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Kohlenstoffbilanz des Wald- und Holzsektors bewirtschafteter und unbewirtschafteter Bergmischwälder der Bayerischen Alpen

Quelle: Forstarchiv 82: 4, 142-154 (2011)
Autor(en): HÖLLERL S, NEUNER M

Kurzfassung: Bergwälder erfüllen nicht nur Schutz-, Nutz- und Erholungsfunktionen. Sie stellen auch eine Kohlenstoffsenke dar. Es gibt immer wieder Überlegungen darüber, welche Auswirkungen die Bewirtschaftung auf diese Senkenfunktion hat. In einer Studie wurden die Effekte verschiedener waldbaulicher Behandlungen auf den Kohlenstoffvorrat in Bergmischwäldern untersucht. Es wurden Kohlenstoffbilanzen für Versuchsflächen berechnet, die knapp 30 Jahre unter Beobachtung standen. Kontrollparzellen wurden mit Parzellen verglichen, in denen man schwache und starke Schirmschläge durchgeführt hatte. Bei der Kalkulation der Kohlenstoffflüsse im Wald wurden Änderungen der stehenden Biomasse in Altbestand und Verjüngung berücksichtigt sowie Änderungen der oberirdischen Totholzbiomasse, abgeleitet aus ausscheidendem Bestand und Totholzzerfallskonstanten. Diese Kalkulationen wurden um die externen Effekte Holzproduktspeicher, Materialsubstitution und Energiesubstitution erweitert. Effekte im Boden werden derzeit noch untersucht, sind aber nicht Gegenstand dieser Publikation. Den Ergebnissen zufolge wurden auf den Flächen im Untersuchungszeitraum je nach Variante zwischen 65 und 115 t zusätzlicher Kohlenstoff je Hektar gespeichert (bei den Nutzungsvarianten inkl. Produktspeicher und virtuellem Speicher durch Substitutionen). Das entspricht einer Erhöhung des Ausgangsspeichers um 26-37 %. Im Kalkalpin wies die schwache Schirmschlagsparzelle eine niedrigere Kohlenstoffbilanz auf als die Kontrollparzelle, die starke Schirmschlagsparzelle eine höhere. Auch im Flysch hatte die starke Schirmschlagsvariante eine höhere Senkenwirkung als die Kontrollparzelle. Bewirtschaftete Bergmischwälder können also in Biomasse und Holzprodukten eine höhere Senkenwirkung erreichen als unbewirtschaftete. Die Senkenleistung der Nutzungsvarianten fällt höher aus, wenn die Nutzung kohlenstoffeffizient erfolgt. Es müssen Holzsortimente erzeugt werden, aus denen langlebige Produkte produziert werden können. Stoffliche Nutzung muss Vorrang vor energetischer Nutzung haben, und die Möglichkeiten der Kaskadennutzung müssen ausgeschöpft werden. Bei der Interpretation der Ergebnisse ist zu berücksichtigen, dass der Beobachtungszeitraum mit 27 Jahren verhältnismäßig kurz ist und die Ergebnisse zum Bodenkohlenstoff noch ausstehen.


A carbon balance of the forest- and wood sector in managed and unmanaged mixed mountain forests in the Bavarian Alps

Abstract: Mountain forests fulfil different functions like protection or recreation functions. But they are also a carbon sink. In this context it is often debated whether one should manage mountain forests or not. In this survey the effects of different silvicultural treatments on the carbon stock of mountain forests were analyzed. We calculated carbon balances for research plots that had been observed for about thirty years. Control plots were compared to light and heavy shelterwood cuttings. The carbon stock flows in the forest were calculated considering volume increment of the matured stand, increment of dead wood, decomposition of dead wood and development of natural regeneration. This calculation was expanded to include external effects such as carbon sequestration in wood products and the substitution of non-wood products and of fossil fuels. Effects on humus and soil are currently being analyzed, but this publication does not deal with them. Results show that within 27 years in the different research plots between 65 and 115 tons of additional carbon were accumulated (including carbon sequestration in wood products and substitution effects). That is a plus of 26-37% compared to the initial state. In the limestone region the light shelterwood cutting had a lower carbon balance than the control plot. The heavy shelterwood had a higher carbon balance. In the flysh area also the heavy shelterwood plot had a higher sequestration than the control plot. Thus managed mountain forests can have a better carbon balance in biomass and wood products than unmanaged mountain forests. The sequestration is higher if the management is done carbon efficient. There must be produced wood products with a long life cycle. Material use of wood should be preferred to energy use. The results should be interpreted carefully as the investigation period only was 27 years and as the results on humus and mineral soil are still missing.

© DLV München

 

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