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Storanet verhindert das Eindringen und den Ausflug von Borkenkäfern.

Bekämpfung des Borkenkäfer nach Kalamität im Vorjahr

In ganz Deutschland  haben sich 2018 die Borkenkäfer so stark vermehrt wie seit Jahrzehnten nicht. Gefährlich sind besonders der Buchdrucker und der Kupferstecher, die Fichtenwälder auch großflächig zum Absterben bringen können. Hier erklären wir, wie man Borkenkäfer im Frühjahr nach einer Massenvermehrung im Vorjahr bekämpft.

Bekämpfung Borkenkäfer im Frühling nach Borkenkäferkalamität im Vorjahr
Bekämpfung Borkenkäfer im Frühling nach Borkenkäferkalamität im Vorjahr Grafik: Wald und Holz NRW

 

Sofern im Vorjahr ein massiver Borkenkäferbefall (Kalamität) aufgetreten ist, sind vor und beim Schwärmbeginn der Borkenkäfer (März – Mai) besondere Maßnahmen zu ergreifen. Ziel ist die Abschöpfung von Borkenkäfern, die im Boden, in Rindenstücken und in nicht entrindetem, liegendem Holz (nach Einschlag) überwintert haben. Für alle unten aufgeführten Maßnahmen ist Sachkunde im Pflanzenschutz erforderlich. Zum Einsatz von Pflanzenschutzmitteln finden Sie hier weitere Hinweise.

Was ist zu tun, wenn man das Sturmholz im Winter aufgearbeitet hat?

Das Borkenkäfernest aus dem Vorjahr konnte im Winter aufgearbeitet (eingeschlagen) und gepoltert, allerdings noch nicht entrindet und abgefahren werden. In diesen Fällen sind die Polter entweder mit Pflanzenschutzmitteln zu behandeln (s. u.) oder mit Storanet zu belegen.

Wie setzt man Pflanzenschutzmittel vor dem Ausflug der Käfer ein?

Für die so genannte Vor-Ausflug-Behandlung mit Pflanzenschutzmitteln von in Rinde gepoltertem Holz ist Folgendes zu beachten:

  • Behandlung mit PSM erfolgt unmittelbar vor Schwärmbeginn, frühestens aber am 16. März. Eine entsprechende Einsatzempfehlung wird unter www.waldschutz.nrw.de abgegeben. Borkenkäfer schwärmen erst ab einer Temperatur von 16,5 °C aus.
  • Zugelassene Pflanzenschutzmittel sind Fastac Forst, Cyperkill und Karate Forst flüssig. Behandlung mit PSM erfolgt manuell oder mit Anbaugerät.
  • Die PSM wirken auch gegen Lineatus (Nutzholzborkenkäfer) und Bockkäfer (Fichtenbock).
  • Der Mindestabstand zu Oberflächengewässern beträgt je nach eingesetztem Mittel 30 m oder 40 m.

Was Storanet und wie geht man damit um?

Physikalische und chemische Barriere: Storanet wird über die Einzelstämme oder Holzpolter gespannt und verhindert Eindringen und Ausflug von Borkenkäfern.
Storanet verhindert das Eindringen und den Ausflug von Borkenkäfern. Foto: LWF

Storanet ist ein Netz, das den Holzpolter komplett bedeckt. In den Fasern sind Wirkstoffe eingebunden, die kontinuierlich an die Netzoberfläche abgegeben werden und Borkenkäfer bei Kontakt abtöten. Storanet verhindert den Neubefall eines Holzpolters und den Ausflug von Borkenkäfern. Zudem wirkt Storanet gegen Lineatus (Nutzholzborkenkäfer) und Fichtenbockkäfer. Zu beachten ist:

  • Einzusetzen ist Storanet unmittelbar vor Schwärmbeginn.
  • Das Auslegen erfolgt durch eine sachkundige Person.
  • Die Abnahme ist durch eingewiesene Hilfskräfte möglich.
  • Mindestabstand zu Oberflächengewässern: 10 m.

Was muss man über Fangholzhaufen, Fangbäume und Trinet wissen?

