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24.08.18: der Borkenläfer-Befall scheint gering. Bei näherem Hinsehen wird deutlich, dass Gegenmaßnahmen hier hier schon zu spät kommen, weil auch viele scheinbar gesunde Fichten bereits befallen sind. Foto: Wald und Holz NRW/M. Nolden

Bekämpfung der Borkenkäfer im Frühjahr und Sommer

In ganz Deutschland  haben sich die Borkenkäfer 2018 so stark vermehrt wie seit Jahrzehnten nicht. Gefährlich sind besonders der Buchdrucker und der Kupferstecher, die Fichtenwälder auch großflächig zum Absterben bringen können. Hier erklären wir, wie man Borkenkäfer in der Vergetationsperiode (Mitte März bis Mitte Oktober) bekämpft.

Bekämpfung der Borkenkäfer in der Vegetationsperiode (Mitte März – Mitte Oktober)

Übersicht Bekämpfung Borkenkäfer in der Vegetationsperiode (Mitte März – Mitte Oktober)a
Grafik: Wald und Holz NRW

Wie kontrolliert man den Borkenkäferbefall in der Vegetationsperiode?

Von Mitte März bis Mitte Oktober (Vegetationsperiode) ist mindestens ein Kontrollgang pro Woche ratsam.

Vollständige Kontrolle des Bestandes in Schleifen ist ratsam.
Kontrolle des Bestandes in Schleifen Grafik: Wald und Holz NRW
  • Alle Fichtenbestände sollten vollständig kontrolliert werden, ganz besonders: Flächen mit Vorjahresbefall, südlich exponierte Flächen, aufgerissene Bestandsränder, Umfeld von Sturmwürfen und -brüchen.
  • Bei der Kontrolle ist darauf zu achten, in Schleifen mehrere Baumlängen in den Bestand hineinzugehen.
  • Befallene Bäume zur Entnahme mit Sprühfarbe markieren.
  • Es empfiehlt sich die Anlage einer Befallskarte: Sie erleichtert die Organisation der Aufarbeitung und Abfuhr und ist Grundlage für spätere Kontrollen.
  • Schüttere Kronen sind ein deutliches Symptome für so genannte „Käferfichten“.

Welche Befallssymptome gibt es?

Tote Fichten und solche mit abgefallener Rinde sollen stehen bleiben, da sie keine Gefahr mehr für den restlichen Bestand darstellen. Fichten mit nachfolgend beschriebenen Symptomen sind von Käfern befallen. Ein aktiver Brutraumentzug ist erforderlich: Das bedeutet Einschlag der Bäume.

  • Braunes Bohrmehl auf der Rinde, unter Rindenschuppen, auf Spinnweben, am Stammfuß und auf dem Boden. Dieses Merkmal deutet auf frischen Befall hin. Achtung: Unmittelbar nach Regen oder starkem Wind sind diese Symptome oft nicht mehr erkennbar. Die Kontrolle ist am nächsten trockenen Tag durchzuführen.
  • Einbohrlöcher und Harztrichter, Harztröpfchen und Harzfluss am Stamm, vor allem am Kronenansatz. Diese Merkmale entstehen bei Einbohrversuchen. Bei extremer Trockenheit kommen Harztrichter nicht vor oder sind häufig nicht erkennbar.
  • Grüner Nadelteppich auf dem Boden – vor allem bei Dürre.
  • Rindenspiegel. Spechte schlagen bei ihrer Suche nach Larven und Käfern einzelne Borkenschuppen ab, wodurch helle Flecken, so genannte Spiegel, sichtbar werden.
  • Eine Kronenverfärbung lässt Käferbefall vermuten. Für eine Verfärbung von unten ist der Buchdrucker verantwortlich, bei der Verfärbung von oben und einzelner Äste der Kupferstecher.
  • Bei Auftreten der Merkmale Grüner Nadelteppich, Rindenspiegeldurch Spechte und Kronenverfärbung können die für das Absterben des Baumes verantwortlichen Käfer auch schon teilweise ausgeschwärmt sein und sich ggf. in anderen Bäumen eingebohrt haben. Daher ist eine gründliche Kontrolle des umstehenden Bestandes auf braunes Bohrmehl und Einbohrlöcher erforderlich.

