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Borkenkäfer hilft seltenen Arten

Borkenkäfer hilft seltenen Arten

Seit zwanzig Jahren bringen Heerscharen von nur 5 mm großen Borkenkäfern, hauptsächlich Buchdrucker, Altfichten im Nationalpark Bayerischer Wald großflächig zum Absterben. Aktuelle Forschungsergebnisse belegen nun, dass große Mengen Totholz die Artenvielfalt beleben. Das haben die beiden Nationalparkforscher, der Zoologe Dr. Jörg Müller und der Mykologe Dr. Claus Bässler in zwei aktuellen Veröffentlichungen in den Internationalen Fachjournalen Fungal Biology und Biological Conservation aufgezeigt.
So kann jetzt erst die Zitronengelbe Tramete, ein weltweit sehr seltener Pilz, ihre letzten Zufluchtstätten, zwei kleine Urwaldreservate im Böhmisch-Bayerischen Grenzgebirge, verlassen. Heute ist sie in den Naturzonen des Nationalpark so häufig, wie nirgends in Europa. Begründung: Um sich optimal entwickeln zu können, benötigt die Zitronengelbe Tramete eine große Anzahl von Fruchtkörpern des Rotrandigen Fichtenporlings, und die findet er im vom Borkenkäfer flächig abgetöteten Bergfichtenwald in großen Mengen.
Mit den Studien von Müller und Bässler ist klar widerlegt, dass die Strategie des Nationalpark „Natur Natur sein lassen“ zu einer Verschlechterung des Bergwaldökosystems führt. Vielmehr können hierdurch besonders seltene Arten größere Populationen aufbauen und ihre Verbreitung ausdehnen.
Die Forschungsergebnisse aus dem Nationalpark unterstreichen weltweit erarbeitete Erkenntnisse, die immer wieder auf die wichtige Funktion von Walddynamik für den Erhalt der biologischen Vielfalt hingewiesen haben. Wie der amerikanische Professor Reed Noss immer wieder betont, ist es ein generelles Phänomen, dass weltweit viele Menschen u.a. aufgrund mangelnden Wissens Aufräumhiebe nach „Naturkatastrophen“ befürworten. Forschungseinrichtungen in Nationalparks können hier wichtige Aufklärungsarbeit leisten.
NP Bayerischer Wald

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