Waldschutz

Borkenkäfer: Ja, sie schwärmen wieder!

Bearbeitet von Jörg Fischer

Im Mai sorgte die überwiegend trockene und warme Witterung für perfekte Schwärmflugbedingungen bei den Fichtenborkenkäfern, allen voran beim Buchdrucker. Entsprechend mehren sich aktuell wieder die Meldungen über steigenden Schadholzanfall durch die kleinen und auf den ersten Blick unscheinbaren Insekten.

Das hatten sich die Expertinnen und Experten wohl anders erhofft, doch auch wenn im vergangenen Jahr eine leichte Entspannung der Borkenkäfersituation zu beobachten war, so meldet sich der Forstschädling Nr. 1 in diesem Frühsommer zurück. Gleich aus mehreren Bundesländern wurde mit Blick auf den Mai von verstärktem Schwärmflug und einem steigenden Schadholzanfall auf Fichtenflächen berichtet. Schuld ist die überwiegend trockene und warme Witterung in diesem Frühjahr.

Borkenkäferflug in Sachsens Wäldern in vollem Gange

In Sachsen hat sich der Borkenkäferbefall deutlich erweitert. Das berichtet der Landesbetrieb Sachsenforst (SBS) in einer Pressemitteilung. So habe der Schwärmflug hier verglichen mit dem Vorjahr eine Woche früher eingesetzt. Der Buchdrucker sei inzwischen dis in die höheren Lagen des Erzgebirges vorgedrungen, die vom Borkenkäfer nach Angabe des Unternehmens bisher nur wenig betroffen waren.

Wolfram Günther, Sachsens Staatsminister für Energie, Klimaschutz, Umwelt und Landwirtschaft: „Unsere Hoffnungen, dass sich die Situation normalisiert und sich der Wald erholen kann, erfüllen sich nicht. Wir befinden uns im fünften Jahr der Borkenkäferkrise. Nun sind zum ersten Mal zusätzlich höhere Mittelgebirgslagen betroffen.“

Das Schadgeschehen konzentriere sich demnach auf Ostsachsen, v. a. auf das Elbsandsteingebirge sowie das östliche und mittlere Erzgebirge. Betroffen seien überwiegend Privat- und Körperschaftswälder.

Altkäfer legen in Bayern Geschwisterbruten an

Das Witterungsgeschehen in diesem Mai war auch in Bayern durch warme und trocken Tage geprägt. Die Folge: eine schnelle Entwicklung der ersten Borkenkäfergeneration trotz des verspäteten Starts in diesem Jahr. Bis in Höhenlagen von 800 m ü. NN haben im Mai laut Aussage der Bayerischen Landesanstalt für Wald und Forstwirtschaft (LWF) die meisten Käfer das Puppenstadium erreicht. Zugleich schwärmen die Altkäfer wieder aus, um Geschwisterbruten anzulegen. Die LWF verzeichnete im Mai eine entsprechend steigende Anzahl Meldungen über frischen Stehendbefall. Auch liegendes Holz sei massiv befallen worden.

Befallsschwerpunkte in Bayern seien im Augenblick vor allem das westliche Oberfranken mit dem Frankenwald, die tieferen Lagen in Niederbayern entlang der Donau und das westliche Mittelfranken im Raum Ansbach.

Steigende Käferholzmengen auch in Thüringen

Auch ThüringenForst meldet einen Anstieg der Käferholzmengen im Mai. Laut Thüringens Waldschutzexpertinnen und -experten seien landesweit 132.000 Fm frisch befallenes Fichtenholz durch den Buchdrucker festgestellt worden. Im Vorjahr seien es noch 92.000 Fm gewesen. Damit steige die diesjährig aufgelaufene Schadholzmenge seit Jahresbeginn auf 265.000 Fm.

Befallsschwerpunkte seien laut ThüringenForst Ostthüringen (v. a. das Forstamt Schleiz und das Forstamt Saalfeld-Rudolstadt) und Südthüringen (v. a. das Forstamt Sonneberg). Ursächlich dürfte, neben dem hohen Populationsdruck auch hier der viel zu trockene und warme Mai sein.

Keine Entspannung in Sicht

Die aktuelle Witterungsentwicklung wird höchstwahrscheinlich auch die nächste Käfergeneration schnell heranreifen lassen, sodass bereits in diesen Tagen (Stand: Mitte Juni) mit dem Ausflug der Schadinsekten zu rechnen ist. Die Expertinnen und Experten der Länder rechnen mit einer deutlichen Verschärfung der Borkenkäfersituation in den nächsten Wochen.

Der Buchdrucker (Ips typographus) ist ein Rindenbrüter und gehört zu den bedeutenden Forstschädlingen.
Der auf den ersten Blick unscheinbare Buchdrucker (Ips typographus) ist ein Rindenbrüter und gehört zu unseren bedeutendsten Forstschädlingen.
Foto: Foto-Archiv AFZ-DerWald

Also bleibt auch weiterhin Wachsamkeit das Gebot der Stunde. Zu achten ist vor allem auf frisches Bohrmehl und auf sichtbaren Harzfluss. Auch eine deutlich fahlgrüne bzw. rotverfärbte Krone ist ein gut erkennbares Befallsmerkmal. Wichtig bleibt es auch, die liegende Stämme zu kontrollieren. Hier ist laut LWF mit dem größten Brutfortschritt zu rechnen. Nicht zuletzt ist auch weiterhin auf eine schnelle Aufarbeitung und einen raschen Abtransport befallener Bäume bzw. von liegendem Holz zu achten.

Mit Material von ThüringenForst, SBS, SMEKUL und LWF