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Mit der Überwinterung im Erdreich entzieht sich der Borkenkäfer den Bekämpfungsmaßnahmen von Waldbesitzern und Förstern.

Borkenkäfer in Thüringen: Die Lage bleibt ernst

Experten von ThüringenForst blicken zurück auf die Borkenkäfersaison 2019 und wagen einen kurzen Ausblick auf das kommende Jahr.

Die von Waldbesitzern und Förstern gefürchteten Borkenkäfer haben für dieses Jahr ihren Schwarmflug und damit den Neubefall beendet. In der vorläufigen Gesamtschadensbilanz des Jahres erfüllten sich mit voraussichtlich 2 Mio. Fm Stehendbefall nicht die allerschrecklichsten Befürchtungen der Forstexperten, die zu Jahresbeginn bis 3 Mio. Fm Schadholz prognostizierten.

Doch Zurücklehnen können sich Waldbesitzer und Förster trotzdem nicht. Zumindest in den unteren, milderen Lagen konnte der Buchdrucker, Thüringens schlimmster Fichtenschädling, in diesem Jahr teilweise eine dritte Käfergeneration ausbilden und sich damit wieder extrem vermehren. Beste Voraussetzungen, um im Frühjahr 2020 wieder zuzuschlagen. Denn selbst ein harter Winter, den die Meteorologen im Übrigen nicht erwarten, kann dem Schädling kaum etwas anhaben.

Wiederbewaldung eine gesellschaftliche Gemeinschaftsaufgabe

Thüringens Forstministerin Birgit Keller dazu: „Zum Glück sind die Schäden geringer als wir zunächst befürchtet hatten. Die Lage bleibt aber ernst und wir werden mit allen möglichen Mitteln versuchen, weitere Schäden von unseren Wäldern abzuwenden. Hierfür haben wir gute Grundlagen geschaffen. Wir haben zusätzliches Personal eingestellt, dass unsere Forstleute unterstützt. Die zerstreut anfallenden Käferholzmengen werden weiter lokalisiert und aufgearbeitet. Zudem haben wir regionale Koordinierungsstellen eingerichtet, um schnell und zielgerichtet auftretende Schäden einzudämmen. Mit unserer Aktion Thüringen pflanzt erreichen wir die Menschen und machen die Wiederbewaldung zu einer gesellschaftlichen Gemeinschaftsaufgabe. Die Solidarität, die uns aus der Bevölkerung erreicht, ist enorm.“

Der Borkenkäfer kam früh …

„In den ersten Apriltagen begann der erste Schwarmflug des Buchdruckers in diesem Jahr. Und damit etwa knapp zwei Wochen früher als 2018, als er Mitte April, ebenfalls ungewöhnlich früh, erstmals auftrat“, so Volker Gebhardt, ThüringenForst-Vorstand. Was nichts Gutes hieß, denn je früher im Jahr der Käfer fliegt, desto länger hat er im Jahresverlauf Zeit, sich zu vermehren. Früher erster Stehendbefall gesunder Fichten war die Folge. Doch dann kam ein verregneter, kühler Mai 2019, wodurch die Ausbreitung und auch das Brutgeschäft des Buchdruckers gebremst wurde. Anfang Juni begannen mit instabilen Sommertemperaturen mehrere kleinere Schwarmflüge, die Brutentwicklung „verzettelte“ sich – was die Vorhersagen der Forstexperten erschwerte. Gleichwohl waren die Fangzahlen in den Käferfallen deutlich höher als im vergleichbaren Zeitraum 2018.

Mögen die Temperaturen dem Borkenkäfer bis dahin nicht immer gefallen haben, die Trockenheit spielte ihm in die Hände. Die Bodenwasserspeicher in Thüringens Wäldern waren vielfach erschöpft, die gestressten Fichten hatten kaum Kraft zur Gegenwehr. Der Buchdrucker konnte erfolgreich weitere Fichten befallen, günstige Temperaturen im Juli und August unterstützten dies zusätzlich. In einigen Teilen Thüringens gelang dem Buchdrucker die Ausbildung oder zumindest Anlage einer dritten Generation und damit eine explosionsartige Vermehrung.

Die Wintermonate nutzen …

Ab Oktober war vielfach zu beobachten, dass der Buchdrucker sich auf die Überwinterung vorbereitet. Altkäfer und fertig ausgebildete Jungkäfer können sowohl unter der Rinde als auch in der Bodenstreu überwintern.

Mit der Überwinterung im Erdreich entzieht sich der Borkenkäfer den Bekämpfungsmaßnahmen von Waldbesitzern und Förstern. Diese können die Wintermonate dennoch nutzen und so viel Stehendbefall sanieren wie möglich. Denn in vielen befallenen Käferbäumen finden sich immer noch Tausende Jungkäfer, die es zu vernichten gilt. „Und jeder Borkenkäfer, der jetzt noch abgeschöpft wird, verbessert die Ausgangssituation im Frühjahr 2020“, so Gebhardt abschließend.

Red./ThüringenForst

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