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BOKU-Untersuchungen zeigen positive Seite steigender Waldschäden

Aktuell hohe Waldschäden verringern Gefahr künftiger Waldschäden deutlich – so das Ergebnis einer Studie von Wissenschaftlern der Universität für Bodenkultur Wien (BOKU) unter der Leitung von Prof. Rupert Seidl.

Bedingt durch den Klimawandel werden Störungen im Wald immer häufiger. Dies stellt Waldbewirtschafter vor die große Herausforderung, wie trotzdem die Nachhaltigkeit vieler Waldleistungen sichergestellt werden kann. Allerdings sind Windwurf, Borkenkäfer und Waldbrand seit jeher Teil des Ökosystems Wald – genauso wie Buche, Eierschwammerl und Rothirsch. Ein Team von Wissenschaftlern der Universität für Bodenkultur Wien (BOKU) unter der Leitung von Prof. Rupert Seidl hat daher untersucht, ob Störungen im Wald nicht auch positive Seiten haben können.
Klimawandel als „Fieberreaktion des Waldes“ sehen
Dazu wurde zunächst die Beziehung zwischen Klima und den natürlich im Wald vorkommenden Baumarten untersucht: „Das Klima ändert sich in einer Geschwindigkeit, bei der das langsame ’System Wald’ auf natürlichem Wege kaum mehr nachkommt. Als Folge entsteht ein steigendes Ungleichgewicht zwischen dem vorherrschenden Klima und der Zusammensetzung des Waldes“, erklärt Dominik Thom, Erstautor der in der Fachzeitschrift Global Change Biology Mitte November 2016 erschienenen Studie. Anhand von Computersimulation konnten die Wissenschafter zeigen, dass Störungen das Ungleichgewicht zwischen Klima und Wald verringern, indem sie an ein wärmeres Klima angepassten Baumarten die Chance zur Etablierung bieten. Steigende Schäden sind somit so etwas wie eine „Fieberreaktion“ des Waldes, welche langfristig zu einem gesünderen Bestand führen kann.
Es gibt auch positive Aspekte von zunehmenden Waldschäden
Die Wissenschafter waren jedoch noch einem weiteren Effekt von Waldschäden auf der Spur, erhöhen doch Störungen die strukturelle Vielfalt des Bestandes. Manche Bäume sterben durch Feuer oder Borkenkäfer, andere überleben und durch die nachkommende Verjüngung entsteht ein neben- und miteinander von Bäumen verschiedenen Alters – sozusagen „Generationenwohnen im Wald“. Borkenkäfer sind jedoch auf ein großflächiges Vorkommen von älteren Bäumen angewiesen. Die Wissenschafter vermuteten daher, dass eine durch aktuelle Störungen erhöhte Vielfalt zukünftige Störungen verringern könnte. Um diesem Struktur-Effekt nachzugehen ohne ihn dabei mit dem oben beschriebenen Baumarten-Effekt zu verwechseln, machte man sich auf die Suche nach einem sehr baumarten-armen System und fand dies im Yellowstone Nationalpark in den USA.
„Das Yellowstone Plateau ist von nur einer einzigen Baumart dominiert und war in der Vergangenheit stark von Waldbränden beeinflusst, was die Strukturvielfalt stark erhöht hat. Weiters wird die dort vorkommende Drehkiefer gerne vom Borkenkäfer befallen. Der Yellowstone war also das perfekte ’Versuchslabor’, um unsere Hypothese zu Struktureffekten zu testen“, meint Prof. Rupert Seidl. Gemeinsam mit Kollegen der University of Wisconsin, Madison und des Washington DNR ging er daran, den Effekt von durch Waldbrand verursachter Strukturvariabilität auf zukünftige Käferschäden zu quantifizieren. Die nun in der Fachzeitschrift PNAS veröffentlichte Arbeit zeigt, dass die aktuell hohen Waldschäden die Gefahr von zukünftigen Waldschäden deutlich verringern.
„Es gibt also auch positive Aspekte von zunehmenden Waldschäden“, folgert Seidl daraus und empfiehlt Waldbesitzern: Schäden dort vermeiden, wo es möglich ist, jedoch mit Störungen rechnen und diese – wenn sie auftreten – als Chance zur Anpassung und Erhöhung der Vielfalt nutzen.
 

Zur Baumartenstudie (engl.)

 

Zur Strukturstudie (engl.)

 
BOKU Wien

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