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Befangene Auditoren?

Forstunternehmerzertifizierung: Befangene Auditoren?

Die Zertifizierungen für Forstunternehmer sorgen ja immer mal wieder für etwas Verdruss, meist weil sich Betriebe gegenüber dem Kollegen unfair behandelt fühlen, oder weil in Krisensituationen die Auftraggeber scheinbar plötzlich nicht mehr so genau auf die Einhaltung der eigenen Vorgaben schauen. Unlängst erreichte uns aber eine besondere Beschwerde.

Der konkrete Vorwurf eines Unternehmers lautete, dass man ihm, der nicht nur als forstlicher Dienstleister tätig ist, sondern auch mit Holz handelt, einen Auditor geschickt hatte, von dem er erst im persönlichen Gespräch zufällig erfuhr, dass dieser selbst für einen Holzhandelsbetrieb arbeitet.

Befangene Auditoren?
Spionieren Auditoren zum Teil die Auftragsbücher der Forstunternehmer aus? Cartoon: Timo Essner

Daraus ergibt sich natürlich ein ganz klarer Interessenskonflikt. Wenn man für die Überprüfung seines Unternehmens sprichwörtlich „die Hosen runterlässt“, bleibt es natürlich nicht aus, dass dieser auch Einblicke bekommt, woher man sein Holz bezieht und wer die Abnehmer sind. Daneben stehen zugleich immer die jeweiligen Preise.

Das sagen die Zertifizierer

Wir finden, dass der Beschwerdeführer Recht hat mit seiner Forderung, dass so etwas nicht vorkommen darf. Wir haben die verschiedenen Anbieter von Unternehmerzertifikaten angeschrieben, wie sie jeweils dagegen Vorsorge treffen. Hier kommen ihre Antworten in alphabetischer Reihenfolge:

DFSZ:

„Ja die Alko-Cert beauftragt Forstunternehmer mit der Durchführung der Kontrollen. Daraus wurde nie ein Geheimnis gemacht und ist auch leicht zu begründen. Die übergeordnete Norm, die von der Deutsche Akkreditierungsstelle GmbH (DAkkS) jährlich geprüft wird, verlangt, dass das Personal für die Aufgaben die erforderliche Kompetenz besitzen muss. Die DFSZ-Auditoren/-innen sind ausnahmslos Fachkräfte im Bereich Forstwirtschaft, denn dies ist die Forderung aus dem Standard des Deutschen Forst-Service-Zertifikats. Verpflichtend ist mindestens eine Ausbildung zum Forstwirtschaftsmeister und zwei Jahre Berufserfahrung im forstlichen Sektor oder ein forstliches Studium mit einem Jahr praktischer Berufserfahrung. Alle von uns beauftragten Auditoren/-innen sind in der Branche als selbstständige Unternehmer oder als Angestellte in der Privatwirtschaft oder im öffentlichen Dienst tätig, damit sind die notwendigen Fortbildungen und das aktuelle spezifische Wissen für die Audits gegeben.

Mit verschiedenen Maßnahmen verhindern wir, dass ein „Kollege“ durch die Auditorentätigkeit Vorteile für seine eigene Arbeit ziehen kann. Bei möglichen Interessenkonflikten ist der Auditor verpflichtet diese anzuzeigen. Auch wenn ein Kunde Bedenken anmeldet, wird ihm ein anderer Auditor/-in zugewiesen. Selbstverständlich versuchen wir Interessenkonflikte auch über regionale Abgrenzung zu vermeiden, sind aber auch durchaus bewusst, dass in der heutigen Zeit die Aktionsradien immer größer werden. Aus diesem Grund nehmen wir Ihre Anfrage zum Anlass unsere Abläufe zu optimieren. Für die Zukunft wird geplant, dass alle Kunden zusammen mit der Terminankündigung zusätzlich zum Namen des Auditors auch ein Kurzprofil zu seinen unternehmerischen Aktivitäten erhalten. Für Auditoren/-innen, die im Angestelltenverhältnis sind, wird die datenschutzrechtliche Seite geprüft in wie weit die Angabe zum Arbeitgeber möglich ist. Sollte eine Wettbewerbssituation bestehen, hat der Kunde die Möglichkeit dies zu identifizieren und es wird ein anderer Auditor/-in mit der Kontrolle beauftragt.

Wir sind in unseren Abläufen um ein hohes Maß an Qualitätssicherung bemüht. Werden fachliche Mängel bei einem der Auditor/innen bekannt, wird dieser nachgeschult oder hat keine Zulassung mehr für Audits in diesem Fachbereich. Die oberste Voraussetzung ist eine neutrale, unabhängige und fachkompetente Durchführung der Zertifizierung vor Ort.

