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Biodiversität der Schweiz: Zustand und Entwicklung

Der im Juli 2017 veröffentlichte Bericht über den Zustand der Biodiversität in der Schweiz des Bundesamts für Umwelt BAFU zeigt beunruhigende Befunde: Fast die Hälfte der untersuchten Lebensräume und mehr als ein Drittel der Tier- und Pflanzenarten sind bedroht.

Hauptgründe dafür sind die intensive Nutzung von Boden und Gewässern sowie die hohe Belastung durch Stickstoff. Der anhaltende Verlust an biologischer Vielfalt bedroht einheimische Arten in ihrer Existenz und gefährdet zentrale Lebensgrundlagen für die Menschen und die Wirtschaft sowie die Einzigartigkeit der Landschaften in der Schweiz.

Biodiversität in der Schweiz ist unter Druck

Der Bericht „Biodiversität der Schweiz: Zustand und Entwicklung“, der die Ergebnisse der Biodiversitäts-Monitoringprogramme des Bundes und verschiedener wissenschaftlicher Studien zusammenfasst, zeichnet ein alarmierendes Bild des Zustands der Biodiversität in der Schweiz. Zahlreiche einst verbreitete natürliche Lebensräume wie Trockenwiesen und Feuchtgebiete sind nur noch als Restflächen vorhanden. Ihre Fragmentierung und Isolierung erhöht das Risiko, dass von ihnen abhängige Arten aussterben. Ein Beispiel dafür ist der Laubfrosch, der zum Laichen auf Temporärfeuchtstellen angewiesen ist. Immer häufiger nehmen Generalisten ohne besondere Ansprüche an den Lebensraum den Platz dieser spezialisierten Arten ein und breiten sich auf deren Kosten aus. Die Folgen davon sind eine sinkende Vielfalt der Lebensräume und eine Homogenisierung von Landschaften und Artengemeinschaften.

Grund für den unbefriedigenden Zustand der Biodiversität ist das Zusammenwirken mehrerer Faktoren, namentlich des wachsenden Flächenbedarfs für Siedlungen und Infrastrukturen und der intensiven Landwirtschaft. Immer bedeutender wird aber auch der Druck, der von invasiven Arten, von Mikroverunreinigungen oder von Klimaveränderungen hervorgerufen wird.

Maßnahmen intensivieren

Bund und Kantone haben im Rahmen der Umsetzung der bundesrätlichen Strategie Biodiversität Schweiz verschiedene Maßnahmen ergriffen, um die nationalen und internationalen Ziele zum Schutz und zur Erhaltung der Biodiversität zu erreichen. Dabei sind namentlich die dringlichen Maßnahmen zur Sanierung und Aufwertung der Lebensräume von nationaler Bedeutung zu erwähnen, wofür der Bundesrat im vergangenen Jahr die Mittel verdoppelt hat. Hinzu kommen die Schaffung von Waldreservaten und von Biodiversitätsförderflächen im Agrarland, die Förderung von Gewässerrenaturierungen und der Schutz der Lebensräume von nationaler Bedeutung wie Moorlandschaften. Damit konnte der Biodiversitätsverlust gebremst, aber nicht gestoppt werden.
Zahlreiche dieser Flächen vermögen wegen mangelnder Qualität ihre Funktion nicht zu erfüllen. Schutzmaßnahmen müssen konsequenter vollzogen werden. Als nächsten Schritt der Umsetzung der Biodiversitätsstrategie wird der Bundesrat voraussichtlich in der zweiten Jahreshälfte den Aktionsplan beraten und weitere Schritte beschließen.

Verbesserungen, aber auch Defizite im Wald

(Zitat) Die Biodiversität der Wälder ist gegenüber anderen Ökosystemen in einem vergleichsweise guten Zustand. Seit den 1980er-Jahren ist die natürliche Waldverjüngung zunehmend die Regel, wodurch standortgerechte Baumarten und eine hohe genetische Vielfalt gefördert werden. Der Schweizer Wald beherbergt eine überaus reiche Biodiversität. Rund 40 % der in der Schweiz vorkommenden Arten halten sich regelmäßig im Wald auf, wachsen hier oder sind in mindestens einem Entwicklungsstadium vom Wald abhängig. Die Waldvogelarten haben seit 1990 zugelegt. Bei einzelnen Artengruppen wie den Flechten, Moosen, Großpilzen und Käfern ist der Anteil an gefährdeten und an potenziell gefährdeten Arten hingegen beträchtlich. Viele «Urwaldreliktarten» sind auf Alt- und Totholz oder lichte Standorte angewiesen. Im Schweizer Wald dominieren jedoch die mittleren Sukzessionsstadien, es mangelt an lichten Pionierphasen sowie an Alters- und Zerfallsphasen. Erst seit den 1980er-Jahren nimmt das Volumen an Totholz im Schweizer Wald zu, unter anderem als Folge des Orkans «Lothar». Allerdings bestehen große regionale Unterschiede: Die Volumina an Totholz sind im Jura und im Mittelland nur rund halb so hoch wie jene in den Alpen und Voralpen.

Der Bericht zum Herunterladen (6 MB) oder zum Bestellen: BAFU Direktlink

BAFU/Red.

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