ForstBranche WaldÖkologie

Biotopbäume als Hotspot der Biodiversität

Bearbeitet von Martin Steinfath

Waldreservate, Altholzinseln, Biotopbäume und Wildnisecken als Öko-Nischen für seltene Arten. Eine Neue Broschüre von WWF und Bundesforste gibt Praxistipps für mehr Vielfalt im Wirtschaftswald.

Gemeinsam mit dem WWF haben die Bundesforste die Fachbroschüre „Aktiv für Artenvielfalt im Wald“ herausgebracht. Gezeigt wird damit, wie sich durch die gezielte Förderung von seltenen Baumarten und Naturwaldelementen die Arten- und Strukturvielfalt im Wirtschaftswald erhöhen lässt. „Biotopbäume sind ein wahrer Hotspot der Biodiversität. In unseren Wäldern belassen wir daher bewusst alte Bäume sowie ausreichend abgestorbenes Holz im Wald, um wieder mehr Lebensraum für seltene Arten zu schaffen“, betont Rudolf Freidhager, Vorstand der Österreichischen Bundesforste, die rund 15 % der heimischen Wälder betreuen. „Werden Wälder nachhaltig bewirtschaftet, kann der Mensch nicht nur die Ressourcen der Wälder nutzen – auch die Artenvielfalt kann erhalten bleiben. Struktur- und artenreiche Wälder sind wahre Schatzkammern des Lebens und tragen zum Klimaschutz bei: Sie speichern CO2, schützen vor Naturereignissen – wie Lawinen, Muren oder Steinschlägen – und bringen Abkühlung in Hitzeperioden“, ergänzt Hanna Simons, Leiterin des Bereichs Natur- und Umweltschutz beim WWF Österreich.

Spechthöhlen im Tierreich sehr beliebt

Vor allem der Schwarzspecht, der größte europäische Specht, stellt durch den Bau von geräumigen Baumhöhlen der Waldlebensgemeinschaft wichtige Kleinsthabitate zur Verfügung. Schwarzspechte sind wahre Höhlenbau-Profis, die an mehreren Wohnungen gleichzeitig zimmern. Zieht ein Schwarzspecht-Paar nach erfolgter Brut in eine neue Höhle, gibt es zahlreiche potenzielle Nachnutzer, die um die „Specht-Immobilien“ buhlen: Raufußkäuze, Hohltauben, Kleiber, Fledermäuse, Eichhörnchen, Haselmäuse, Siebenschläfer oder Hornissen übernehmen die Kleinstwohnungen zum Brüten, als Futterversteck oder Schlafplatz. Viele Tiere sind auf die Höhlen des Schwarzspechtes in Biotopbäumen angewiesen und würden ohne ihn unsere Wälder nicht oder nur in sehr viel geringerer Dichte besiedeln. Insgesamt konnten in Europa bisher 58 unterschiedliche Tierarten als Nachnutzer von Schwarzspecht-Höhlen nachgewiesen werden.

Lebendiges Totholz

Neben Biotopbäumen finden sich auch in abgestorbenem Holz zahlreiche Mikrohabitate und Nischen unterschiedlichster Art. Ausreichend Totholz in der Waldlandschaft ermöglicht somit auch seltenen Arten ein langfristiges Überleben. Rund 1.500 von den etwa 7.400 heimischen Käferarten sind von Totholz abhängig. Die meisten von ihnen sind als sogenannte Destruenten am Abbau des Holzes zu Humus beteiligt und stellen damit einen wichtigen Faktor zur Erhaltung und Förderung eines gesunden, produktiven Bodens dar. Je nach Baumart, Zersetzungsgrad des Holzes oder Sonneneinstrahlung leben auf Totholz ganz unterschiedliche Organismen. Beispielsweise wächst das in Europa stark gefährdete Grüne Koboldmoos ausschließlich auf im Schatten liegendem Fichten-Totholz und der seltene, besonders geschützte Alpenbock-Käfer benötigt totes Buchenholz für die Entwicklung seiner Larven.

Naturnahe Waldbewirtschaftung sichert Artenvielfalt

Zum Schutz der Artenvielfalt belassen die Bundesforste daher schon seit Jahren mindestens fünf Biotopbäume sowie durchschnittlich 25 Fm Totholz/ha im Wald. Knapp 500 Altholzinseln und weitere Wildnisecken wurden in allen ÖBf-Forstrevieren in ganz Österreich eingerichtet. Die wenige Hektar großen, wildnisartigen Waldgebiete werden ganz der Natur und ihren Bewohnern überlassen. Gemeinsam mit den Biotopbäumen und durch das Belassen von Totholz schaffen die Bundesforste dadurch ein langfristiges Netzwerk für die Artenvielfalt im Wald. „Um die Biodiversität und damit auch die Widerstandsfähigkeit eines Waldbestandes zu erhalten und zu fördern, ist es essenziell, Biotopbäume und Totholz nachhaltig zu bewahren und ihre weitere Entwicklung zu ermöglichen. Außerdem lässt sich durch gezieltes Einbringen von seltenen Strauch- und Baumarten, wie Schwarzpappel oder Elsbeere, die Vielfalt weiter erhöhen. Denn nur gesunde, bunte und artenreiche Wälder können dem Klimawandel standhalten und neben der Holzproduktion auch ihre vielen Ökosystemleistungen erbringen“, so Rudolf Freidhager.

Die Broschüre „Aktiv für Artenvielfalt im Wald“ mit zahlreichen Praxistipps kann unter www.bundesforste.at/publikationen kostenlos bestellt oder heruntergeladen werden

ÖBF