Das stufenlose, leistungsverzweigte Getriebe S-Matic ist auch im WF trac 1840 eingebaut. Oben zu sehen der hydraulische Zweig, unten der mechanische Zweig.
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Bewährter Neuer: Der WF trac 1840

28. November 2017

Die Firma Werner Forst- und Industrietechnik dringt mit dem neuen WF trac 1840 in ein weiteres Marktsegment vor – mit einem Fahrzeug aus rundum bewährten Baugruppen. Sechs Maschinen der nunmehr kleinsten Baureihe hat das Unternehmen bereits verkauft.

Die Neuvorstellung einer Forstmaschine erwartet man eigentlich im Wald. Bei diesem Schmuddelwetter und wenn es schon am frühen Nachmittag dunkel wird, wäre das aber nicht ganz so angebracht gewesen. Die Werner Forst- und Industrietechnik GmbH hat denn auch einen anderen Ort gewählt: Geschäftsführer Peter Hagen hat gute Kunden und Vertretungen in das Werk nach Trier eingeladen. 70 waren geplant, es sind dann aber eher 170 Personen geworden, schätzt Hagen. Auf dem Rundgang durch die Fertigung wurde es also eng. Die meisten Besucher haben das sicher schon einmal gesehen, aber diesmal war alles ganz anders: Denn Werner hatte mit einigem Aufwand die Werkzeugmaschinen in der gut aufgeräumten Halle mehrfarbig illuminiert, meist rot wie die Krane, und grün wie die WF tracs. Die erste Botschaft war so schon klar: Man unterhält nach wie vor eigene Werkzeugmaschinen, um eine gewisse Eigenfertigungstiefe und eine hohe Flexibilität in der Produktion zu erhalten.

Weiter hinten erweitert sich das Gebäude, bedingt durch die Hanglage zur Mosel hin, zu einer hohen Werkshalle, auf die man wie von einer Empore hinunterblickt. Hier waren Tische aufgestellt, und am Kran hing eine Projektionswand. Nur von dem neuen WF trac sah man noch nichts. Der war hinter einem schwarzen Vorhang verborgen.

Produktprogramm

Zuerst stellte Peter Hagen die Firma vor: Forstfahrzeuge und Forstausrüstungen sind und bleiben ein wichtiges Geschäftsfeld von Werner. Seilwinden fertige man seit 1959 als Bergewinden und als Spezialwinden für die Energie- und Wasserwirtschaft, und natürlich als Forstseilwinden. Neu dazugekommen ist eine Traktionshilfswinde, die in einer Nebenhalle bereits fertig angebaut an einen Komatsu-Vollernter zu entdecken war. Key Account Management im In- und Ausland ist jetzt ein eigenes Geschäftsfeld, dass von Harry Thiele betreut wird.

Hagen betonte die seit 1959 bestehende Zusammenarbeit mit der Firma Daimler. Werner bezieht alle Motoren von dort, Mercedes-Unimog vertreibe serienmäßig Umbauteile von Werner, zum Beispiel den Heckabtrieb mit voller Motorleistung, mit dem man Hacker und andere Geräte mit hohem Leistungsbedarf anschließen kann. Dieser starke Heckantrieb ist ein Kernelement für das Projekt „Agrarunimog“, das Werner in Kooperation mit Daimler vorantreibt. „Insgesamt haben wir in 2016/2017 eine Dreiviertel-Million Euro in die technische Entwicklung investiert“, sagt Hagen. „Davon hat auch der WF trac 1840 profitiert.“ Aber wo ist der? Immer noch verhüllt.

Rückblick

Ab jetzt führt ein professioneller Moderator durch die Geschichte der Firma Werner. Als es um die technischen Entwicklungen geht, fahren die Meilensteine unten in der Werkshalle vor. Von allen hat das Unternehmen noch Fahrzeuge gefunden, die noch im Einsatz oder liebevoll restauriert sind. Die Gäste kennen viele von ihnen noch aus persönlicher Erfahrung. Ein Beispiel ist der erst Unimog mit Knick- und Achsschenkellenkung, ein von Werner umgebauter Unimog, genannt Uniknick, aus dem Jahr 1972. Die Reihe geht über forstliche MB tracs, den ersten WF trac 1100 (1993), den langjährigen Standardtraktor WF trac 1700 mit Drehkabine (2003) bis zum neuesten WF trac 2460 6 × 6 MK mit 175 kW und Doppellenkung, also Knick- und Achsschenkellenkung.

