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Berlin/Brandenburg: Renaissance des Baustoffes Holz

Die Renaissance des Baustoffes Holz – eine Option zur zukunftsorientierten Entwicklung der ländlichen Regionen Brandenburgs? Um diese Frage zu beantworten und die Branche zu vernetzen, hatte der Landesbeirat Holz Berlin/Brandenburg gemeinsam mit weiteren Veranstaltungspartnern am 29. Januar zu einer Fachtagung an die Hochschule für nachhaltige Entwicklung Eberswalde eingeladen.

Bereits in den Grußworten wurde das Fragezeichen durch ein Ausrufezeichen ersetzt: So hat die Hochschule eine Professur für Holzbau ausgeschrieben und, betonte ihr Präsident Prof. Wilhelm-Günther Vahrson, der Studiengang Mechatronik im Holzingenieurwesen stehe in den Startlöchern. Für Daniel Kurth, Landrat des Landkreises Barnim, ist die nachhaltige Holznutzung ganz klar eine Option mit Ausrufezeichen. Auf Bundesebene ist in diesem Jahr die Verabschiedung einer Bioökonomiestrategie zu erwarten, zu deren Kernzielen die nachhaltige Ausgestaltung der land- und forstwirtschaftlichen Produktion und die Entwicklung biobasierter Alternativen zu bestehenden Produkten und Prozessen gehören wird. Damit werde Holz zum Rohstoff schlechthin, sagte Kurth, „und die Hinwendung zum Holz die materialisierte Energiewende“. Nachhaltiges Bauen hänge aber auch von nachhaltiger Politik auf allen Ebenen ab. Die Kritik an den unterschiedlichen baurechtlichen Regelungen speziell für mehrgeschossige Holzbauten in den Landesbauordnungen zog sich wie ein roter Faden auch durch die Expertenvorträge. So hat die 2016 novellierte Brandenburgische Bauordnung zwar gewisse Anpassungen gebracht, schränkt im Vergleich zur Berliner die Möglichkeiten im Holzbau aber noch deutlich ein. Als Landrat unterstütze er, so Kurth, den gemeinsamen Vorschlag des Landesbeirates Holz, der Schutzgemeinschaft Deutscher Wald, der Hochschule Eberswalde und des Bundes Deutscher Forstleute an den Landtag zur Erarbeitung einer Holzbaustrategie für das Land Bandenburg.

„Die Brandenburgische Ingenieurkammer unterstützt alle Bemühungen zum Einsatz von Holz im Bauen“, machte dessen Vizepräsident Klaus Haake deutlich. Es gelte die Vorbehalte gegen den Einsatz von Holz zu beseitigen. Haake plädierte für eine Kombination der Baustoffe Stahl, Beton und Holz.

Um den großen Bedarf zu decken und Antworten auf die aktuellen Anforderungen z.B. im Wohnungsbau finden zu können bei gleichzeitiger Beachtung klimapolitischer Ziele führt kein Weg am ausreichend verfügbaren und nachwachsenden Rohstoff Holz vorbei. Themen und Argumentationsketten, die in den Vorträgen der Experten aus Deutschland, Österreich und Schweden aus unterschiedlichen Blickwinkeln immer wieder auftauchten.

Hervorzuheben der Blick aus und nach Schweden. Deutschland und Schweden sind die beiden Länder in der EU mit dem größten Holzvorrat in ihren Wäldern: in Deutschland 3,7 Mrd. m³, in Schweden etwa 3,3 Mrd. m³. Wie Johan Frisell, Gesandter und stellvertretender Leiter der schwedischen Botschaft in Deutschland, in seinem Grußwort verdeutlichte, bietet sich für beide Länder über die verstärkte Verwendung von Holz als Baustoff ein Weg an, ihre ehrgeizigen Klimaziele zu erreichen. Frisell sprach die Hoffnung aus, dass durch den fachlichen Meinungsaustausch die wirtschaftliche Zusammenarbeit zwischen Schweden und Brandenburg vertieft werden kann.

„Woodland Sweden“

Am Nachmittag eröffnete der Botschafter von Schweden in Deutschland, Per Thöresson, die Ausstellung „Woodland Sweden“ im Zentrum für erneuerbare Energien Hermann Scheer in Eberswalde. Diese Präsentation des Schwedischen Instituts „Svenska Institutet“ und des schwedischen Architektenverbandes „Sveriges Arkitekter“ stellt herausragende Beispiele moderner schwedischer Holzarchitektur seit etwa 2013 vor. Die Ausstellung wurde bereits international und in verschiedenen deutschen Bundesländern gezeigt – Eberswalde wird wohl die letzte Station sein. In Schweden werden mittlerweile etwa 15 % aller neuen mehrgeschossigen Wohnbauten aus Holz errichtet – Tendenz steigend.

Nach der Begrüßung durch Lothar Krüger, stellv. Vorsitzender des Landesbeirates Holz Berlin/Brandenburg (r.), eröffnet der Botschafter von Schweden in Deutschland, Per Thöresson (l.), die Ausstellung „Woodland Sweden“ im Zentrum für erneuerbare Energien Hermann Scheer in Eberswalde. Foto: S. Loboda

Dazu Dr. Denny Ohnesorge, Vorsitzender des Landesbeirates Holz Berlin/Brandenburg e.V.: „Holz ist der Baustoff des 21. Jahrhunderts. Mit der Ausstellung möchten wir den öffentlichen Diskurs zum Thema Baustoff Holz in Brandenburg mit dem Ziel befördern, den im Land Brandenburg nachhaltig erzeugten Rohstoff Holz künftig stärker als Baustoff einzusetzen, um die Wertschöpfung aus dem Rohstoff Holz im Land Brandenburg zu erhöhen, Arbeitsplätze im ländlichen Raum zu sichern und neue zu schaffen sowie einen Beitrag zur Senkung der CO₂-Emmissionen zu leisten.“

Die Ausstellung „Woodland Sweden“ ist bis zum 14. Februar 2019 zu sehen im Zentrum für erneuerbare Energien Hermann Scheer, Brunnenstraße 26a, 16225 Eberswalde. Geöffnet ist Montag bis Freitag von 9 bis 12 und von 13 bis 16 Uhr oder nach Vereinbarungunter Telefon 0172-3143880

Mehr Informationen zum Landesbeirat Holz Berlin/Brandenburg im Internet

Stephan Loboda

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