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Biomassepotenzialstudie für das Saarland vorgestellt

Bis zu 16 Prozent des Gesamtstromverbrauches im Saarland könnte im Jahr 2050 aus Biomasse gewonnen werden. Derzeit liegt der Anteil der Biomasse am Stromverbrauch bei rund 3 Prozent. Das ist ein Ergebnis der Biomasse-Potenzialstudie für das Saarland, die das Saarbrücker Institut für ZukunftsEnergieSysteme (Izes) im Auftrag des Ministeriums für Umwelt, Energie und Verkehr erstellt hat. Für das Saarland wurde in den vergangenen Monaten auf der Basis einer Potenzialanalyse eine Biomasse-Nutzungsstrategie für die Land-, Forst- und Abfallwirtschaft entwickelt. Berücksichtigt wurden dabei die Kriterien Nutzungskonkurrenzen (z.B. stoffliche Nutzung, Lebens-/ Futtermittelbedarf, etc.), Naturschutz (z.B. Dauergrünland, Waldbau, Energiepflanzenanbau, etc.), demografische Entwicklung sowie land- und forstwirt­schaftliche Entwicklung (z.B. Viehbestand, Flächenverfügbarkeit, Ertragsentwicklungen, Privatwaldmobilisierung). Besondere Aufmerksamkeit wurde zudem der Reststoffwirtschaft mit den darin beinhalteten Potenzialen gewidmet. Hier findet derzeit oftmals eine Nutzung außerhalb der Landesgrenzen statt (z.B. Altholz, Klärschlamm, Bioabfall), bzw. lediglich eine stoffliche Nutzung z.B. in Form der Kompostierung (z.B. Grünschnitt).
Unter den heutigen (technologischen) Rahmenbedingungen erscheint bis 2020 szenarienabhängig ein Ausbau auf bis zu 500 GWh Stromerzeugung und damit eine Verdreifachung der heutigen Erzeugung möglich. Dies entspricht – je nach Vollbenutzungsstundenzahl der unterschiedlichen Anlagen – einer installierten elektrischen Leistung von 70 bis 80 MWel. Die maximale Ausbaugrenze ist – unter Berücksichtigung der festgelegten Rahmenbedingungen – bis 2050 bei etwa 100 MWel Leistung und einer Stromerzeugung von knapp 800 GWh erreicht. Derzeit ist im Saarland eine Nennleistung von rund 10 MWel installiert. Hinzu kommen ca. 10 MWel aus den biogenen Reststoffen, die den Müllverbrennungsanlagen zugeführt werden.
Analog wurden die biogenen Wärmepotenziale ermittelt. Dabei wird unterschieden zwischen Anlagen in Kraft-Wärme-Kopplungs-Betrieb (KWK) und Heizwerken bzw. effizienten Einzelfeuerungen nur zur Wärmebereitstellung. Bis 2020 erscheint eine Verdopplung von heute rund 450 GWh jährlich auf dann 1.100 GWh pro Jahr realistisch. Bis 2050 sind dann lediglich noch weitere 150 GWh/a zusätzlich erschließbar. Die zwischen 2020 und 2050 teilweise zurückgehenden Potenziale (Altholz, Biotonne, Grünschnitt, etc.) spiegeln den Einfluss des Bevölkerungsrückgangs im Saarland wider.
„Die Bioenergie-Nutzung, die bundesweit in den letzten Jahren eine starke Dynamik erfahren hat, entwickelte sich im Saarland bislang eher verhalten. Das wollen wir ändern, indem wir Informations- und Förderkampagnen z.B. für Kurzumtriebsflächen starten, das Landesabfallgesetz ändern, um den Ressourcenbezug sicherzustellen, die Landesentwicklungsplanung so gestalten, dass zusätzliche Biomasse-Produktionsflächen gewonnen werden und Akteurs- und Netzwerkinitiativen zur Projektentwicklung unterstützen“, so die saarländische Ministerin für Umwelt, Energie und Verkehr, Simone Peter.
Bezogen auf die einzelnen Biomasse-Sektoren sind dabei folgende Maßnahmen denkbar:
  • Weiterentwicklung der vorhandenen Entsorgungsstrukturen zu einer nachhaltigen saarländischen Ressourcenwirtschaft (z.B. unter der Federführung des EVS).
  • Ab 2020 gegebenenfalls Aufbau einer saarländischen Verwertungsanlage für Altholz (z.B. Umrüstung einer vorhandenen MVA).
  • Einrichtung eines „runden Tisches“ zum Thema „Stoffstrommanagement Holz“.
  • Neuorganisation der abfallrechtlich definierten Zuständigkeiten für die Grünschnittverwertung in Verbindung mit einem stofflich-energetischen Verwertungskonzept.
  • Umgehende Realisierung einer Biogasanlage zur Bioabfallverwertung. Dabei Umsetzung des genehmigten Anlagenstandortes Völklingen-Fürsten­hausen in Verbindung mit einem effizienten Wärmekonzept.
  • Realisierung einer Wärmeauskopplung im Bereich der AVA Velsen zur Nutzung biogener Wärme.
  • Im Bereich der Klärschlammverwertung Erabeitung eines Anlagenkonzepts zur Monoverbrennung / -vergasung von Klärschlämmen.
  • Im Klär-/Deponiegasbereich Prüfung eines Lastmanagements für anfallende Gase.
  • Umsetzung von Kurzumtriebsflächen (KUF) im landwirtschaftlichen Bereich über Informationskampagnen („runder Tisch“) sowie Impulsförderung.
  • Unterstützung des Ausbaus landwirtschaftlicher Biogasanlagen mittels eines breiten konzeptionellen Ansatzes, welcher eine Grünlandstrategie, eine Informations- und Akzeptanzkampagne, angepasste modulare Konzepte für Kleinanlagen sowie eine Effizienzkampagne für Bestandsanlagen beinhaltet.
  • Anerkennung extensiver Biomasse-Kulturen (z.B. KUF, Wildkräutermischungen, etc.) im Rahmen der Eingriffs- / Ausgleichsregelungen.
  • Verbesserung der  Datenlage zum Bestand an Einzelfeuerungen.
  • Vermeidung reiner Waldholzverstromungsanlagen, z.B. durch einen verstärkten Einsatz von Landschaftspflegehölzern sowie holzartigem Grünschnitt. Realisierung einer Effizienzoffensive für Scheitholz.
  • Bezüglich der Bewirtschaftung der Wälder Erörterung der bestehenden Bewirtschaftungsrichtlinien bezüglich Hemmnissen einer Mobilisierung von Energieholz. Einstufung des Waldholzes als öffentlichen Wert. Der Verkaufspreis von Waldholz sollte daher nicht unter dem jeweiligen Marktpreis liegen.

Ministerium für Umwelt, Energie und Verkehr

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