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Bilanz der Bekämpfung des Eichenprozessionsspinners in Brandenburg

Bilanz der Bekämpfung des Eichenprozessionsspinners in Brandenburg

Seit 2004 ist die massenhafte Vermehrung des Eichenprozessionsspinners in vielen Landkreisen Brandenburgs ein zunehmendes Problem. Neben Waldflächen sind auch Alleen, Parks und Siedlungsflächen befallen.

Die Brennhaare des Eichenprozessionsspinners können bei Menschen und Tieren zu gesundheitlichen Beeinträchtigungen führen. Mehrmaliger Kahlfraß und die oft darauf folgenden Sekundärschädlinge lassen Eichen auch absterben. Im Wald wurden deshalb zum Schutz wertvoller Eichenbestände in den vergangenen Jahren wiederholt Pflanzenschutzmittel eingesetzt.

Unter der Federführung einer Arbeitsgruppe aus Fachleuten mehrerer Ministerien, der Landesbetriebe Forst und Straßenwesen, des Pflanzenschutzdienstes und Vertretern von Kommunen und Landkreisen sind die Eichenprozessionsspinnerraupen im Frühsommer 2013 aus der Luft und vom Boden aus in mehreren Landkreisen großflächig bekämpft worden. Bei der Vorbereitung der Aktion haben die Behörden eng zusammengearbeitet.
 
Brandenburgs Agrarminister Jörg Vogelsänger kann nach Auswertung aller Zahlen nunmehr Bilanz ziehen: „Der Einsatz gegen den Eichenprozessionsspinner war bislang die umfangreichste Schädlingsbekämpfungsaktion im Land Brandenburg. In der Summe aller Einzelaktionen war sie ein Erfolg, weil der Befall in vielen Landesteilen wirksam eingedämmt werden konnte. Wir müssen jedoch davon ausgehen, dass auch im nächsten Jahr der Kampf gegen den Schädling fortgeführt werden muss. Die Erfahrungen, die das Land, die Kreise und Städte in diesem Jahr sammeln konnten, werden dabei wertvolle Dienste leisten.“
 
Strenge Auflagen beim Pflanzenschutz
 
Der Einsatz von Pflanzenschutzmitteln ist mit strengen Auflagen verbunden. So haben in der Vergangenheit die Abstandsauflagen vom Waldrand zu Siedlungen verhindert, dass der gerade in diesem Bereich massiv auftretende Eichenprozessionsspinner bekämpft werden konnte. Im Jahr 2012 konnten deshalb von den 1.500 ha, die für eine Bekämpfung vorgesehen waren, nur 770 ha beflogen werden. Die danach zu verzeichnende weitere Verbreitung des Eichenprozessionsspinners hatte für die siedlungsnahen Bereiche sehr unangenehme Folgen, so dass zahlreiche Beschwerden von Bürgern bei den Behörden eingingen.
 
Bekämpfung des Eichenprozessionsspinners 2013
Weil in den überwiegenden Fällen im Siedlungsbereich die Bekämpfung aus Gründen des Gesundheitsschutzes notwendig war, musste für ein umwelt- und auch gesundheitsverträgliches Biozid zur Verfügung stehen. Die Ausgangssituation bezüglich der einsetzbaren Mittel war jedoch sowohl für den Biozid- als auch für den Pflanzenschutzmittelbereich sehr unbefriedigend. Für das Mittel Dipel ES, das bereits seit Jahren im Wald und biologischem Landbau eingesetzt wird und das diesen Ansprüchen am besten entsprach, gab es keine ausreichenden Zulassungen. Vogelsänger: „Wir haben deshalb frühzeitig Anträge gestellt, viele Schreiben an die zuständigen Bundesbehörden gerichtet und noch mehr Gespräche geführt. Trotz der erheblichen Unsicherheit, aber immer auf eine Lösung mit den Bundesbehörden vertrauend, wurde auf das Mittel Dipel ES gesetzt und im Forstbereich und auch vielen Landkreisen und Kommunen eine Bekämpfung aus der Luft vorbereitet.“
 
Die Genehmigung für die Ausbringung mit Luftfahrzeugen im Wald wurde Mitte März erteilt. Eine Zulassung von Dipel ES als Biozid erfolgte jedoch erst kurz vor Beginn der Saison am 23. April. Am 8. Mai wurde der Startschuss für die Bekämpfungsmaßnahmen aus der Luft im Landkreis Havelland gegeben. Zeitgleich begannen viele Kommunen mit der Ausbringung des Mittels vom Boden aus. Wegen des nasskalten und windigen Wetters gestaltete sich die Bekämpfungsaktion als eine Herausforderung für die beteiligten Firmen und Behörden. Statt der vorgesehenen 14 Tage dauerte die Bekämpfung fast einen Monat.
 
Insgesamt wurde der Eichenprozessionsspinner auf rund 12.000 ha (3.000 ha Siedlungsflächen, 9.000 ha Wald) aus der Luft oder vom Boden aus bekämpft. Dazu kommen noch über 30.000 Einzelbäume und die Eichen auf 176 km entlang von Straßen. Betroffen waren die Landkreise Prignitz, Ostprignitz-Ruppin, Havelland, Potsdam-Mittelmark, Teltow-Fläming, die kreisfreien Städte Brandenburg und Potsdam sowie kleine Flächen im Barnim und Dahme-Spreewald.
 
Eine besondere Herausforderung war die Behandlung der Flächen der Preußischen Stiftung Schlösser und Gärten (u.a. Sanssouci und Babelsberg) und innerhalb der Stadt Potsdam. Trotz umfangreicher Absperrmaßnahmen und Information über die Medien sowie Aushängen kam es vor allem hier zu Zwischenfällen, weil Absperrungen und Anweisungen ignoriert wurden. Gesundheitliche Probleme durch die Behandlung mit Dipel ES sind jedoch nicht bekannt.
 
Aufwand und Ergebnis
 
Die Aufwendungen für die Bekämpfungsaktionen belaufen sich auf rund 4,5 Mio. EUR. Die Kosten werden durch die Kommunen, Landkreise, den Landesbetrieb Straßenwesen oder den Privateigentümer der Fläche getragen. Die Kosten für die Befliegung der Waldflächen trägt der Landesbetrieb Forst.
 
Die Maßnahmen haben einen spürbaren Rückgang der Befallsbelastungen gebracht. Auf den behandelten Waldflächen wurde bei der Kartierung des Fraßgeschehens kein Kahlfraß mehr festgestellt. Starker und merklicher Fraß traten nur noch auf 1,5 % der behandelten Fläche auf. Leichter Fraß wurde auf 16,7 % der behandelten Flächen registriert. In einigen Bereichen konnte aufgrund der schlechten Witterungsverhältnisse nicht die erhoffte Wirkung erzielt werden.
 
Der Eichenprozessionsspinner muss weiterhin beobachtet werden. Es ist davon auszugehen, dass es außerhalb der bekannten Befallsgebiete zu einer weiteren Ausbreitung kommen wird. Abhängig vom Wirkungsgrad des eingesetzten Mittels ist in den intensiv befallenen Bereichen mit Restpopulationen zu rechnen. 
MIL Brandenburg

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