  • Voraussetzung ist, dass aufgearbeitetes und nicht abgefahrenes, befallenes Holz mit PSM behandelt wurde und dass ausreichend Arbeitskapazitäten für Aufbau/Kontrolle der Fangsysteme zur Verfügung stehen.
  • Fangsysteme sollten nur dort installiert werden, wo mit einem Käferbesatz zu rechnen ist. In gesunden Beständen können Fangsysteme eine gegenteilige Wirkung haben und zu Neubefall führen.
  • Aufgestellt werden Fangsysteme im Bereich vorjähriger Borkenkäfer-Löcher vor Schwärmbeginn, um Käfer, die überwintert haben, gezielt anzulocken und abzutöten.
  • Eine wöchentliche Kontrolle sowohl der Fangsysteme als auch der Bestandesränder ist zwingend erforderlich.
  • Frischer Stehendbefall in unmittelbarer Nähe muss unmittelbar entfernt werden, da ansonsten die Fangsysteme versagen.
  • Für die Fangsysteme gilt ein Mindestabstand zum Fichtenbestand von 6 m.
  • Der Abstand zwischen den Ausstellungsorten sollte mindestens 25 – 30 m betragen.
  • Die Fangsysteme müssen mit entsprechenden Pheromonen beködert sein, um wirksam zu werden.

Wie lege ich Fangholzhaufen an?

  • Einsatzzeitpunkt ist das zeitige Frühjahr (März – Anfang April).
  • Aufstellung in Form eines Zeltes (Tipis) – unabhängig von der Hauptwindrichtung.
  • Je Fangholzhaufen 5 – 6 frische Kronenabschnitte (>10 cm) und Aststummel (bis 20 cm) bei Abschnittslängen von 1,5 – 2 m verwenden; kein Feinreisig mit Nadeln verwenden.
  • Jede potenzielle Landestelle inklusive der Pheromonampulle ist mit geeignetem Pflanzenschutzmittel zu behandeln.

Was ist bei Fangbäumen zu beachten?

  • Vor Schwärmbeginn (März – Anfang April) gesunde Fichten (frisches Stammholz) an Bestandesränder legen.
  • Pro 2 – 3 Käferbäume sollte 1 Fangbaum ausgelegt werden.
  • Jeder Fangbaum ist zwingend und unmittelbar nach der Platzierung mit einem Pflanzenschutzmittel ganzflächig, inklusive der Pheromonampulle, zu behandeln.

Was ist Trinet und wie setze ich es ein?

Trinet wird als Dreiecksaufsteller gegen Stehendbefall eingesetzt.
Trinet wird als Dreiecksaufsteller gegen Stehendbefall eingesetzt. Foto: O. Gabriel

Trinet ist ein Tipi-ähnliches Bekämpfungssystem bestehend aus einem Ständersystem und einem aufgespannten Polyester-Netz, das mit Pheromonen zur Anlockung und Insektiziden zur Abtötung von Borkenkäfern versehen ist.

  • Geeignet auch für unwegsames Gelände.
  • Mindestabstand vom Bestand: 10 m.
  • Bei festgestellter Gefährdung drei Trinets je 100 m aufstellen.

Was ist zu tun, wenn man das Sturmholz im Winter nicht aufgearbeitet hat?

Sind eine oder beide der folgenden Voraussetzungen erfüllt, ist eine wöchentliche Kontrolle gefährdeter Bestandesränder und eine Aufarbeitung gemäß „Maßnahmen innerhalb der Vegetationsperiode“ erforderlich.

  • Borkenkäfernest aus dem Vorjahr konnte im Winter nicht aufgearbeitet werden.
  • Es stehen keine Arbeitskapazitäten für die Umsetzung der Borkenkäfer-Abschöpfung mittels Fangsystemen zur Verfügung.

Wo kann man sich weiter informieren?

Haben Sie Fragen zum Borkenkäfer-Management? Dann wenden Sie sich an Ihre/n Förster/in vor Ort. Die Kontaktdaten für Nordrhein-Westfalen finden Sie unter: www.wald-und-holz.nrw.de. Dort können Sie auch einen Newsletter mit aktuellen Waldschutz-Informationen und einen 52-seitigen „Praxisleitfaden Fichten-Borkenkäfer“ bestellen oder herunterladen.

In Baden-Württemberg, gibt die Forstliche Forschungs- und Versuchsanstalt (FVA) einen Borkenkäfer-Newsletter heraus. Auf der Webseite der Nordwestdeutschen ForstlichenVersuchsanstalt findet sich zum kostenfreien Download eine 32-seitige Broschüre „Integrierte Bekämpfung rindenbrütender Borkenkäfer„. Und in Bayern hat die Landesanstalt für Wald und Forstwirtschaft ein Borkenkäferinoportal eingerichtet.

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