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Biodiversität – Bayern hat eine eigene Strategie

Die Studie NWE5 zum Stand der nationalen Biodiversitätsstrategie sorgte Endes des vergangenen Jahres für einige Aufregung. Ihr zufolge sind nur knapp 2 % der deutschen Wälder dauerhaft geschützt und es besteht erheblicher Nachholbedarf, um das Ziel von 5 % Stilllegungsflächen zu erreichen. Bayern sieht sich durch diese Strategie jedoch nicht gebunden und verfolgt einen eigenen Ansatz.Dazu befragte der Cluster Forst und Holz in Bayern dem Leiter des Referates Forstpolitik und Umwelt am Bayerischen Forstministerium Dr. Stefan Nüßlein und den Leiter des Lehrstuhls für Holzwissenschaft der TU München Prof. Dr. Klaus Richter.Nüßlein bezeichnet die Nationale Biodiversitätstrategie (NBS) als eine Sektorstrategie der Bundesregierung für den Naturschutz, die damit für Bayern keine Verbindlichkeit habe. Auch völkerrechtlich, etwa aus der Biodiversitätskonvention, lasse sich keine Verbindlichkeit ableiten, wie manchmal irreführend behauptet werde. Bei der Projektvorstellung habe das BfN auch eingeräumt, dass es für die 5 %-Forderung gar keine fachliche, sondern nur eine politische Begründung gebe. Damit könne niemand ausschließen, dass an dieser Stellschraube weiter gedreht werde, je nachdem welche politischen Kräfte wirksam werden.Nüßlein kritisiert, dass bei der Untersuchung im Auftrag des Bundesamts für Naturschutz nur dauerhaft willentlich stillgelegte Flächen anerkannt wurden. Viele Prozessschutzflächen bleiben dabei unberücksichtigt, z.B. in unbegehbaren Lagen, oder auch punktuelle Trittstein-Biotope. Das Ergebnis sei deshalb wenig sachgerecht. In Bayern gebe es eine große Vielfalt im Wald. 18 % der Waldfläche Bayerns liegen in Schutzgebieten. Die Bayerischen Staatsforsten haben sich selbst ein sehr umfassendes Naturschutzkonzept gegeben, so Nüßlein weiter. Er plädiert dafür, dass Schutzgebiete überlegt und abgestimmt dort eingerichtet werden, wo fachlich eine Notwendigkeit besteht und weigert sich „einem pauschalen Prozentwert hinterherzurennen“.Prof. Dr. Klaus Richter sieht für Holz aufgrund seiner vielfältigen Einsatzmöglichkeiten sowohl in der stofflichen Nutzung als auch in der Energieerzeugung zukünftig noch eine wesentlich wichtigere Bedeutung als heute. Das gelte sowohl für die globale als auch für die nationale und regionale Rohstoffversorgung. Mit der verantwortungsvollen Nutzung von Holz, gestützt auf eine naturnahe forstliche Bewirtschaftung der Wälder, habe man ein annähernd ideales Modell einer kreislaufgerechten Ressourcenbereitstellung entwickelt, das keinesfalls durch einen willkürlich festgelegten flächenbezogenen Nutzungsverzicht einschränkt werden sollte. Ein Nutzungsverzicht in Wäldern biete in Bezug auf den Klimawandel nur kurzfristig Vorteile – schon nach 30 Jahren erweise sich eine nutzungsorientierte Bewirtschaftung als deutlich vorteilhafter, wenn man die Kohlenstoffspeicherung und die Substitutionseffekte mit einbezieht.

Richter plädiert dafür, die integrierte Holznutzung bei der breiten Bevölkerung mit Fakten und Beispielen als ökologisch und ökonomisch vorteilhaftes Modell einer regionalen Ressourcenbereitstellung zu positionieren. Eine Unterschutzstellung von 5- oder gar 10 % der Fläche führe dazu, dass auf den restlichen Flächen die Nutzung intensiviert würde – mit negativen Folgen für die nachhaltige Waldwirtschaft.
 
Das vollständige Interview sowie weiterführende Informationen finden Sie HIER

Cluster Forst Holz Bayern/Red.

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