Vom Wald-Wiesenvögelchen gibt es nur noch geringe Restvorkommen, da sie an die historische Waldbewirtschaftungsform des Mittelwalds angepasst sind.
Vom Wald-Wiesenvögelchen gibt es nur noch geringe Restvorkommen, da sie an die historische Waldbewirtschaftungsform des Mittelwalds angepasst sind.
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Biodiversität: Schmetterlinge im Mittelwald

21. Januar 2023
Insektenarten leben im Wald von unterschiedlichen Lebensräumen. Einige bevorzugen die durch heutige Waldbewirtschaftungsformen bekannten Wälder, manche profitieren von Schutzwäldern, andere eroberten sich ihren Lebensraum in der Vergangenheit in Mittelwäldern. Ein Blick zurück in eine heute seltene Waldstruktur kann sich lohnen. Das beweist ein Forschungsprojekt aus Baden-Württemberg.

Der Mittelwald ist eine historische Form der Waldnutzung, in der aufgrund locker stehender Bäume mit zurückgeschnittenen Gehölzen im Unterstand viel Sonne durch die Bestandesebenen fällt. Diese Strukturen im Unterholz fördern sowohl krautige Pflanzen am Waldboden, als auch die Insekten der Wälder.

Die Forstliche Versuchs- und Forschungsanstalt Baden-Württemberg (FVA), ForstBW und dem Artenschutzprogramm BW haben sich 2017 für gemeinsame Untersuchungen zum Schutz bedrohter Schmetterlinge im Wald zusammengetan. Nun gibt es erste Ergebnisse.

Hiebsmaßnahmen fördern Artenvielfalt im Wald

Die Forstleute und Forschenden wollten untersuchen, ob Lichtwaldarten wie bedrohte Schmetterlinge mithilfe der Waldnutzungsform des Mittelwalds geschützt werden können. Dies untersuchten sie, indem sie das bedrohte Wald-Wiesenvögelchen (auch: kleiner Tagfalter (Coenonympha hero)) durch die Umgestaltung der Wälder hin zu Mittelwäldern förderten.

2019 erfolgten die ersten Maßnahmen durch den Einsatz von ForstBW auf Flächen des Forstbezirks Östliche Alb. Während des Waldumbaus hin zu den gewünschten lichten Mittelwaldstrukturen, wurde das Aufkommen der seltenen Falter beobachtet.

Mittelwald schützt seltene Insektenarten

„Als 2017 auf der Ostalb Potenzialbereiche zur Mittelwaldnutzung gesucht wurden, war auf den jetzigen Projektflächen nur noch ein einzelnes Wald-Wiesenvögelchen nachweisbar“, berichtet Nora Dalüge. Sie begleitet den forstlichen Versuch für mehr Artenvielfalt als Wissenschaftlerin der FVA. „Besonders das Restvorkommen des europarechtlich geschützten Wald-Wiesenvögelchens zu erhalten und zu entwickeln, motivierte uns, die Einrichtung von Mittelwald-Projektflächen im Staatswald anzuregen.“

„Das Wald-Wiesenvögelchen hat super auf diese Bewirtschaftungsform reagiert“, so Dalüge. 2021 zeigten sich nicht nur typische Strukturen der Mittelwälder, auch 30 Wald-Wiesenvögelchen konnten gezählt werden. 2022 hat sich die Anzahl der Waldschmetterlinge dann noch einmal mehr als verdoppelt. Auch andere stark bedrohte Schmetterlinge konnten durch das Projekt nachgewiesen werden. Darunter 43 Tagfalter- und Widderchenarten und 200 verschiedene Nachtfalter.

Forschungsergebnisse zeigen Erfolge

Das Resultat: „Für Schmetterlinge kann die Frage, ob auch Mittelwaldhiebe ohne Tradition zur Artenförderung geeignet sind, klar bejaht werden“, schließt Dalüge. Das Waldnaturschutzkonzept dahinter fördert damit die Vielfalt an Waldstrukturen sowie den Artenschutz.

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Mit Material der FVA