Der Vorhang fällt

Dann fällt endlich der Vorhang und der neue WF trac 1840 steht im vielfarbigen Rampenlicht. Auf den ersten Blick sieht er aus wie jeder Werner trac. „Das soll auch so sein“, führt Peter Hagen aus. „Wir haben die gleiche Drehkabine und die gleichen Achsen wie bei den größeren Maschinen. Unsere Kunden sollen wissen, dass sie ein Fahrzeug kaufen, das aus bewährten Komponenten besteht. Wir haben mit dem S-Matic von ZF auch das gleiche leistungsverzweigte Getriebe eingebaut. Damit kann auch der neue WF trac 1840 rein hydrostatisch anfahren und bei Schnellfahrt mit stufenlosem Übergang den sparsamen mechanischen Zweig nutzen. Das ist ein absolutes Alleinstellungsmerkmal von Werner.“ In der Tat beherrscht es kein anderer Forstmaschinenhersteller so gut wie Werner, leistungsverzweigte Getriebe langfristig forsttauglich einzusetzen.

Bei so viel Konstanz bleibt zu fragen, was neu ist an dem WF trac 1840. „Es ist einfach die kleinere Baugröße. Auch mit 710 mm breiten Reifen ist der WF trac 1840 nicht breiter als 2,55 m“, erläutert Forstmaschinenkonstrukteur Michael Schmitt. Das sei besonders wichtig für die Schweizer Kunden.

Das Herz der Maschine

Das Herz der Maschine ist ein Daimler OM 934 Dieselmotor mit 129 kW und 750 Nm Drehmoment in der Abgasstufe Tier 4 final. Das S-Matic-Getriebe sorgt stufenlos automatisch für eine Zugkraft beim Anfahren von rund 150 kN und eine Höchstgeschwindigkeit von 48 km/h. Ein einziger Fahrbereich deckt diese Spanne ab, es gibt kein Vorgelege und damit auch kein Umschalten zwischen Fahrbereichen. Die beiden Achsen von NAF sind für eine Achslast von 20 t (statisch) bzw. 16 und 14 t bei 8 und 20 km/h zugelassen. Bei 40 km/h auf der Straße dürfen die Achsen jeweils auch noch mit 9,5 t aufgelastet werden.

Die Bauweise

Die Drehkabine sitzt auf einem mittleren Rahmenteil direkt über dem Getriebe. Das Verwindungsgelenk verbindet Mittel- und Vorderrahmen. Bei der Fahrt sieht man vom Fahrerhaus aus, wie die Motorhaube mit der Vorderachsbewegung hin und her kippt, ohne dass die Kabine sich mit bewegt. Die Verbindung zum Hinterwagen wird durch das Knickgelenk mit ± 44° Einschlagwinkel gebildet. Die Seilwinde wird mechanisch über einen abschaltbaren Nebenabtrieb angetrieben. Sie hat standardmäßig eine maximale Zugkraft von 2 × 100 kN, optional sind 2 × 160 kN möglich. Die Seilaufnahme beträgt bis zu 140 m je Trommel bei 13 mm Seildurchmesser. Im Betrieb ist die Winde ständig angekuppelt, es ist keine Lastschaltung erforderlich. Ein Durchtrieb durch das Windengetriebe gestattet – bei gelösten Trommeln – einen Antrieb weiterer Geräte per Heckzapfwelle, und zwar mit der vollen Motorleistung. Die Arbeitshydraulikpumpen (75 cm³ und 45 cm³) liefern bei 1 480 U/ min exakt 200 l/ min. Als Standardkran ist ein Epsilon M80R80 (Bruttohubmoment 96 kNm, Schwenkmoment 26 kNm) aufgebaut. Optional ist ein S110R96 (126 kNm bzw. 33 kNm) möglich.

Einfachheit ist Trumpf

Heckseitig ist ein gerades Rückschild mit zwei drehbaren Stammauflagen angebracht. In der Grundausführung sind keine Wickel-, Aufspul- oder Abspulvorrichtungen enthalten. Einfachheit ist Trumpf. „Wir wissen, dass wir mit dieser 129-kW-Maschine auf ein Marktsegment treffen, das nicht mehr wächst. Darum haben wir eine Maschine entwickelt, die alle von unseren Kunden geschätzten Vorteile bietet, sich aber so auf das Nötigste beschränkt, dass sie schmal und sparsam ist und im Preisrahmen des Marktes für derartige Maschinen liegt. Wir haben im Vorfeld schon sechs dieser Maschinen verkauft, noch bevor wir unsere Roadshow in Deutschland, Österreich, Frankreich und der Schweiz überhaupt gestartet haben“, sagt Hagen und enteilt schon zum Komatsu mit der neuen Traktionshilfswinde von Werner. Aber das ist eine andere Geschichte …

Johannes Sebulke