Wie schlägt man Borkenkäferholz ein?

Werden Fichtenstämme von Harvestern aufgearbeitet, kann die Entwicklung der Käferstadien so stark behindert werden, dass sich 80 % der Larven nicht mehr vollständig entwickeln können.
Beim Harvestereinsatz können sich 80 % der Borkenkäferlarven nicht entwickeln Foto: Wald und Holz NRW/R. Oberhäuser

Der Einschlag der Bäume erfolgt vorzugsweise mit Harvester, da beim Durchlauf der Stämme durch die Vorschubwalzen bis zu 80 % der Käferpopulation abgetötet werden können. Sollte die Rinde beim Entasten abfallen, empfiehlt sich ein nachträgliches Zusammentragen und Abfahren bzw. Abdecken der Rinde mit schwarzer Folie.

Muss das Holz unmittelbar nach dem Einschlag abgefahren werden?

Im Idealfall erfolgt unmittelbar nach dem Einschlag die Abfuhr von Stammholz/Abschnitten sowie Industrieholz zum Käufer.

Was macht man, wenn die unmittelbare Abfuhr nach Einschlag nicht möglich ist?

Sind Holzverkauf und/oder Abfuhr nicht unmittelbar möglich, bieten sich mehrere Möglichkeiten der Borkenkäferbekämpfung: einerseits Entrindung, andererseits in Rinde eine Lagerung außerhalb des Waldes, Häckseln sowie das Abdecken von Industrieholz mit schwarze Folie. Sind diese Maßnahmen nicht durchführbar, kommt als letzter Ausweg eine Polterlagerung inklusive Einsatz von Pflanzenschutzmitteln einschließlich Storanet in Frage.

Welche Entrindungsmethoden gibt es?

Händische Entrindung mit Schäleisen – die Schneidbreite sollte der Holzstärke entsprechen.
Entrindung mit Schäleisen Grafik: Wald und Holz NRW
  • Durch Entrindung und weitere Behandlung werden die in den Bäumen befindlichen Borkenkäferstadien abgetötet.
  • Werden Fichtenstämme von Harvestern aufgearbeitet, kann die Entwicklung der Käferstadien so stark behindert werden, dass sich 80 % der Larven nicht mehr vollständig entwickeln können.
  • Die Entrindung kann maschinell an der Waldstraße erfolgen oder händisch im Bestand bzw. an der Waldstraße.
  • Die Entrindung mit einem Entrindungsaggregat am Harvester ist noch in der Erprobung. Eine Wirkung könnte in den ersten sechs Wochen der Saftzeit vorhanden sein.
  • Bei der Entrindung im Bestand ist herabfallende Rinde nach Möglichkeit auf Folien aufzufangen und zu behandeln.
  • Bei händischer Entrindung ist eine vollständige, stammebene Entastung wichtig, das erspart späteren Kraftaufwand beim Schälen. Die Schneidbreite des Schäleisens sollte der Holzstärke angepasst werden (starkes Holz/schmales Schäleisen – schwächeres Holz/schweres Schäleisen). Für das Wenden von Stammholz und Abschnitten Fällheber und Wendehaken nutzen. Arbeitsschutz berücksichtigen.

Was tun mit im Wald verbleibender Rinde?

  • Sofern in der Rinde weiße Stadien (Larven, Puppen, Eier) zu erkennen sind: liegen lassen, da die Individuen nach der Entrindung absterben.
  • Sofern Käfer zu erkennen sind: Rindenhaufen bilden und eine Abdeckung mit vorzugweise schwarzer Folie (z. B. Silofolie) vornehmen. Die Abdeckung mit Folie verhindert ein Abwandern noch lebender Käfer und lässt in der Rinde/im Häcksel verbliebene Käfer in der Regel absterben
  • Sofern Käfer zu erkennen sind, ist auch das Verbrennen auf der Fläche eine Option. Diese Maßnahme ist genehmigungspflichtig und nicht anwendbar in Trockenperioden.

Wo richtet man das Holzlager ein?

