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Und nochmal derselbe Bestand am 16.12.18: weitergehende Zunahme sichtbarer Borkenkäfer-Schäden. Ausblick: Der Gesamtbestand ist verloren, da zu Beginn des Käferbefalls keine Gegenmaßnahmen getroffen wurden. Foto: Wald und Holz NRW/M. Nolden

Bekämpfung der Borkenkäfer im Spätherbst und Winter

In ganz Deutschland  haben sich 2018 die Borkenkäfer 2018 so stark vermehrt wie seit Jahrzehnten nicht. Gefährlich sind besonders der Buchdrucker und der Kupferstecher, die Fichtenwälder auch großflächig zum Absterben bringen können. Hier erklären wir, wie man Borkenkäfer im Herbst und Winter (Mitte Oktober bis Mitte März) bekämpft.

 

Bekämpfung Borkenkäfer in Spätherbst und Winter (Mitte Oktober – Mitte März)

Übersicht: Bekämpfung Borkenkäfer in Spätherbst und Winter (Mitte Oktober – Mitte März)
Übersicht: Bekämpfung Borkenkäfer in Spätherbst und Winter (Mitte Oktober – Mitte März) Grafik: Wald und Holz NRW

Wie kontrolliert man im Winter den Borkenkäferbefall?

Kontrollgänge von Oktober bis März dienen in erster Linie der Identifikation von Borkenkäfernestern und der Vorbereitung von Bekämpfungsmaßnahmen. Ein Befall kann unter Umständen auch erst im Verlauf des Winterhalbjahres sichtbar werden.

Das Fällen toter und absterbender Fichten ohne Käferbesatz trägt nichts zur Bekämpfung bei.
Toter und absterbende Fichten ohne Käferbesatz müssen nicht gefällt werden Foto: Wald und Holz NRW/M. Niesar
  • Bei der Kontrolle von gefährdeten und befallenen Fichtenbeständen ist darauf zu achten, die gesamten Bestände schleifenförmig abzugehen.
  • Besonderes Augenmerk sollte auf Flächen mit Befall innerhalb der letzten Vegetationsperiode liegen.
  • Befallene Bäume zur Vorbereitung der Entnahme mit Sprühfarbe markieren.
  • Es empfiehlt sich die Anlage einer Befallskarte: Sie erleichtert die Organisation der Aufarbeitung und Abfuhr und ist Grundlage für spätere Kontrollen.

Welche Befallssymptome gibt es?

Tote Fichten und solche mit abgefallener Rinde sollen stehen bleiben, da sie keine Gefahr mehr für den restlichen Bestand darstellen. Fichten mit nachfolgend beschriebenen Symptomen sind von Käfern befallen. Ein aktiver Brutraumentzug ist erforderlich: Das bedeutet Einschlag der Bäume.

  • Einbohrlöcher und Harztrichter, Harztröpfchen und Harzfluss am Stamm, vor allem am Kronenansatz. Diese Merkmale entstehen bei Einbohrversuchen. Bei extremer Trockenheit kommen Harztrichter nicht vor oder sind häufig nicht erkennbar. Das Fällen toter und absterbender Fichten ohne Käferbesatz trägt nichts zur Bekämpfung bei.
  • Rindenspiegel. Spechte schlagen bei ihrer Suche nach Larven und Käfern einzelne Borkenschuppen ab, wodurch helle Flecken, so genannte Spiegel, sichtbar werden. Bei Dürre zusätzlich grüner Nadelteppich auf dem Boden.
  • Schüttere Krone, fahlgrünes Erscheinungsbild und ggf. Rötung der Nadeln.
  • Abfall einzelner größerer Rindenstücke. Werden oben stehende Symptome erkannt, ist auch das Umfeld gründlich auf Befall hin zu untersuchen.

Was ist beim Einschlag befallener Bäume zu beachten?

Neben der Harvesterfällung sind alle verfügbaren Aufarbeitungskapazitäten für das Fällen von Käferfichten zu nutzen.
Motormanuelle Fällung einer Käferfichte Foto: Wald und Holz NRW/K. Mischka

Der Einschlag der Bäume erfolgt vorzugsweise mit Harvester, da beim Durchlauf der Stämme durch die Vorschubwalzen bis zu 80 Prozent der Käferpopulation abgetötet werden können. Sollte die Rinde beim Entasten abfallen, empfiehlt sich ein nachträgliches Zusammentragen und Abfahren bzw. Abdecken der Rinde mit schwarzer Folie.

Fährt man das Holz unmittelbare nach Einschlag ab?

Der Idealfall bei notwendigem Einschlag wegen Käferbefalls ist eine vor dem 1. März gesicherte, unmittelbare Abfuhr von Stammholz/Abschnitten sowie Industrieholz zum Käufer.

Was macht man, wenn nach dem Einschlag eine Holzabfuhr möglich ist?

