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Biodiversität und Schalenwildmanagement im Wirtschaftswald

Biodiversität und Schalenwildmanagement im Wirtschaftswald

Überhöhte Schalenwildbestände – ein Hindernis auf dem Weg zum klimastabilen Mischwald?Die Arbeitsgemeinschaft Naturgemäße Waldwirtschaft (ANW) hatte am 07. Dezember 2015 zur Auftaktveranstaltung für das bundesweite Forschungsprojekt „Biodiversität und Schalenwildmanagement im Wirtschaftswald“ in das Forstliche Bildungszentrum nach Arnsberg (NRW) eingeladen. Etwa 70 verantwortliche Vertreter des Waldbesitzes, der Jagd und der Ministerien aus Baden-Württemberg, Saarland, Sachsen-Anhalt, Thüringen und NRW, den Ländern mit den Untersuchungsregionen, waren der Einladung gefolgt.Hans von der Goltz, Bundesvorsitzender der ANW stellte in seiner Begrüßung gleich zu Beginn fest: „Wir wollen keinen Schuldigen für ggf. vorhandene Missstände suchen, sondern Bewusstsein entwickeln für gemeinsam wahrzunehmende Verantwortung, Verantwortung für zukunftsfähigen nachhaltigen Mischwald mit Wild!“ Er machte jedoch unmissverständlich klar, dass nicht akzeptabel sei, wenn überhöhte Schalenwildbestände weiterhin auf großen Teilen des deutschen Waldes die angestrebte Mischung auffressen.Frau Professor Beate Jessel, Präsidentin des Bundesamtes für Naturschutz (BfN) und Fördermittelgeberin hob das Schalenwildprojekt als „beispielhaft“ und „wegweisend“ hervor. Professor Friedrich Reimoser, Wildökologe aus Wien, stellte das im Rahmen des Projektes angewandte Weisergatter-Konzept vor. Professor Thomas Knoke, Partner von der TU München, wird in seinem Forschungspart den Einfluss unterschiedlicher Wilddichten auf die Leistungsfähigkeit des Waldes bewerten. Leistungsfähigkeit umfasst die Stabilität des Waldes (Verlustrisiko), die ökologische Ausstattung als mitverantwortliche Voraussetzung für ökosystemare Stabilität und die ökonomischen Auswirkungen für den Waldbesitzer. Professor Christian Ammer von der Universität Göttingen kümmert sich zusammen mit Dr. Torsten Vor um das Vegetationsgutachten. Sie gehen der Frage nach, ob und in welchem Ausmaß selektiver Wildverbiss zu einem unerwünschten Verlust von Mischbaumarten führt. Kann dieser Missstand durch geändertes Jagdregime so beeinflusst werden, dass sich die angestrebten Mischwälder ohne Zaunschutz entwickeln? Abschließend stellte Professor Michael Müller von der TU Dresden seinen Forschungsansatz zum Jagdregime vor. Unterschiedliche waldbauliche Ziele und Ausgangssituationen erfordern unterschiedliche Formen des Jagdregimes. Entscheidend ist ein weiter Rahmen der Möglichkeiten, der von den Jagdausübungsberechtigten unter Berücksichtigung menschlicher Ethik und Tierschutzaspekten verantwortungsbewusst genutzt werden kann, um das jeweilige Ziel zu erreichen. Die Effekte unterschiedlicher Jagdregime werden untersucht.Hans von der Goltz brachte es abschließend auf den Punkt: „Wer klimastabilen Mischwald will muss von seinen Forderungen nach maximalem Ertrag oder nach maximalem Trophäen bestimmten Jagdvergnügen Abstand nehmen. Toleranz aller Beteiligter im Interesse gemeinsamer Zielerreichung ist gefordert!“

Hans von der Goltz/ANW-Deutschland e.V.

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