Sicherheitsabstand beim Poltern in Rinde: 500 m zum Wald, da Borkenkäfer in der Regel nicht weiter als 500 m fliegen.
Sicherheitsabstand beim Poltern in Rinde: 500 m zum Wald Grafik: Wald und Holz NRW

Das Poltern ohne Rinde kann auf der Holzbodenfläche oder Nichtholzbodenfläche (Holzlagerplatz o. ä.) erfolgen. Gegebenenfalls ist Trockenlagerung ratsam; auf korrekte und nachvollziehbare Sortierung achten. Lagerschäden lassen sich minimieren, indem Lagerplätze und -verfahren entsprechend ausgewählt werden. Sofern in der Rinde weiße Stadien (Larven, Puppen, Eier) zu erkennen sind: liegen lassen, da die Individuen nach der Entrindung absterben.

Gibt es neben der Entrindung noch weitere Maßnahmen?

  • Abfuhr von Stammholz/Abschnitten/Industrieholz und Lagerung mindestens 500 m außerhalb des Waldes. Häckseln von Stammholz/Abschnitten/Industrieholz und Abfuhr zur thermischen Verwertung. Bei Verbleib der Häcksel auf der Fläche eine Abdeckung mit vorzugsweise schwarzer Folie (z. B. Silofolie) vornehmen. Die Abdeckung mit Folie verhindert ein Abwandern noch lebender Käfer und lässt im Häcksel verbliebene Käfer in der Regel absterben.
  • Polterlagerung auf Holzlagerplatz oder Holzbodenfläche als Vorbereitung für den Einsatz von Pflanzenschutzmitteln, die auch Schutz gegen Befall von Bockkäfer und Nutzholzborkenkäfer (Lineatus) bieten.

Wann und wie setzt man Pflanzenschutzmittel ein?

Wenn das gepolterte und ggf. von Käfern befallene Holz nicht abgefahren werden kann, kann – als letzte Möglichkeit – versucht werden, die Polter mit zugelassenen Pflanzenschutzmitteln vorschriftskonform zu behandeln. Zugelassene Pflanzenschutzmittel sind derzeit: Fastac Forst, Cyperkill Forst oder Karate Forst flüssig sowie Storanet (Wichtige Hinweise zum Einsatz von Pflanzenschutzmitteln gegen Borkenkäfer finden Sie hier).

Was passiert mit Resthölzern aus dem Einschlag?

  • Für Resthölzer (X-Holz, rotfaule Erdstammstücke, Kronenrestholz) bieten sich vier Möglichkeiten der Verwertung an.
  • Häckseln und Abfuhr zur thermischen Verwertung.
  • Häckseln und Verbleib auf der Fläche. Sollten noch Jungkäfer sichtbar sein, sollte eine Abdeckung mit vorzugweise schwarzer Folie (z. B. Silofolie) vorgenommen werden. Die Abdeckung mit Folie verhindert ein Abwandern noch lebender Käfer und lässt im Häcksel verbliebende Käfer in der Regel absterben.
  • Verbrennen auf der Fläche. Diese Maßnahme ist genehmigungspflichtig und nicht anwendbar in Trockenperioden.
  • Mulchen. Diese Maßnahme erfolgt bei Bodenverdichtungsgefahr vorkonzentriert nur auf Rückegassen. Zu beachten sind ggf. Vorgaben der Zertifizierungsstandards FSC (Forest Stewardship Council) und PEFC (Programme for the Endorsement of Forest Certification Schemes) sowie gesetzliche Regelungen in Schutzgebieten

Wo kann man sich weiter informieren?

Haben Sie Fragen zum Borkenkäfer-Management? Dann wenden Sie sich an Ihre/n Förster/in vor Ort. Die Kontaktdaten für Nordrhein-Westfalen finden Sie unter: www.wald-und-holz.nrw.de. Dort können Sie auch einen Newsletter mit aktuellen Waldschutz-Informationen und einen 52-seitigen „Praxisleitfaden Fichten-Borkenkäfer“ bestellen oder herunterladen.

In Baden-Württemberg, gibt die Forstliche Forschungs- und Versuchsanstalt (FVA) einen Borkenkäfer-Newsletter heraus. Auf der Webseite der Nordwestdeutschen ForstlichenVersuchsanstalt findet sich zum kostenfreien Download eine 32-seitige Broschüre „Integrierte Bekämpfung rindenbrütender Borkenkäfer“. Und in Bayern hat die Landesanstalt für Wald und Forstwirtschaft ein Borkenkäferinoportal eingerichtet.

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