Sind Holzverkauf und/oder Abfuhr bis zum 1. März von Stammholz/Abschnitten nicht gesichert, bieten sich mehrere Möglichkeiten der Borkenkäferbekämpfung an: einerseits Entrindung, andererseits in Rinde eine Lagerung außerhalb des Waldes oder Häckseln. Sind diese Maßnahmen nicht möglich, kommt als Ultima Ratio eine Polterlagerung inklusive Einsatz von Pflanzenschutzmitteln zuzüglich Storanet im Frühjahr in Frage.

Wie entrindet man befallenes Holz?

  • Durch Entrindung und weitere Behandlung werden die in den Bäumen befindlichen Borkenkäferstadien abgetötet.
  • Die Entrindung kann maschinell an der Waldstraße erfolgen oder händisch im Bestand bzw. an der Waldstraße.
  • Bei der Entrindung im Bestand ist herabfallende Rinde nach Möglichkeit auf Folien aufzufangen und zu behandeln.
  • Die Rinde von akut von Borkenkäfern befallenen Fichten haftet im Winter nur schwach an den Stämmen. Sind die Käfer noch in der Rinde, ist zu prüfen, ob händisches Entrinden möglich ist. Eine vorherige, vollständig stammebene Entastung ist hilfreich.

Was tun mit im Wald verbleibender Rinde und Häckselmaterial?

  • Rinde oder Häcksel auf der Holzbodenfläche oder an der Waldstraße lagern. Dafür Haufen bilden und eine Abdeckung mit vorzugweiser schwarzer Folie (z. B. Silofolie) vornehmen. Die Abdeckung mit Folie verhindert ein Abwandern noch lebender Käfer und lässt in der Rinde/ im Häcksel verbliebene Käfer in der Regel absterben.
  • Verbrennen auf der Fläche. Diese Maßnahme ist genehmigungspflichtig; nicht anwendbar in Trockenperioden.

Wie lagert man entrindetes Holz?

Das entrindete Holz kann auf der Holzbodenfläche oder Nichtholzbodenfläche (Weg o. ä.) gelagert werden.

Was ist zu tun, wenn das Holz nicht entrindet wird?

Abfuhr von Stammholz/Abschnitten/Industrieholz und Lagerung mindestens 500 m vom nächsten Fichtenbestand. Mit dieser Maßnahme wird das Risiko eines Neubefalls erheblich verringert.

Kann das eingeschlagene Holz nicht entrindet werden, sind Häckseln und Abfuhr zur thermischen Verwertung eine Option.
Kann das eingeschlagene Holz nicht entrindet werden, kann es gehäckselt und thermisch verwertet werden Foto: Wald und Holz NRW/K. Mischka
  • Häckseln von Stammholz/Abschnitten/Industrieholz und Abfuhr zur thermischen Verwertung. Bei Verbleib der Häcksel auf der Fläche eine Abdeckung mit vorzugsweise schwarzer Folie (z. B. Silofolie) vornehmen. Die Abdeckung mit Folie verhindert ein Abwandern noch lebender Käfer und lässt im Häcksel verbliebene Käfer in der Regel absterben.
  • Polterlagerung auf Holzlagerplatz oder Holzbodenfläche als Vorbereitung für den Einsatz von Pflanzenschutzmitteln (PSM). Der PSM-Einsatz gilt als Ultima-Ratio-Anwendung und unterliegt strengen Maßgaben. Frühester Einsatz: ab Mitte März (weitere wichtige Hinweise zum Einsatz von Pflanzenschutzmitteln gegen Borkenkäferfinden Sie hier).

Wie gehe ich mit Resthölzern aus dem Einschlag um?

Für Resthölzer (X-Holz, rotfaule Erdstammstücke, Kronenrestholz) bieten sich drei Möglichkeiten der Verwertung an.

  • Häckseln und Abfuhr zur thermischen Verwertung.
  • Häckseln und Verbleib auf der Fläche. In diesem Fall sollte eine Abdeckung mit vorzugsweise schwarzer Folie (z. B. Silofolie) vorgenommen werden. Die Abdeckung mit Folie verhindert ein Abwandern noch lebender Käfer und lässt im Häcksel verbliebene Käfer in der Regel absterben.
  • Verbrennen auf der Fläche. Diese Maßnahme ist genehmigungspflichtig und nicht anwendbar in Trockenperioden.

Wo kann man sich weiter informieren?

Haben Sie Fragen zum Borkenkäfer-Management? Dann wenden Sie sich an Ihre/n Förster/in vor Ort. Die Kontaktdaten für Nordrhein-Westfalen finden Sie unter: www.wald-und-holz.nrw.de. Dort können Sie auch einen Newsletter mit aktuellen Waldschutz-Informationen und einen 52-seitigen „Praxisleitfaden Fichten-Borkenkäfer“ bestellen oder herunterladen.

In Baden-Württemberg, gibt die Forstliche Forschungs- und Versuchsanstalt (FVA) einen Borkenkäfer-Newsletter heraus. Auf der Webseite der Nordwestdeutschen ForstlichenVersuchsanstalt findet sich zum kostenfreien Download eine 32-seitige Broschüre „Integrierte Bekämpfung rindenbrütender Borkenkäfer„. Und in Bayern hat die Landesanstalt für Wald und Forstwirtschaft ein Borkenkäferinfoportal eingerichtet.

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