Landes

Wie bewältigen wir die Herausforderungen durch den Klimawandel? 18 Forschungsprojekte an der FVA sollen Antworten auf diese Frage liefern. Insgesamt 3,3 Mio. € investiert das Land Baden-Württemberg über den „Notfallplan Wald“ in praxisnahe, lösungsorientierte Projekte.

Von Trockenstress bei Buchen über neue Wege in der satellitengestützten Erfassung von Waldschäden, der Prüfung alternativer Baumarten bis hin zu gesellschaftlichem Engagement bei der Wiederbewaldung werden sieben Forschungsschwerpunkte behandelt.

„In der Debatte um den Wald spielen traditionell Emotionen eine große Rolle“, sagte Prof. Dr. Ulrich Schraml, Direktor der FVA. „Die Waldbesitzenden und die Forstleute müssen sich bei ihren täglichen Entscheidungen, aber auch auf wissenschaftliche Aussagen stützen können. Dazu brauchen wir ein Bild von der Zukunft des Waldes und eine Bewertung der Handlungsalternativen, die die Verantwortungstragenden im Wald, aber auch die Öffentlichkeit nachvollziehen können. Daran arbeiten wir“, erklärte Schraml.

Mehr zum Projekt finden Sie auf der Projektwebseite der FVA.

Einen Überblick über die einzelnen Projekte im Rahmen des Notfallplans für den Wald finden Sie hier.

Quelle: ThüringenForst/FVA