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Brutraumentzug durch zeitnahen Einschlag und sofortige Abfuhr

Vorsorge gegen Borkenkäfer nach einem Sturmwurf

In ganz Deutschland  haben sich die Borkenkäfer 2018 so stark vermehrt wie seit Jahrzehnten nicht. Gefährlich sind besonders der Buchdrucker und der Kupferstecher, die Fichtenwälder auch großflächig zum Absterben bringen können. Hier erklären wir,  wie man einer Borkenkäferkalamität nach einem Sturmwurf vorbeugt.

Warum vermehren sich Borkenkäfer im Sturmholz besonders gut?

Nach Stürmen findet der Borkenkäfer optimale Brutbedingungen im liegenden und gebrochenen Holz – hier gilt es schnell und fundiert vorzugehen.
Sturmwürfe bieten Borkenkäfern beste Brutbedingungen Foto: Wald und Holz NRW/M. Niesar

Werden Fichtenbestände durch Sturm- oder Schneebruchereignisse geschädigt, besteht erhebliche Gefahr: Borkenkäfer können sich unmittelbar oder in den nachfolgenden Jahren schlagartig und massenhaft vermehren, wenn sich warmtrockene Witterungsverhältnisse einstellen. In den eigentlichen Sturmschadensjahren bleibt das Borkenkäferholzvolumen noch vergleichsweise gering. Denn den Borkenkäfern stehen in den gebrochenen undgeworfenen Stämmen zunächst ausgesprochen große Brutmöglichkeiten zur Verfügung – stehendes Holz wird deshalb gemieden. Das ändert sich in den Folgejahren, wenn die Käfer aus ihren Überwinterungsquartieren (Boden/Rinde) kriechen und gesunde, benachbarte Fichtenbestände anfliegen, sich einbohren und diese letal schädigen. Angesichts der Gefahr einer explosionsartigen Vermehrung ist ein fundiertes Aufarbeitungsmanagement notwendig, um Folgeschäden nach Sturm- oder Schneebruchereignissen zu minimieren.

Welche Prioritäten gibt es bei der Aufarbeitung?

Kleinflächen vor Großflächen

Borkenkäfer bedrohen benachbart stehende Borkenkäfer bedrohen benachbart stehende Bestände erst dann, wenn im besiedelten Habitat das Nahrungsangebot zur Neige geht. Dies kann auf Kleinflächen, je nach Witterungsverlauf im darauffolgenden Sommer, sehr schnell geschehen, wenn dort nicht unmittelbar mit der Aufarbeitung begonnen wird. Auf Großflächen werden Borkenkäfer stehende Bestände erst im übernächsten Sommer bedrohen. Deswegen: Kleine Schadensflächen wie Einzel- und Nesterwürfe (<5 ha) vor großen Schadensflächen (>5 ha) aufarbeiten.

Nadelholz vor Laubholz

Die Aufarbeitung von Bruch- und Wurfholz ist lebensgefährlich. Durch Einsatz von Maschinen werden schwere Unfälle verhindert.
Der Maschineneinsatz vermindert die Unfallgefahr Foto: Wald und Holz/A. Roefs

Die einzige Ausnahme von dieser Regel stellt aus betriebswirtschaftlicher Sicht die Aufarbeitung wertvollen Buchenlaubholzes dar. Die Priorität ist wegen der Gefahr des Verstockens (Verfärbung des Holzes durch Pilzbefall) einzuräumen. Für Eichen, die ohne Probleme lebend konserviert werden können, trifft dies nicht zu. Lebendkonservierung heißt: Geworfenes, mit der Wurzel zumindest teilweise noch mit dem Boden verbundenes Holz verbleibt auf der Fläche.

Bruchholz vor Wurfholz
Angeschobene oder geworfene Bäume mit ausreichendem Wurzel- bzw. Bodenkontakt werden zum Schluss aufbereitet. Die Aufarbeitung von Bruch- und Wurfholz sollte wegen der hohen Unfallgefahr in allererster Linie vollmechanisiert (Harvester) erfolgen.

Südhänge vor Nordhängen und Tallagen vor Höhenlagen
Südhänge und Tallagen bekommen mehr Sonne und Wärme als Nordhänge und Höhenlagen. Borkenkäfer entwickeln sich in der Wärme schneller.

Flächen mit hangabwärts geworfenen Fichten zuerst

Hangabwärts geworfene Fichten werden Erfahrungen zufolge massiver von Borkenkäfern befallen als hangaufwärts geworfene Fichten. Die Wurzeln haben geringeren Bodenkontakt, nehmen weniger Wasser auf und können nur geringen Harzdruck gegen eindringende Borkenkäfer aufbauen.

Wie überwacht man den Borkenkäferflug?

  1. Um die Aufarbeitungspriorität anpassen zu können, ist der Borkenkäferflug zu überwachen. Setzt der Flug im Frühjahr ein, verbleiben in Niederungen noch sieben, in Hochlagen noch acht Wochen, um befallene Bäume vor dem Ausflug der Käfer aus dem Wald abzufahren, diese zu entrinden oder – wenn keine anderen Maßnahmen greifen – mit Pflanzenschutzmitteln zu behandeln. Logistik und Behandlung des Stammholzes nach Prioritäten
  2. Holzabfuhr vor Konservierung
  3. Nass- und/oder Trockenlagerung
  4. Konservierung vor Behandlung des liegenden Holzes mit Pflanzenschutzmitteln (Ultima Ratio)

Wie geht man Kronenrestholz und Erdstammstücken um?

Brutraumentzug durch zeitnahen Einschlag und sofortige Abfuhr ist auch logistisch erste Wahl.
Brutraumentzug durch zeitnahen Einschlag und sofortige Abfuhr Foto: Wald und Holz NRW/U. Haufe
  1. Thermische Verwertung (Häckseln und Bündeln)
  2. Kleinschneiden/Entrinden
  3. Mulchen auf Feinerschließungslinie
  4. Verbrennen auf der Fläche (genehmigungspflichtig)
  5. Ultima Ratio: Einsatz von Pflanzenschutzmitteln

Wo kann man sich weiter informieren?

Haben Sie Fragen zum Borkenkäfer-Management? Dann wenden Sie sich an Ihre/n Förster/in vor Ort. Die Kontaktdaten für Nordrhein-Westfalen finden Sie unter: www.wald-und-holz.nrw.de. Dort können Sie auch einen Newsletter mit aktuellen Waldschutz-Informationen und einen 52-seitigen „Praxisleitfaden Fichten-Borkenkäfer“ bestellen oder herunterladen.

In Baden-Württemberg, gibt die Forstliche Forschungs- und Versuchsanstalt (FVA) einen Borkenkäfer-Newsletter heraus. Auf der Webseite der Nordwestdeutschen ForstlichenVersuchsanstalt findet sich zum kostenfreien Download eine 32-seitige Broschüre „Integrierte Bekämpfung rindenbrütender Borkenkäfer“. Und in Bayern hat die Landesanstalt für Wald und Forstwirtschaft ein Borkenkäferinoportal eingerichtet.

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Wald und Holz NRW

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