Im Verlauf dieses Jahres gab es zwei Beschwerden zu den beauftragten bzw. eingesetzten Kontrolleuren. Im einen Fall wurde wegen einer tatsächlich festgestellten Wettbewerbssituation ein Tausch vorgenommen.“

KFP:

„Den angeprochenen Interessenskonflikt zu vermeiden ist eine der wichtigsten Vorgaben einer seriösen Zertifizierungsstelle. Nicht nur, dass wir bei der Vergabe von Aufträgen an unsere freiberuflichen Auditoren/innen peinlich darauf achten, dass es nach bestem Wissen vermieden wird, dass einer unserer Kunden von einem Mitbewerber auditiert wird, auch die Auditoren/innen selbst müssen sich gegen Unterschrift uns gegenüber in einer so genannten Unabhängigkeitserklärung dazu verpflichten, uns umgehend zu melden, sollten wir tatsächlich einmal einen solchen Interessenskonflikt nicht als solchen erkennen. Einem – auch nur potenziellen – Mitbewerber gegenüber die Bücher offenlegen zu müssen, ist aus unserer Sicht schlicht unzumutbar. Hier ein paar Passagen aus unserer Unabhängigkeitserklärung: „Mit meiner Unterschrift auf Seite 3 erkläre ich gegenüber der HW-Zert GmbH, dass ich für die Ausübung meiner Tätigkeiten bei der HW-Zert die erforderliche Unabhängigkeit habe und meine Tätigkeiten weisungsfrei, persönlich, gewissenhaft und unparteiisch durchführen werde. (…) Ich bestätige, dass ich weder organisatorisch, wirtschaftlich noch personell mit Dritten in der Weise verbunden bin, dass diese auf meine Tätigkeiten bei der HW-Zert Einfluss nehmen könnten. (…) Des Weiteren erkläre ich hiermit, dass ich alle Fälle, welche möglicherweise zu einem Interessenkonflikt bei der Ausübung der Begutachtungstätigkeit führen könnten, der HW-Zert umgehend benennen werde. (…) Es bestehen keine aktuellen Interessenskonflikte bei der Begutachtungstätigkeit.“

KUQS:

„Der Beirat hat sich bei KUQS hinsichtlich des Einsatzes von Auditoren für Praktiker ausgesprochen. Entgegen, weit verbreiteten Szenarien, bei denen Absolventen forstlicher Bildungseinrichtungen ohne ausreichende Berufspraxis mit der Einordnung praktischer Sachverhalte in die jeweiligen Zertifizierungsregularien betraut werden. Kaufmännische Hintergründe dieser Szenarien unterstellen wir dabei als Motiv. Bei KUQS leitet das Auditorenteam Dr. Peter Fischer, ein in diesem Kontext anerkannter Fachmann für Zertifizierungsfragen. Dem zu prüfenden Unternehmen werden neben Ort und Uhrzeit auch der vorgesehene Prüfer im Voraus bekannt gegeben. Dazu hätte im Zweifelsfall auch das Unternehmen ein Widerspruchsrecht. Bei der Auswahl der Auditoren achten wir streng auf regionale Trennung zwischen einem möglichen beruflichen Einsatz des Auditors und dem zu prüfenden Unternehmen. Holzhandel ist nicht zu prüfender Unternehmensinhalt, insofern ist dieser Sachverhalt irrelevant. Aus den genannten Gründen kann ich einen Interessenkonflikt bei KUQS zwischen Auditor und zu prüfenden Unternehmen in dem von Ihnen aufgeführten Kontext ausschließen.“

RAL:

„Die für uns prüfenden Auditoren sind freiberuflich tätig oder Mitarbeiter einer Zertifizierungsorganisation wie z. B. TÜV Nord. Um Interessenskollisionen zu vermeiden, führen wir als GGWL regelmäßig Umfragen bei unseren Auditoren durch. Die letzte Umfrage fand im Frühjahr 2019 statt. Das Umfrageergebnis hat ergeben, dass keiner der Auditoren hauptberuflich als Forstunternehmer oder Holzhändler tätig ist und somit nicht als Mitbewerber der Forstunternehmen auf dem Markt agiert.“

Erkenntnisse

Das Problembewusstsein bezüglich dieser möglichen Interessenskollisionen ist bei den verschiedenen Anbietern unterschiedlich ausgeprägt. Die meiste Vorsorge hat augenscheinlich die Firma HW-Zert innerhalb des KFP-Zertifikates getroffen. Löblich ist, dass Alko-Cert unsere Anfrage sofort zum Anlass genommen hat, ihre Informationspolitik nachzubessern.

Etwas lockerer sehen die beiden anderen Mitbewerber den Sachverhalt. Bei RAL bekümmert man sich vor allem darum, dass der Auditor nicht hauptberuflich im entsprechenden Segment tätig ist (Nebengewerbe werden nicht kontrolliert) und KUQS beruft sich darauf, dass Handelstätigkeiten nicht überprüft werden und deswegen eigentlich kein Konflikt entstehen kann.

Heinrich Höllerl

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